Der Film hat zur Zeit seiner Veröffentlichung einen "Nerv" getroffen.
Der unerwartete Erfolg an den Kassen überraschte selbst die Macher. Daran mag wohl auch die, für das damalige Publikum eher ungewohnte Gewaltdarstellung gegen Ende des Filmes Schuld haben.
Was für das damalige Publikum aber "neu" war, ist für ein von "Graphical Violence" und Splatter-Filmen gelangweiltes Publikum höchstens filmhistorisch interessant.
Der Film schockiert auch mehr bezüglich der ambivalenten Postionierung, die er in der Diskussion der Gewaltbegründung einnimmt. Der Film wird zum größten Teil aus der Sicht von Travis erzählt, wobei trotz der offensichtlichen Psychose des Protagonisten, verständniserweckende Szenen für dessen Gewaltausbruch gezeigt werden.
Den Machern war dies klar. Sie wollten die Diskussion um Gewaltanwendung dahingehend enttabuisieren, daß Gewalt nicht immer das Werk von vollkommen ausserhalb der Gesellschaft stehender Individuen ist, sondern vielmehr gilt:
Gewalt und deren Anwendung ist immanenter Bestandteil unserer Kultur, sichtbar etwa beim Gewaltmonopol des Staates oder im Krieg.
Indem Travis im Vietnamkrieg sozialisiert wurde, ist Gewalt für ihn bei ausreichender Begründung und bei Verlust gewisser sozialer Wahrnehmung ein legitimes Mittel.
So erlebt Travis auch während seiner Taxifahrten ständig Gewalt aus der Zuseherposition.
Die subjektive Sympathie, die der Film für Travis scheinbar aufbringt, befreit so die alltägliche Gewalt und ihrer Begründung ihres Denkmäntelchens.
In einem Land, in dem die Todesstrafe immer noch als normales Mittel gesehen wird, erscheint dies noch viel plausibler.
Unterstrichen wird das auch durch das Ende des Filmes: Jeder heute in Amerika produzierte Film würde bei der Szene enden, wo Travis seine blutüberlaufene Hand zu einer Pistole formt.
Dass die Handlung trotz der Überschreiten des Spannungsbogens weitergeführt wird, ergibt so nicht nur Sinn sondern spricht für das überaus kreative Handwerk von Scorcese.
Das passt manchen Filmkennern zuweilen nicht ganz ins Konzept:
Der Verfasser dieser Kritik erinnert sich in diesem Zusammenhang an eine Diskussionsveranstaltung mit dem Regisseur im Wiener Filmmuseum:
Ein vorwitziger Filmstudent hatte Scorcese logische Bildfehler und Schnittungenauigkeiten "nachgewiesen".
Das milde Lächeln des New Yorkers über diesen Dilletantismus strafte den, wohl nicht ganz sattelfesten Diskutanten ausreichend.
Bei genauerer Betrachtung entdeckt man auch in "Taxi Driver" jede Menger scheinbarer Ungenauigkeiten, die einem sehr experimentellen aber ungemein kreativen Schnitt- und Regiestil zu eigen sind.
Es gibt eben Filme, denen Vordergründigkeit fremd ist.
Zweites großes Thema ist die Einsamkeit und ihre Auswirkungen, oder wie es der Autor des Drehbuches ausdrückt, die selbstgewollte Einsamkeit.
Haben Sie das Glück, über eine DVD-Abspielgelegenheit zu verfügen, so ist der Kauf der
DVD 
anzuraten, weil eine sehr geglückte und lange Dokumentation des Filmes Licht auf Punkte wirft, die vielleicht beim erstmaligen Ansehen des Filmes nicht ganz klar werden.
Hinzu kommen natürlich die hervorragenden Darsteller, die zudem hier einen Höhepunkt ihrer Karriere erleben.
Insgesamt kann ich den Film nur empfehlen. Dieser Film macht eindrucksvoll klar, daß neben Unterhaltung und Emotion auch Diskussion und Denkanregung durch das Medium Film möglich und eindrucksvoll umzusetzen sind.
Ein Punkt, den ich persönlich, obwohl ich mich im Kino zuweilen auch einfach nur gerne unterhalte, des öfteren vermisse.