Der berühmte Komiker Charly Chaplin war im Hollywood der dreißiger Jahre offenbar einer der wenigen, die den Mut und die Mittel besaßen, Politik in Film umzusetzen. So enstand „der große Diktator“, eine Parabel, die sich an die Zustände im Deutschland Hitlers anlehnt. Die Mär vom jüdischen Schneider, der dem großen Diktator Adenoid Hynkel zum Verwechseln ähnlich sieht und dessen Stelle einnimmt, um der Menschlichkeit zum Durchbruch zu verhelfen hat ihre typischen und hervorragenden Chaplin-Momente. Dennoch stoßen großer Pathos und witzelnde Menschlichkeit angesichts der realen historischen Entwicklung (von denen Chaplin zum Zeitpunkt der Entstehung nur zum Teil wusste) manchmal unangenehm auf. Gegen Ende des Films gibt Chaplin jede Schauspielerei auf und teilt in der Rolle des Diktators dem damaligen Kinopublikum direkt in die Kamera seine Meinung mit: Was letztendlich zählt ist wohl die Menschlichkeit. Und angesichts der unzähligen Produktionen dieser Zeit, die sich nicht einmal zu dieser einfachen Erkenntnis aufschwingen konnten, muss man sagen: Dieser Pathos, mag er auch deplaziert wirken, ist mehr als ganz Hollywood je zustande gebracht hat, und das ist zu würdigen.
Chaplin selbst bekam das politische Engagement weniger. In der dem Krieg folgenden McCarthy-Ära wurde der geborene Engländer anti-amerikanischer Umtriebe verdächtigt und ihm bei einer Europa-Reise schlussendlich die Wiedereinreise in die USA verweigert. Erst Jahre später kehrte Chaplin anlässlich der Verleihung eines Ehrenoscars kurz in die Staaten zurück. Er beschloß sein Leben in der Schweiz. |