Nachdem De Palma mit Die Verdammten des Krieges und Fegefeuer der Eitelkeiten zwei Niederlagen auf fremden Terrain eingefahren hatte kündigte 1992 der eigenwillige Persönlichkeitsspaltungsthriller Raising Cain eine Rückkehr zur Form an. Daß er anschließend den besten Film seines Spätwerks drehen würde, war allerdings noch nicht vorherzusehen. Carlito´s Way liest sich als ein Index klassischer Gangsterfilmthemen: Al Pacino spielt die Legende Carlito, gerade aus dem Knast entlassen, der sich in einen friedlichen Ruhestand zurückziehen will, Penelope Ann Miller die von ihm geliebte Tänzerin, ein schier unkenntlicher, überragender Sean Penn seinen rotgelockten, weißnasigen Anwalt, der ihn aus dem Gefängnis geholt hat und ihn wieder ins Unglück stürzen wird. Dazwischen malt Stephen H. Burums Kamera in blauem Neon Welten der Nacht: Von der Salsa-Disco ins Billardzimmer, von der Utopie in hervorragend choreographierte Gewaltausbrüche und dazwischen der gealterte Carlito, der weder seinen Ruf noch seinen Lebenswandel ablegen kann. So will es das Genre und so geht Al Pacino in einen atemberaubenden Showdown getäuschter Blicke und Erwartungen in die Grand Central Station. Mehr noch als ein Thriller ist dies ein Film über Sehen, Liebe und Tod. |