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Rien sur Robert
Original-Titel: Rien sur Robert
Land/Jahr: Frankreich / 1999
Genre: Drama, Komödie
Mit: Fabrice Luchini .... Didier Temple
Sandrine Kiberlain .... Juliette Sauvage
Regie: Pascal Bonitzer
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    Fabrice Luchini in Gewissensnöten zwischen Job und Frauen - gelungene Komödie von Pascal Bonitzer.

    Eine Kritik von Christoph Huber , 22.08.2000
 
Inhalt
 
 
Didier (Fabrice Luchini ) hätte den Verriss des bosnischen Films, den er gar nicht gesehen hat, wohl doch lieber nicht schreiben sollen. Neben der Unbill, die ihm das einträgt, hat er nämlich schon genug Probleme: Freundin Juliette (Sandrine Kiberlain ) verläßt ihn für einen anderen, bei einem Diner kreuzt er uneingeldaen auf und wird vom Gastgeber (Michelle Piccoli ) zur Schnecke gemacht, dafür wirft sich ihm dessen labile Tochter Aurélie (Valentina Cervi ) an den Hals und macht ihm noch zusätzliche Scherereien. Und überall trifft er auf den Essayisten Jérome (Laurent Lucas ), sein ungeliebt erfolgreiches Spiegelbild. Um den Komplikationen zu entfliehen, plant er schliesslich Urlaub in den Bergen - mit haarsträubenden Folgen.
 
Kritik
 
 
"Sollen wir uns alle lächerlich machen?"
"Ja"

- Dialog zwischen Didier und Aurélie

Pascal Bonitzer , seit den Sechzigern Filmkritiker und bekannt als Drehbuchautor für Kollegen von den Cahiers du Cinema wie Jacques Rivette und Eric Rohmer, debütierte 1996 mit der entspannten Komödie Encore, einer an Rohmer geschulten, sympathischen Beschreibung eines gewissen Pariser Milieus. Mit seinem neuen Film Rien sur Robert knüpft er genau dort an. Wieder geht es um einen Intellektuellen mittleren Alters aus Pariser Kreisen, der an seine Grenzen stösst. Doch diesmal schlägt Bonitzer einen farcenhafteren Ton an und lässt seinen Figuren mehr Freiraum in der Komik - nur um sie umso unbarmherziger ins Messer laufen zu lassen.

Der Ausgangspunkt ist kein unbekannter: Beim Erscheinen von Emir Kusturicas Underground kam es zu einem Eklat, als sich herausstellte, dass Alain Finkielkraut den Film in Le Monde verrissen hatte, ohne ihn überhaupt zu kennen. Ähnlich geht es jetzt dem hypochondrischen Pierre, der sich (nicht nur) wegen dieses Artikels verfolgt und nervös fühlt - nicht ganz zu Recht, die meisten Leute gratulieren ihm zur Kritik am "serbischen" Film - seine Korrektur, dass der bosnisch sein wird anschließend anstandslos übergangen.

Rohmer-Veteran Fabrice Luchini spielt Pierre und er ist eine Idealbesetzung: seine Babyaugen im leicht gealterten Gesicht kreisen ständig in ungläubiger Vorsicht durch den Raum, scheinbar immer auf der Ausschau nach neuen Quellen eingebildeter und wirklicher Bedrohungen. Sein Gesicht bleibt dagegen regungslos oder in freundlicher Ratlosigkeit verfangen - die Diskrepanz formt den komischen Kern des Films: Wie er ohne mit der Wimper zu zucken Juliettes (die große Sandrine Kiberlain, die heuer schon in A vendre brillierte, bekommt endlich eine Gelegenheit, ihr komödiantisches Talent auszuspielen) Monolog über die neuentdeckten Freuden des Analverkehrs über sich ergehen läßt, ist ein Kabinettstückchen für sich.

Und tatsächlich ist das auch ein bisschen die Schwäche von Rien sur Robert: Im Bestreben, seine Hauptfigur zu erfassen, werden die anderen Charaktere zur Seite gedrängt und eher zu komischen Stichwortgebern als zu wirklichen Figuren. Etwa gleich zu Anfang, als Bonitzer seinem Helden mit dem schlimmsten anzunehmenden Unglücksfall rechtgibt. Wegen eines Versehens seines Bruders (Denis Polydades, der sich letztes Jahr mit Gott allein liebt mich wesentlich weniger erfolgreich auf ähnlichem Terrain versuchte) kommt er uneingeladen auf eine Dinnerparty. Und der Gastgeber (eine fröhliche Knallcharge von Michel Piccoli) überbrückt dann gleich die Peinlichkeit, indem er Didier gnadenlos zur Sau macht. Das ist hochkomisch anzusehen, wenn auch nicht viel mehr als ein gelungener Witz. Davon hat Rien sur Robert aber mehr zu bieten als jede romantische Komödie aus Hollywood dieses Jahr (Beziehungsunfähigkeit ist hier zentrales Thema: Juliette etwa taucht immer wieder unerwartet auf und verschwindet ebenso abrupt: Ihre Liebe gilt immer gerade dem Mann, bei dem sie nicht ist). Wenn etwa ein Ausflug in die idyllische Bergwelt Entspannung bringen soll, kommt es nur zu Problen - anstelle von trauter Zweisamkeit mit Aurélie kommt gleich die Ankündigung von Juliette, dass sie auch bald da sein wird - Didier ist nicht nur unfähig, das abzuwehren, seine Notlösung (ein zweites Paar einzuladen, um unverdächtig zu erscheinen) führt natürlich zu noch unnötigeren Komplikationen. Logischerweise endet der Urlaub mit einer Nierenkolik auf der Wiese anstatt bei einem Schäferstündchen im Grünen.

Nicht nur einen spröd-fantastischen Realismus bei der Betrachtung seiner Hauptdarsteller hat Bonitzer dabei von Jacques Rivette übernommen, auch dessen Talent zur Verdichtung mittels Symmetrien und Ironien. So präsentiert sich der Film unter der komischen Oberfläche auch als Alptraumfantasie (tatsächlich haben neben der Abendgesellschaft noch andere Momente die Qualität eines zynischen Nachtmahrs), in der die Widersprüche der Charaktere kontrastieren (etwa Juliette, die immer verschlossen auftritt und freizügig redet, wohingegen Aurélie das genaue Gegenteil ist) und das Thema anreichern. Trotzdem steht der spielerische Umgang mit den eigenen Ängsten als intellektueller Spaß im Vordergrund. Der Titel zum Beispiel, falls Sie sich das gefragt haben, stammt aus einer Szene gegen Ende des Films, als Bonitzer selbst in einer Buchhandlung auftaucht, um ein Buch zu verlangen. Der Autor heißt Robert, das Buch ist nicht erhältlich, Bonitzer zieht unverrichteter Dinge wieder ab, und der Film tapst ganz unerwartet in einen Schluss, in dem das Gefühl die Komik überwältigt. Bonitzer auf die Frage "Wie sollen wir den Titel interpretieren?": "Ganz wie sie wollen."


Fazit: Erfreuliche Komödie mit surreal-farcenhaften Zügen: Nicht zuletzt lobenswert für ein großartiges Schauspielerensemble beim entspannten Brillieren.


Rien sur Robert
Umnachtung (Piccoli) und der Weg dorthin (Luchini)

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 6/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 3

Schnellwertung:


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