Sonnenprotuberanzen im Weltraum transformieren sich langsam in das Bild eines Highways. Mit dieser hübschen, optisch prächtigen Idee beginnt
Frequency, der neue Thriller von Gregory Hoblit. Nachdem die erste Szene Frank Sullivan (
Dennis Quaid) im selbstlosen Einsatz als Feuerwehrhelden etabliert hat (und seine Rückkehr in den Schoß der Familie mit einem Elvis-Song feiert), springt der Film in die Gegenwart zu seinem Sohn John (
Jim Caviezel). Der durchlebt schwere Zeiten - von seiner Freundin verlassen, widmet er sich scheinbar zumeist der Vernichtung hochprozentigen Alkohols. Ein Besuch seines Jugendfreunds Gordo (
Noah Emmerich 
) mit seinem kleinen Sohn läßt ihn die alte Feuerwehrkiste seines Vaters durchstöbern. Dort entdeckt er auch dessen altes CB-Funkgerät, das er in einer sentimentalen Laune anwirft. Und nun geschieht das Wunder: Sein Gesprächspartner entpuppt sich als sein Vater, genau dreißig Jahre zurück in der Zeit. Was uns zum Eröffnungsbild der Protuberanzen zurückbringt: Der Film verweigert zwar jede Erklärung für das Wunder, deutet aber klar an, das es durch das gleichzeitige Stattfinden eines Sonnensturms in beiden Zeiten ermöglicht wird.
Das muß man - wie so viele der logischen Sprünge hier - einfach schlucken. Immer wieder laufen auf Fernsehern im Hintergrund Interviews mit Physikern, wenn nicht gerade das sentimentale Hohelied der glücklichen Vater/Sohn-Beziehung gesungen wird: Superstrings und
Suspicious Minds kommen hier zusammen, um eine emotionale Einheit zu formen - als Drehbuch bleibt
Frequency Stückwerk, als Film gelingt es ihm überraschenderweise ganz einfach zu
funktionieren, wenn man erst einmal über die Drehbuchschwächen hinwegsieht.
Das verdankt sich zuallererst den Hauptdarstellern, insbesondere
Dennis Quaid. Seine liebenswerte, gelassene Präsenz ist der perfekte Hintergrund für den pathetischen Grundton des Films: Wo ein anderer wohl gezwungen aufgetreten wäre, gelingt es Quaid mit Selbstverständlichkeit seine Tugenden als angeboren zu erscheinen lassen - ein Held, ein liebendes Elternteil, ein Baseballfan: Quaids Frank Sullivan ist der perfekte amerikanische Vater, dem das Schicksal für seine Rechtschaffenheit eine zweite Chance gibt. Caviezel, von dem man zuerst den Eindruck hat, er wäre nur damit beschäftigt mit verzogener Miene Whisky in sich hineinzuschütten, erweist sich im Verlauf des Films als subtiles Gegenüber: Eben weil er mit zurückgenommener, fast ausdrucksloser Konzentration nur auf seinen Vater reagiert, werden die Szenen so überzeugend und lassen diese pathetische Ode an die Weitergabe männlicher Werte geschmiert laufen. Zusätzlich stehen eine ganze Gruppe hervorragender Nebendarsteller dem sympathischen Duo zur Seite: Elizabeth Mitchells Mutter/Gattin trifft den richtigen Ton zwischen Zärtlichkeit und Sorge, um ihre Szenen mit Gewicht zu füllen, und Andre Braughers zwischen Skeptizismus und Wärme schwankender Vorgesetzter (des Sohns) beziehungsweise Freund (des Vaters) ist ebenfalls ein Glücksfall. Noah Emmerichs Gordo hingegen zeigt erst die beiläufige Genialität in Quaids Spiel - er wirkt stets wie die ein wenig verunglückte Jugendnachfolge des Hauptdarstellers.
Hat man zu Beginn den Eindruck, hier würden sich
Backdraft 
(der mutige Kampf des all-american-hero als Feuerwehrmann) und
Der Sechste Sinn 
(das Gefühl unwiederbringlichen Verlusts als phantastischer Thriller) ein Stelldichein geben, so verläßt
Gregory Hoblits 
Film in der zweiten Hälfte dieses Terrain für einen etwas altbekannten Serienkiller-Plot. Wie schon in seinen vorigen Filmen überwältigt hier
Hoblits Vergangenheit als Fernsehregisseur den Verlauf: Ebenso zielsicher, wie er seine Schauspieler zu hervorragenden Leistungen animieren kann, versucht er den vorhersehbaren Ablauf der Handlung durch große Momente zu überbrücken. Das bedeutet hier zweierlei: Zum einen prosaische Doppelungen, in denen sich Gegenwart und Vergangenheit spiegeln, zum andern der Versuch die Raum/Zeit-Verschiebung des Drehbuchs in Bilder zu fassen: Immer wieder fallen hier Dinge ohne Grund in Zeitlupe zu Boden (einmal schmeißt Quaid sogar seinen Feuerwehrhelm aus dem obersten Stock des Gebäudes, scheinbar nur, um eine solche Aufnahme zu ermöglichen). Das trifft das Gefühl des Zeitstrudels zwar recht gut, wirkt aber in seiner endlosen Wiederholung irgendwann ermüdend.
