Blenden wir zurück zu den Oscars 1998. Im Rennen um den besten Film sind unter anderem
James Camerons 
"Titanic" und
Curtis Hansons
L.A. Confidential. Aufgrund des Hypes, den es für Camerons Werk gegeben hat und der Tatsache, dass ein gewisser Leonardo DiCaprio mitspielt, geht der Oscar an Titanic. Ich war nicht gerade geschockt, da es eine klare Sache war und die Oscars nicht gerade viel aussagen. Und dennoch blieb dieses kleine Fünkchen Wut zurück, welches durch die Ignoranz der Juroren entzündet wurde. Natürlich feiert sich Hollywood mit dem Oscar selbst und es ist eine der unwichtigsten Auszeichnungen auf Gottes Erden. Einen Tag später weiß niemand mehr, wer gewonnen hat und die Partys scheinen wichtiger zu sein als die Show selbst. Trotzdem ärgert es mich noch heute. Nicht dass Titanic gegen einen besseren Film gewonnen hat, sondern dass Titanic gegen eines der genialsten Werke der Kinogeschichte triumphierte. Zum Glück räumte der Film wenigstens bei anderen Awards kräftig ab. Von den Regisseuren Amerikas wurde er zum besten Film des Jahrzehnts gewählt. Das tat gut. So, nach dieser kleinen autobiographischen Anekdote nun zum Film selbst.
Nach einem Roman von
James Ellroy 
haben Curtis Hanson und
Brian "Ich war kurz mal der Regisseur von Payback" Helgeland 
ein Drehbuch fabriziert, welches den Roman in seinem Umfang zwar abspeckt, jedoch immer noch eine für Hollywood ungewöhnliche Fülle an Informationen und Charakteren enthält. Hanson wurde zuvor durch den recht guten Thriller Die Hand an der Wiege bekannt. Für die Hauptrollen besetzte er einen für Nicht-Insider total unbekannten Guy Pearce ("Priscilla - Königin der Wüste") und den sich damals noch am aufsteigenden Ast befindlichen Russell Crowe (jetzt ist er ja oben). Einzig Kevin Spacey, durch Sieben und Die üblichen Verdächtigen zu Weltruhm gelangt, durfte noch eine Hauptrolle übernehmen. Etablierte Schauspieler wie James Cromwell, Danny De Vito oder
David Strathairn 
waren zwar in sehr wichtigen, jedoch eben nur Nebenrollen zu sehen. Damit besetzte Hanson gegen den Hollywood-Strich. Die Erfolge von Russell Crowe in letzter Zeit bestätigen aber Hansons Kenntnis in Sachen Schauspielkunst.
L.A. Confidential beginnt mit völlig unzusammenhängenden Kriminalgeschichten, in denen die drei Hauptdarsteller unabhängig ermitteln, sich jedoch hier und da zufällig treffen. Dabei werden sie in ihren gegensätzlichen Lebenseinstellungen sehr gut durch kleine Szenen vorgestellt. Exley, der durch seine Besserwisserei sofort bei den alteingesessenen Kollegen aneckt, White, der nicht will, dass ihn alle nur dann brauchen, wenn es gilt, jemanden zusammenzuschlagen und schließlich Vincennes, der mehr Filmstar als Bulle ist und seine kleinen Skandalgeschichten von Stars an das hiesige Schundblättchen verscherbelt. Diese drei Charaktere sind völlig verschieden, bemerken jedoch (zwar sehr spät, aber doch) schließlich, dass sie nur gemeinsam den Fall lösen können, von dem all diese kleinen Fälle ausgehen.
Besonders hervorzuheben ist das Verhältnis zwischen Exley und White. Bud White hat ein Verhältnis mit einer der Edelhuren (
Kim Basinger 
) des Pornokönigs Pierce Patchett (David Strathairn). Diese liebt White zwar, muss aber mit Exley schlafen, um einen Keil zwischen die beiden zu treiben. Wenn die Zwei dann im Revier zu kämpfen beginnen, dann würde man sie am liebsten eigenhändig trennen, damit sie den Fall endlich lösen.
Als Zuschauer wird man in die Welt des Los Angeles der 50er buchstäblich hineingesaugt. Je länger der Film dauert, desto besser wird er. Man kann gar nicht glauben, wie perfekt sich die einfach beginnende Story entwickelt. Was Hanson hier an Wendungen, Wirrungen und Verknüpfungen einbaut, ist Balsam auf den Wunden des ach so oft durch schlechte Filme geschundenen Autors dieser Kritik. Der Regisseur baut, nicht zuletzt durch die hervorragende Ausstattung des Filmes, eine Atmosphäre auf, die in der Filmwelt ihresgleichen sucht.
Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg sind die oben schon erwähnten Schauspieler. Guy Pearce spielt den Newcomer in der Truppe. Seine bisher bekannteste Rolle hatte er als Transvestit in Priscilla - Königin der Wüste. In diesem Film spielte auch der spätere Agent Smith aus Matrix, Hugo Weaving, seine erste Hauptrolle. Pearce passt perfekt in die Rolle des korrekten Neulings. Er stellt den Gegenpart zum rohen Spiel des Russel Crowe dar. Crowe gibt seinem Bud White eine enorme physische Präsenz in diesem Film. Er wirkt dauernd wütend, jedoch gleichzeitig auch traurig. Das macht die Figur für den Zuseher sehr realistisch. Kevin Spacey agiert gewohnt souverän als arroganter und abgeklärter Cop, den nichts aus der Fassung zu bringen scheint. Das wichtigste für ihn ist Geld und Anerkennung. Er tut nichts aus Nächstenliebe. James Cromwell und der hervorragende David Strathairn runden den tollen Eindruck noch ab. Kim Basingers Leistung ist völlig in Ordnung, jedoch nicht oscarwürdig. Scheint ein Sympathieoscar gewesen zu sein.
Fazit: Ein Film, der so gut ist, dass man ihn sich noch einmal anschauen muss, um sicher zu sein, dass man nicht geträumt hat.