Patricia Rozema  , mit Filmen wie Gesang der Meerjungfrauen eher auf der Arthouse-Schiene bekannt geworden, hat sich also nun in die lange Reihe der derzeit so populären Jane-Austen-Adapteure eingeordnet. Typischerweise hat sie dafür nicht nur Austens kontroversiellsten Roman gewählt, sondern auch noch autobiographisches Material der Autorin verwendet. Das Resultat ist - kann man amerikanischen Rezensenten glauben (ich habe Austens Roman nie gelesen) - meilenweit vom Original entfernt, ohne allerdings mit den typischen Eigenschaften dieser Art von Kostümfilmen stark zu brechen.
Das beginnt schon im Vorspann, als sich die Schrift der Titel aus dem Wasser formt und die Kamera einen epischen Schwenk vorlegt: Prächtige Landschaftsaufnahmen, geschliffene Dialoge mit einer guten Dosis Ironie ("There is no shame in wealth, my dear") und die frauenzentrierte Perspektive des Films sind nicht weit weg von bisherigen Austen-Verfilmungen. Doch Rozema will mehr: Langsam schleichen sich ungewohnte Zwischentöne in die bekannten Erzählmuster. So gestaltet sich eines der ersten Treffen zwischen Fanny (die von Frances O´Connor mit mitreißendem Elan gegeben wird - sie ist das Zentrum des Lebens in einem Film, der sonst eher von Erstarrung geprägt ist) und Mary (Embeth Davidtz, mit herrischen Unterton) als leicht lesbisch angehauchtes Abtasten zweier fremder Welten. Diese Szenen gewinnen eine subversive Qualität für sich (ein kleines Meisterstück ist Fannys Heimkehr zur Familie, wo ohne irgendeinen dezidierten Hinweis eine düstere Ahnung von Inzest über den Geschehnissen wabert), die sich nicht so recht ins Ganze des Films einfügen wollen.
"We all need an audience", heißt es einmal hier, und genau an dieser Forderung scheitert Rozemas Film. Immer wieder schiebt sich die landläufige Selbstfindungsgeschichte und die fürs Publikum zugeschnittenen Einlagen (etwa gegen Ende, wo mehrfach das Bild ironisch einfriert) vor solche Unterströmungen und nimmt ihnen den Biss. Wenn etwa Fanny mit den Bildern von Sir Thomas´ (der legendäre Stückeschreiber Pinter mit sichtlich genossener Verhärmtheit) Plantage konfrontiert wird und ihr die Augen, was Sklaverei betrifft, endgültig geöffnet werden, so ist das Ganze durch ein paar vorangegangene, wie Pflichtübungen scheinende Diskussionen zum Thema schon entschärft. Ähnlich verhält es sich mit den diversen Beziehungsreigen, die zwar die Handlung vorantreiben, aber mit der Erzählung von Fannys Entwicklung kaum je mehr als einen kursorischen Zusammenhang erzeugen. So steht Mansfield Park ein bißchen zwischen den Stühlen: weder ganz Austen-Adaption noch Kritik derselben.
Fazit: Interessant gescheiterter Versuch, einen Austen-Roman mit eigenen Anliegen zu verbinden. Für Freunde des Genres auf jeden Fall einen Blick wert. |