Man muß gleich einmal die positivste Eigenschafts dieses Films herausstreichen: er ist kurz.
Branagh 
, der sich sonst gerne in überlangen
Shakespeare 
-Adaptionen versucht, hat sich hier auf eineinhalb Stunden beschränkt. Das liegt natürlich auch daran, das er die hochoriginelle Idee hatte, die Komödie Shakespeares zu kürzen und diverse Teile durch Musicalnummern zu ersetzen, die zu Jazz-Standards abgewickelt werden. Cole Porte, George Gershwin, Irving Berlin und noch andere sind mit Klassikern aus ihrem Schaffen auf dem Soundtrack vertreten und werden von dem Darstellern mit ihren Stimmen dargebracht.
Hauptzweck dieses Unternehmens scheint zu sein, uns zu zeigen, was für ein kluger Kopf Herr Branagh doch ist. Folgerichtig eröffnet der Film mit einer fiktiven Wochenschau, die den Schwur des Königs erläutert und in parodistischem Stil (ganz auf den Spuren des Anfangs von
Citizen Kane) die Handlung einführt. Und Wochenschauen kehren immer wieder, um die Handlungslöcher zu überbrücken: letztendlich ist
Verlorene Liebesmüh nämlich dann doch weder Shakespeare-Verfilmung noch Musical (beide benötigen in etwa jeweils die halbe Laufzeit des Films), sondern ein unglücklicher Bastard aus beidem. Man sieht dem Film ganz deutlich an, wie sein Regisseur bestimmte Werke der 30er und 40er bewundert, nur scheitert der Musicalteil an seiner antiseptischen Umsetzung. Jede Nummer steht für sich allein da draußen und will manchmal so gar nicht in den Film passen, manche sind einfach nur peinlich (etwa die entsetzlich einfallslose Visualisierung von "I Get A Kick Out Of You", die sich sklavisch an den Text hält), andere überfordern offensichtlich das Team - anstelle eindrucksvoller Kamerabewegungen oder Choreographien, die die Musik umsetzen würden, bleibt da nur noch die Flucht in schnelle Schnitte. Zwar bietet sich ausreichend Gelegenheit, Branaghs Lieblingseinstellung (er selbst in frontaler Nahaufnahme) einzufügen, aber nur wenige der Schauspieler werden den musikalischen Anforderungen gerecht (neben Branagh sind dies vor allem Adrian Lester und Natascha McElhone). Die anderen haben keine Stimme und tanzen auch sonst nicht zu graziös - während dies in einem Film wie
Woody Allens
Everyone Says I Love You durchaus charmant wirken konnte, weil man dem Regisseur ansah, daß er hier eine Herzensangelegenheit (seine Liebe für alte Musicals) ohne Rücksicht auf Verluste verfolgte, wirkt dies in Branaghs selbstgefälligem "Wagnis" nur peinlich.
Nicht nur an Mut fehlt es hier (etwa die Songauswahl, die sich nur absolute Klassiker im Genre erlaubt), auch an Können. Die Slapstickszenen etwa, die Branagh offensichtlich in Erinnerung an den Erfolg von
Viel Lärm um Nichts eingebaut hat, scheitern an schlechter Ausführung (nur Nathan Lane, der eine kleine Rolle hat, vermag das richtige Maß an Dummheit und Timing souverän zu halten); und während man Alicia Silverstone etwa noch das Singen verzeihen mag, so gibt es hier keinen Moment, in dem man sich nicht wünschen würde, daß Matthew Lillard hinausgeschnitten worden wäre.
Bei aller Wichtigtuerei (die augenzwinkernde Selbstbewunderung geht so weit, daß die Schauspieler in regelmäßigen Abständen durch Starren in die Kamera und ähnliches Getändel zu erkennen geben, daß sie den "Witz" des ganzen Unternehmens verstanden haben), wäre das Resultat immer noch ein einigermaßen amüsanter Fehlschlag. Aber am Schluß kommt es noch mal knüppeldick: Hat man Branagh noch verziehen, daß die Überreste eines Shakespeare-Stückes sozusagen als Schnelldurchlauf absolviert werden (und von der vom Regisseur vielgerühmten "romatischen Liebe" nicht viel zu merken ist), gönnt er sich nämlich noch einen letzten "ironischen" Einfall. Als letzte Wochenschau bekommen wir den 2. Weltkrieg als Zweiminutentränendrücker vor dem
Casablanca 
-Happyend serviert - und hier wird das ganze zu einem beleidigenden Fehlschlag.