"Verhandlungssache" ist einer jener Filme, die man gemeinhin unter die übliche Hollywood-Konfektionsware einreihen könnte. Hier würde man dem Film aber unrecht tun. Auch wenn sich die Story im schon x-mal dagewesenen Polizeimilieu abspielt, der Handlungsfaden nicht gerade überraschende Wendungen nimmt und der Film eigentlich ein einziger großer Polizeieinsatz ist, so lebt er doch weniger von seinen (nicht unbedingt sparsam eingesetzten) Special Effects als von seinen großartigen Dialogen.
Es ist ein psychologisches Spiel, das die beiden Hauptfiguren Roamn und Sabian hier miteinander treiben und das den Zuschauer von der ersten Minute an fesselt. Ein Spiel von Bluffs und taktischen Schachzügen, dem man mitunter nur schwer folgen kann. So stellt sich Roman der Außenwelt als brutaler Geiselnehmer dar, während er für seine Kollegen, die ihn am liebsten sofort fertigmachen würden, den Psychopathen spielt. Nur einer durchschaut diese Taktik: Der kongeniale Lt. Sabian, der bald an Romans Schuld zu zweifeln beginnt und gemeinsam mit diesem gegen die starren Fronten der Chicagoer Polizei anzukämpfen versucht.
Zwischendurch wechselt Regisseur F. Gary Gray das Tempo und schaltet die für das Genre üblichen Actionsequenzen ein, um sich gleich danach wieder auf das wortreiche Duell der beiden Hauptdarsteller zu konzentrieren.
Wenn "Verhandlungssache" eines ist, dann großes Schauspielerkino, denn sowohl Samuel L. Jackson als auch Oscarpreisträger Kevin Spacey geben ihren Rollen Profil und begeistern durch perfektes Minenspiel und Timing. Man kann dem Regisseur, der ursprünglich Sylvester Stallone die Hauptrolle geben wollte, für diese Darstellerwahl nur danken, denn erst die beiden verleihen dem Film so etwas wie Exklusivität. Auch die Darsteller in den Nebenrollen (David Morse, J.T. Walsh,...) sind ein seltener Glücksgriff.
"Verhandlungssache" wirft zwar keine neuen Themen auf - auch das Bild des korrupten Polizisten war schon mal da - hebt sich aber angenehm von anderen Filmen dieses Genres ab, indem es die Spannung perfekt dosiert und den Betrachter bis zuletzt im Unklaren läßt, wer tatsächlich hinter der Verschwörung steckt.
Als Zuseher steht man natürlich automatisch auf der Seite des (vermeintlich) bösen Geiselnehmers, was den Spass an diesem temporeichen und actiongeladenen Thriller noch erhöht. |