Überhaupt: die Zeit. Zwar steht es einem phantastischen Thriller durchaus frei, sich über Konventionen hinwegzusetzen, doch was
Frequency mit seiner Variation des Zeitlinienthemas macht, ist schwer an den Haaren herbeigezogen. Seltsamerweise wirken sich nämlich Änderungen des Zeitablaufs in der Vergangenheit in der Gegenwart gleichzeitig aus. Um nicht zuviel vom Plot zu verraten, sei hier ein harmloses Beispiel erwähnt: Quaid sinnt nach einem Weg, seinem Sohn eine Botschaft in die Zukunft zu übermitteln. Da er weiß, daß der dreißig Jahre später am gleichen Schreibtisch sitzen wird, brennt er mit dem Lötkolben eine Nachricht ins Holz des Tisches - und Caviezel sieht, wie sich die Buchstaben wie durch Zauberhand vor seinen Augen formen. Das macht nun überhaupt keinen Sinn: Wenn sein Vater die Botschaft im Jahr 1969 in den Tisch gebrannt hat, dann war sie entweder 30 Jahre lang schon da (die eine Zeitlinie) oder überhaupt nie (die andere) - in diesem Film jedoch sieht man wiederholt den unmöglichen Übergang (es kommt noch zu viel eklatanteren Variationen dieses Fehlers), und zwar offensichtlich nur aus dem Grund, weil es gut aussieht (was es zugegebenermaßen dann oft tut). Ebenso behauptet Caviezel nach jedem Eingriff in die Vergangenheit, er hätte nun zwei Erinnerungswelten, die sich überlagern - verhalten tut er sich aber stets so, als wäre keine Änderung erfolgt. Diesen Schwachsinn muß man in Kauf nehmen, um
Frequency genießen zu können; es hilft, daß der Film wenigstens konsequent bei dieser Unlogik bleibt, also gewissermaßen seine eigenes Paralleluniversum erschafft.
A propos Paralleluniversum: Eine weitere Stärke von
Frequency, die enorm dabei hilft, seinen sentimentalen Aspekt eher wirkungsvoll als peinlich erscheinen zu lassen, ist die liebevolle Einbettung der Szenen aus der Vergangenheit in eine Aura nostalgischer Erinnerung. Als Anknüpfungspunkt erfolgt dient dabei die Baseball-Worldseries von 1969. Die wird nicht nur im Verlauf der Handlung entscheidendes Potential erhalten, sondern bietet zugleich den Hintergrund für den Subtext des Films - die Weitergabe männlicher Tugenden durch Zeit und Raum. Was ansonsten oft als arg pathetisch erscheinen würde (etwa, wenn der Vater dem Sohn Fahrradfahren beibringt, was als triumphale Vervielfachung des Bildes gefeiert wird), findet hier einen gemeinsamen Unterbau: "The Constitution, Rock´n´Roll and The Series", wie ein Charakter einmal sagt, dies seien die uramerikanischen Grundwerte, die alle US-Bürger zusammenschweißen. Nicht gerade eine revolutionäre Aussage, aber
Frequency setzt sie mit so liebevoller Detailfreude um, daß man geneigt ist trotz aller Schwächen im Finale gerührt zu sein - da findet der heilsverkünderische Ton (so lange an der Vergannheit herummurksen, bis man alles in Ordnung bringt) mit seinem Gestus von Patriotismus-und-Heldenmut-als-männliches-Taschentuchkino so überzeugend zusammen, daß man über die manipulative Seite des Films hinwegsieht und tatsächlich ein wenig vom Ton familiären Zusammenhalts überwältigt wird.
Fazit: Obwohl
Frequency mit Drehbuchproblemen überfrachtet ist, gelingt es einer hervorragenden Schauspielerriege, diesen pathetischen Thriller zum Leben zu erwecken - ein Auge muß man dabei aber schon zudrücken (und kann sich dann dabei gleich die eine oder andere Träne verkneifen).