Zu den Italowestern
Leones 
war es noch ein weiter Schritt, dennoch ist für Fans des Regisseurs dieser eher mittelmäßige Eintrag ins Sandalenfilmgenre von Interesse, schließlich lassen sich ein paar seiner Vorlieben schon im Debüt erkennen. Das beginnt mit der Eröffnungsszene, die auch hier schon eine in sich geschlossene Episode darstellt (die Rebellen attackieren Xerxes Schergen in einer Höhle). Leider ist die deutsche Fassung um gut eine Viertelstunde gekürzt (und zwar ausschließlich Actionszenen, insbesondere während des im Original gut halbstündigen Showdowns) und auch diese Eingangssequenz wurde auf ein Minimum geschnitten (dafür bietet der nachfolgende Vorspann unter anderem die Aufwertung des Films von Totalscope zu Supertotalscope). Der dann folgende Plot ist im Wesentlichen ein Vorwand für eine Art Schnelldurchlauf aus Sandalenfilmpflichtmomenten: das unterdrückte Volk (gleich zu Beginn versucht ein Verzweifelter, Xerxes bei der Einweihung des Kolosses zu töten, schon vorher gab es die beliebte "Böses-Omen"-Szene), den Fremden, der erst nach und nach die Grausamkeit des Regimes erkennt (Cowboy-Veteran Rory Calhoun entscheidet sich in der Hauptrolle für eine Art Victore-Mature-Indifferenz unter
Tony Curtis 
verlorener Perücke, die abwechselnd die ausdruckslosen Darstellungen
Eastwoods 
in späteren Leone-Western und - in den wenig gelungenen Komikeinlagen - die angeblich unsagbar lustigen Momente, in denen der kleine dicke Regisseur seinen Schauspielern die Szenen vorspielte, ins Gedächtnis ruft), eine Art Liebesgeschichte, eine große Szene im Kolosseum (natürlich mit Sichelwagen) und einen Showdown, in dem ganz Rhodos der Zerstörung anheimfällt.
Man merkt dabei, wie Leones Interesse blitzartig in bestimmten Momenten erwacht - zuvörderst in den Szenen, die Folterinstrumente enthalten: Säure tropft auf gefesselte Körper, ein Mann wird in eine Glocke gesteckt und solange dagegengehämmert, bis er bewußtlos wird. Mit gierigem Interesse verzeichnet die Kamera die Details und plötzlich ist das Resultat gar nicht so weit von
Für eine Handvoll Dollar 
, der ja auch in einer sprunghaften Erzählung immer wieder Gewaltmomente ausdehnt. Diese mit sichtlichem Genuß ausgespielten Szenen markieren den ersten Schritt in Leones Behandlung von Brutalität; im weiteren Verlauf seiner Karriere würde er Gewalt ins Absurde (in der Dollar-Trilogie), dann in Kunst (
Spiel mir das Lied vom Tod 
) und schließlich (in
Es war einmal in Amerika 
) in die Apotheose treiben.
Abgesehen davon (und von ein Pferdeszenen, die vermutlich der Regisseur ins Drehbuch geschrieben hat - und die durchaus schon ein bißchen so wie seine frühen Western gefilmt sind), fehlt es dem
Koloß von Rhodos allerdings an Eigenständigkeit - offensichtlich brauchte der Regisseur ein Genre, das ihn inspirierte, um mehr als ein paar gelungene Szenen über den Film zu verteilen. Zwar sieht man schon hier Leones Bevorzugung von Schnitt über Kamerabewegungen (die nur als Verlängerung von Gesten und Bewegungen der Schauspieler eingesetzt werden, wie in allen Filmen Leones außer seinen zwei letzten), doch ist von Leones Talent, damit Zeit zu strecken und zu intensivieren, noch nichts zu bemerken. Schon eher zeigen sie eine gewisse Vorliebe für musikalische Abläufe (und auf dem Soundtrack gibt es hin und wieder Blechbläser, die schon
Morricone 
ankündigen) und die für den Regisseur bindende Einsicht, daß ein paar herausragende Szenen an sich wichtiger sind als ein kohärenter Handlungsablauf (für seine einfache Handlung enthält dieser Film eine ganze Menge Handlungshaken). Trotzdem fehlt es zumeist an Überzeugungskraft - das liegt nicht nur an Schauspielern: allein Lea Massaris pragmatisch-melancholische Darstellung vermag zu überzeugen (und scheint wie eine Blaupause für
Claudia Cardinales 
Rolle in
Spiel mir das Lied vom Tod), auch wenn hier der eher uninteressante Dialog des öfteren bremst). Ebenso sind die fürs Genre typischen symmetrischen Breitwandkompositionen noch weit entfernt von Leones späteren verkippten Perspektiven. Doch hin und wieder ist etwas ganz Bezauberndes zu sehen, das schon auf den verspielten Manieristen der legendären Western hinweist: ein Händler am Markt, vor dem Frauen vorbeigehen, die wie durch Zauberhand Rauchwolken in der Farbe ihres Kleides aus einem seiner Töpfe locken zu scheinen; während der finalen Zerstörungsorgie das Bild eines Hundes, der sich durch den Schutt tastet und das unerfindlicherweise in verblaßtes Rosa getaucht ist (leider nur im italienischen Original, ein Moment so plötzlich wie das über
James Coburns 
Kopf auftauchende Schild "Bank von Mesa Verde" in
Todesmelodie 
). All das macht den Film dann doch zum Pflichttermin für Leone-Aficionados (obwohl der einzige Regisseur, der im Sandalenfilm Bemerkenswertes leistete weiterhin Vittorio Cottafavi heißt) und sei es nur für diesen einen Moment, der seine ganze spätere Meisterschaft ahnen läßt: als der Galopp einer Reitertruppe mit drei Schnitten so aufgelöst wird, daß die Bewegung eine Art fragmentierte Sinuskurve auf die Leinwand malt. Der Beginn einer Karriere.