Lake Placid ist ein weiterer Vertreter der für die letzten Jahre typischen
B-Horrormonstermovies wie
Anaconda oder
Octalus. Jedoch darf man sich vom äußeren Anschein dieses Filmes nicht täuschen lassen. Der Plot ist eigentlich nur Fassade und dient als Grundlage für die spitzen Dialoge der Hauptdarsteller. Besonders zwischen Sheriff Keough und Hector Cyr entstehen Wortgefechte, die für den Kinogänger ein Hochgenuss sind.
Verantwortlich für das Drehbuch ist
David E. Kelley 
, der Erfinder der Serie
Ally McBeal. Und gleich wie dort stehen Sexismus, Arroganz und alle anderen Klischees auf dem Speiseplan der Eitelkeiten. Der Regisseur
Steve Miner 
hat in diesem Genre schon Erfahrung mit
Halloween H20 
gemacht. War dieser Film jedoch frei von jeglicher Ironie, so strotzt Lake Placid nur vor solcher.
Bridget Fonda und Bill Pullman spielen die beiden vom Liebesleben enttäuschten Standardcharaktere, die sich im Filmverlauf näherkommen. Dabei können sie nicht wirklich glänzen, da das Drehbuch voll auf die Rollen des Sheriffs (Gleeson) und des Krokodilsforschers (Platt) ausgelegt ist. Man freut sich schon jedes Mal, wenn Keough in eine der Krokodilfallen von Hector tappt und daraufhin ein Verarschungs- und Beschimpfungsgewitter losbricht. Cyr hält den Sheriff für einen Hinterwäldler, dieser wiederum mag Cyrs arrogante Art nicht, und keiner scheut sich, seine Abneigung dem anderen zu zeigen. So sagt der Forscher kurz vor einem Tauchgang zum Sheriff, er könne ihm nachher den Seetang vom Ruder schlecken. Dieser fragt darauf hin verwirrt Kelly Scott, ob das nun eine homosexuelle Anspielung gewesen sei.
Platt spielt hier wieder einmal den eigenartigen, aber sympathischen Kauz (wie schon in
Ein Herz und eine Kanone 
) und Brendan Gleeson, bekannt aus den Filmen
"Der General" und
Mission Impossible 2 
verkörpert den konservativen Sheriff als perfekten Gegenpart. Besonders Gleesons komödiantisches Talent sollte uns auf weitere Rollen dieser Art hoffen lassen. Oliver Platts Performance ist mitreißend wie immer. Kaum kommt er ins Bild, reißt er einen schon zu Lachstürmen hin.
Nebenbei gibt es ein Wiedersehen mit
Betty White 
, der Rose aus der Serie
Golden Girls, die hier eine zwar kleine, aber umso bedeutendere Rolle spielt. Was die anderen Nebendarsteller betrifft, so gilt das
Raumschiff-Enterprise-Prinzip. Jeder, den man nicht beim Namen kennt, und der mit auf die Suche nach dem Krokodil geht, wird sterben. So ist der Plot bis auf die eine oder andere kleine Überraschung ziemlich offensichtlich. Wenn mit einem Boot gefahren wird, erscheint das Krokodil (alle fliegen natürlich ins Wasser), wenn getaucht wird, erscheint das Krokodil und wenn jemand zu nah am Wasser steht,.... na ja. Sie wissen schon.
Für die Creature Effects ist wieder einmal Stan Winston zuständig, der das Krokodil auf eine gigantische Größe anwachsen lässt, die sogar dem Kinogeher Ehrfurcht einflößt. Die Computeranimationen sind für die Qualität des Filmes voll in Ordnung, werden aber durch die vielen Nahaufnahmen sowieso nicht arg strapaziert. Deshalb wirkt das Kroko auch erstaunlich echt.
Leider kann der Film das Dialogtempo nicht bis zum Schluss halten, und so häufen sich die Szenen, in denen Pullman und Fonda näher zueinander finden. Das ist zwar nicht kitschig oder schlecht, aber unnötig, da ihr Zusammenkommen von Anfang an klar ist. Scheinbar sind David E. Kelly da ein bisschen die Ideen ausgegangen und deshalb musste Miner den Film mit solchen Szenen über die Zeit retten. Jedoch kann man sich Lake Placid getrost anschauen. Ein paar kultige Ansagen sind garantiert.
Fazit: Wer mal Lust auf witziges und spannendes Popcornkino mit peppigen Dialogen hat, der kommt um diesen Film nicht herum.