Man nehme einen Schöpflöffel hervorragenden Slapsticks, gebe ausreichend Anlehnungen an Gangsterfilme der 50er und 60er Jahre hinzu, vermische das Ganze mit typischen Klischees legendärer Mafiaschinken, einer Prise hervorragende Schauspieler und fertig ist Regisseurs Jonathan Lynns (Mein Vetter Winnie) neuester Streich.
Zugegeben, der gelernte Filmfan erinnert sich beim Anschauen sofort an Epen wie
"Der Pate" 
oder
"The Untouchables" 
, erkennt Anspielungen an geniale Filme wie
"Der Clou 
oder witzige Mafiakomödien wie etwa
"Reine Nervensache" 
.
Doch auch gut klauen will gelernt sein: Anders als man annehmen könnte, ist "Keine halben Sachen" nicht eine bloße Persiflage auf die Gangsterfilm-Ära. Im Gegensatz dazu hat dieser Film durchaus eine lebendige Handlung, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht. Vor allem das Unerwartete, die Tatsache, daß der Film unglaubliche Wendungen nimmt, die man als Zuschauer nicht vorhersieht, läßt den Film zu einem besonderen Juwel werden: In zahlreichen Szenen ist der werte Zuschauer geneigt zu glauben, jetzt ginge es Oz, der durch seine naive Art immer mehr in den Strudel von Verbrechen gerät, endgültig an den Kragen. Und doch kommt es immer wieder anders...
Für Cineasten interessant: Die Verweise und Anspielungen an das Chicago der 30er Jahre sind unverkennbar, so etwa, als Cynthia Oz in einem bodenlangen Kleid in seinem Hotelzimmer aufsucht, ihm Jannis Pläne beichtet, um ihn anschließend zu verführen, oder wenn Oz dem Gangsterboss zum ersten Mal gegenübertritt und dieser im Beisein seiner Schergen nach alter Pate-Manier demütigt, das alles mit der leisen Jazz-Musik Randy Edelmans im Hintergrund, wie sie so typisch für Filme dieses Genres ist.
Mit liebvoller Hingabe baut Jonathan Lynn Elemente des Gangsterfilmes ein, ruft Reminiszenzen an die goldenen Zeiten des Erzählkinos hervor, vertauscht die Rollen von Gut und Böse, ohne jedoch die Story zu einer bloßen Farce verkommen zu lassen.
Dies gehört sicher zu den größten Stärken von "Keine halben Sachen", wo sich die zahlreichen personnellen Verwicklungen letzten Endes allesamt in Wohlgefallen auflösen.
Zum Drüberstreuen macht sich der Film noch über die Arroganz so mancher Frankokanadier in Gestalt von Oz´s nervender Frau und die Eßgewohnheiten der Einheimischen lustig (Stichwort: Hamburger mit Mayonnaise). Und daß die Gaunerkomödie nicht in den USA, sondern in Kanada spielt, dürfte auch ein nicht ganz unbeabsichtigtes Novum sein.
Daß der Humor nicht zu kurz kommt, dafür sorgen vor allem Hauptdarsteller und "Friends"-Star Matthew Perry, der die Rolle des schusseligen und etwas naiven Softies schon gänzlich in sich vereinigt hat, und der völlig zur selbstironischen Actiongestalt mutierte Bruce Willis, dessen spitzbübisches Lächeln schon genügt, um dem Zuschauer zu sagen: "Sieh her, keinen meiner früheren Filme habe ich je ernst genommen". Aber auch die anderen Darsteller, allen voran Kevin Pollack, der mit seinem ungarischen Mafia-Akzent einach umwerfend wirkt, vermögen zu beeindrucken.
Auch wenn "Keine halben Sachen" die Masche des liebenswürdigen menschlichen Killers, der viel eher am Mähen seines Rasens als am Umbringen anderer Menschen interessiert ist, wieder neu aufwärmt, kommt man kaum an dieser köstlichen Komödie vorbei, die nur vordergründig eine weitere Genre-Parodie ist, hinter der aber viel Liebe zum Detail steckt.