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Der Sechste Sinn
Original-Titel: The Sixth Sense
Land/Jahr: USA / 1999
Genre: Horror, Thriller, Drama
Mit: Bruce Willis .... Dr. Malcolm Crowe
Haley Joel Osment .... Cole Sear
Regie: M. Night Shyamalan
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    Horrorthriller um den kleinen Cole, der mit den Geistern bereits Verstorbener kommuniziert. Der Jugendpsychologe Dr. Crowe nimmt sich seiner an, um seine eigenen tarumatischen Erlebnisse zu überwinden.

    Eine Kritik von Reinhard Bradatsch, 17.05.2000
 
Inhalt
 
 
Der achtjährige Cole Sear (Haley Joel Osment ) lebt mit seiner geschiedenen Mutter (Toni Collette ) in einem kleinen Haus in Philadelphia. Cole ist völlig in sich gekehrt und schüchtern; nicht einmal mit seinen Kameraden von der Schule kommt er aus. Sein täglicher Zufluchtsort ist eine Kirche, aus der er Heiligenfiguren mitgehen läßt, mit denen er dann zuhause in seiner eigenen kleinen Welt spielt.
Seine verständnislose Mutter möchte sich dieses Trauerspiel nicht länger mitansehen und beauftragt den bekannten Kinderpsychiater Dr. Malcolm Crowe (Bruce Willis ), Coles Seele näher zu erforschen. Dr. Crowe kommt der Auftrag nicht ungelegen, zumal er selbst vor einigen Jahren einen ähnlichen Fall behandelt hat: An jenem Abend, als er mit seiner Frau die Anerkennung als Kinderpsychiater feiern wollte, drang ein ehemaliger, bereits gesund geglaubter Patient namens Vincent (Donnie Wahlberg) in sein Haus ein, beschuldigte Malcolm, dass dieser sein Leben zerstört habe, und verwundete den Psychiater schwer, bevor er sich selbst umbrachte.
Obwohl er noch kurz zuvor seinen Job fast an den Nagel gehängt hätte, nimmt Crowe sich des Jungen an, weil er ihn von Art und Aussehen her so an Vincent erinnert. Crowe will an seinem jungen Patienten das wieder gutmachen, was ihm mit Vincent nicht gelang.
Anfangs bekommt der Psychiater nur wenig aus Cole heraus, zu abgeschirmt und geistesabwesend ist das Kind. Doch schließlich gelingt es Crowe, doch noch in die Gedankenwelt Coles vorzudringen: "Ich sehe tote Menschen", gesteht er Crowe, "Sie sprechen zu mir." Immer wieder begegnen dem Kleinen die Geister bereits verstorbener Menschen, die ihn flehentlich und schreiend um Hilfe bitten.
Obwohl ihn die Aussagen des kleinen Jungen völlig befremden, vergräbt sich Crowe immer mehr in den Fall, nicht zuletzt um sich beruflich wieder zu rehabilitieren. Dadurch kommt das Eheleben mit seiner Frau zu kurz, die sich, spätestens nachdem er sie bei einem gemeinsamen Abendessen alleine hat sitzen lassen, ihrem Nachbarn mehr als freundschaftlich zuwendet.
Immer mehr Fragen beschäftigen den Psychiater: Sind es Hirngespinste oder sagt der kleine Cole die Wahrheit? Warum verfügt der Kleine über diese Gabe? Und wie kann er ihm helfen?
Obwohl seine Ehe den Bach hinuntergeht, ist Crowe fest entschlossen, Cole bei der Bewältigung seines Traumas zu helfen, und irgendwie scheint auch Cole zu glauben, dass Crowe der einzige ist, der ihn von seinen Qualen befreien kann.
 
