Ein Öko-Thriller mit einer emanzipierten Frau, die gegen Vorurteile gegenüber alleinerziehenden Müttern und der finanziellen Übermacht eines Großkonzerns kämpft? Wohl kaum möchte man einem derartigen Film Einspielergebnisse in der Höhe von 75 Mio Dollar und wochenlanges Anführen des US Box-Office zutrauen.
Doch wie so oft kommt es ganz auf die Inszenierung und die Darsteller einer Story an - und vielleicht im vorliegenden Fall auch auf die Tatsache, daß es sich um eine Geschichte handelt, die sich tatsächlich ereignet hat: PG&E mußte letzten Endes insgesamt 333 Mio Dollar Schadenersatz an die von Krankheit gezeichneten Bürger der Umgebung für Behandlungen und Medikamente zahlen, was einzig und allein dem selbstlosen Einsatz der Titelheldin Brockovich zu verdanken war.
Regisseur
Steven Soderbergh 
(Sex, Lügen und Video, Out of sight) setzt die Geschichte der sturen und bisweilen rücksichtslosen Einzelkämpferin behutsam in langsamen, aber umso eindringlicheren Bildern um und konzentriert sich ganz auf die geradlinige Handlung. Er arbeitet dabei großteils mit Nahaufnahmen, wodurch die Story und die Menschen in den Mittelpunkt rücken.
Den wichtigsten Part hat aber Julia Roberts inne: Der Film lebt von ihr, von ihrer Darstellung der emanzipierten Mutter, die sich in einer von Männern dominierten Branche gegen Arroganz und Voreingenommenheit durchsetzt. Im Gegensatz zu ihren früheren Werken, wo Roberts über die Darstellung der naiven Schönen meist nicht hinausgekommen ist, verleiht sie der Figur der Brockovich eine ganz spezifische Note: Insbesondere Brockovichs Ehrgeiz, gepaart mit einem Übermaß an Egoismus und Schlagfertigkeit, kommt besonders gut heraus. So etwa als Erin ihren Anwalt Masry fluchend und mit wilden Drohgebärden erpresst, sie in seiner Kanzlei als Gehilfin einzustellen; oder als sie ungeniert im örtlichen Wasserwerk den Aufseher in kurzem Rock und weitem Ausschnitt inklusive Wonderbra dazu "überredet", stundenlang in geheimen Akten stöbern zu dürfen.
Aber auch die anderen Darsteller wie Aaron Eckhart oder Marg Helgenberger machen ihre Sache durchaus ordentlich und verleihen dem Film die nötige Tiefe.
Einen Glanzpunkt des Films stellen jedoch die witzigen Dialoge zwischen Erin und ihrem Chef dar, die stellenwiese an Szenen berühmter Komikerduos erinnern: Ed, aüßerst phlegmatisch und uninteressiert an jeglicher Aufregung, steht er doch nach einer anstrengenden Anwaltskarriere kurz vor seinem Ruhestand, kann mit Erins Zähigkeit, ihrer ungehobelten Art und dem ihm fremden Idealismus so überhaupt nichts anfangen, was zu wüsten Streitereien, Erins Entlassung, ihrer Wiedereinstellung und schließlich zum gemeinsamen Kampf gegen den übermächtigen Gegner führt. Ein Genuss...
Der Streifen ist gleichzeitig auch ein Hohelied auf alle alleinerziehenden berufstätigen Mütter, die trotz aller Steine, die ihnen in den Weg gelegt werden, ihr Ziel mit Geradlinigkeit und Selbstbewußtsein und einer gewissen Wurschtigkeitsattitüde erreichen können.
Auch wenn die Handlung nicht sonderlich aufregend und vorhersehbar ist und
"Erin Brockovich" völlig frei von spektakulären Actionszenen ist, wurden meine Erwartungen nicht zuletzt dank der intensiven Darstellung durch Julia Roberts mehr als übertroffen, weshalb ich den Film allen Fans anspruchsvoller Thrillerware ans Herz legen kann.