Kritik
 
 
Nicht oft kommt es vor, dass schon der dritte abendfüllende Spielfilm eines Regisseurs sowohl Rekorde an den Kinokassen bricht als auch die Herzen der Kritiker und Zuschauer erfreut. Jungtalent M. Night Shyamalan  hat es mit The sixth sense geschafft: Als Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion hat er mit seinem Film für derart viel Gesprächsstoff gesorgt, dass andere Regisseure davon nur träumen können. Vor allem deshalb, weil es ihm gelungen ist, mit Bruce Willis einen Superstar zu ködern, der von sich selbst sagt, dass er ohne das außergewöhnliche Drehbuch nie sein OK gegeben hätte.
Das Drehbuch ist auch tatsächlich der größte Pluspunkt. So überrascht The sixth sense nicht nur mit einem für Hollywood, sondern auch für unsere Zeit äußerst selten gepflegtem Genre: Dem des Psychothrillers.
Wobei Shyamalan darunter kein actiongeschwängertes Breitband-, sondern auf Dialog und Stimmung aufgebautes Spannungskino versteht. Ähnlich wie Hitchcock  kommt er ganz ohne Gewalt aus und erzeugt nur durch Farben, Töne und natürlich die schauspielerische Leistung seiner Darsteller Gänsehaut.
Er bedient sich dabei als Kulisse des herbstlich grauen Vorstadt-Philadelphia und seiner gotischen Architektur - eine Szenerie, die schon so größtes Schaudern erzeugt - gekonnt werden beklemmende Stille und sparsames Licht eingesetzt. Die Spannung setzt sich mit dem Auftauchen der verstorbenen Geister in Coles Fantasie fort, die just immer dann ihr Stelldichein geben, wenn der Zuschauer sie am wenigsten vermutet. Und findet ihre Syntax in einem der überraschendsten und gleichzeitig schockierendsten Finali der Filmgeschichte. Gerade über das Ende und das damit verbundene Aha-Erlebnis wurde am meisten im Zusammenhang mit The sixth sense gesprochen.
Ich darf beruhigen: Es wird auch hier nicht verraten. Nur so viel: Der Film hat noch weit mehr Vorzüge als bloß das Ende.
Regisseur Shyamalan gelingt es, kontinuierlich Spannung aufzubauen. So kommt beim Zuschauer keine Minute Langeweile auf, auch wenn sich handlungsmäßig oft gar nicht so viel tut.
Nur langsam kann Psychiater Crowe und mit ihm der Zuschauer in die tiefen Seelen-Abgründe des kleinen Cole vordringen. Sein Gemütszustand, durchdrungen von Angst und Einsamkeit sowie der Gewissheit, anders als die anderen zu sein, wecken in uns die Überzeugung, dass "nicht zu kommunizieren oder Geheimnisse vor den Menschen zu bewahren, die wir lieben, Ehen, Familien und sogar Leben zerstören" kann (Shyamalan).
Bis zum Schluß ist man sich immer noch nicht ganz im Klaren, was Cole wirklich denkt und fühlt, und selbst nach dem Film bleiben jede Menge Fragen offen. Was man weiss, ist, dass man sich hier auf eine unglaublich spannende Reise begibt, eine Reise in die verstörte Welt eines Achtjährigen.
Dass dies glaubhaft gelingt, ist zu einem Gutteil der schauspielerischen Entdeckung des Jahres, Haley Joel Osmont, zu verdanken: Seine kühle und unnahbare Darstellung des kleinen Cole ist Zeugnis einer Schauspielkunst, die man sonst nur von den ganz Großen des Faches gewohnt ist. Aber auch Bruce Willis überrascht hier mit schnörkellosem Spiel und setzt mit der Rolle des Kinderpsychiaters Dr. Malcolm Crowe seinen Weg vom Action- zum anspruchsvollen Film fort.
Gewiss, man kann dem Film vorwerfen, gewisse Handlungsstränge wie etwa Malcolms Auseinanderleben mit seiner Frau nicht konsequent genug zu verfolgen - so ist unklar, ob sie im Nachbarsjungen eine neue Liebe gefunden oder sich mit Malcolms Arbeitswut abgefunden hat. Man könnte auch bemängeln, dass das Finish zu abrupt kommt, das alles wird jedoch durch die geniale Bildersprache Shyamalans mehr als kompensiert.
Resümée: Ein Film, der (nicht nur) mir noch lange im Gedächtnis geblieben ist und einer der Höhepunkte des Kinojahres 1999 war.


Der Sechste Sinn
Warten auf die Geister

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 6/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 6.53125

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