Titanic - ein Spektakel von über 3 Stunden, das eigentlich nur während der letzten 80 Minuten wirklich spektakulär wird. Der Film wurde von Regisseur
Cameron 
in zwei Teile geteilt - die Liebesgeschichte von Jack und Rose, auf die sicherlich viele Cineasten verzichtet hätten können - ganz im Gegensatz zu Tausenden von Teenagern - und der eigentlichen Katastrophe, dem Untergang der Titanic. Obwohl, als Filmkritiker sollte man eigentlich die Liebesgesichte als Katastrophe bezeichnen und den Untergang als großartiges Werk.
Ganz am Anfang des Films werden die Zuschauer gleich mit einigen wahrlich spektakulären Aufnahmen des Original Titanic Wracks beeindruckt, diese Sequenzen, die an einen Dokumentarfilm erinnern, schaffen es zum Teil auch, den Zuseher auf die folgenden 190 Minuten einzustimmen. Die ersten Bilder, die uns die Titanic vorstellen sollen, die opulente Ausstattung, mögen noch überzeugen, doch dieser Zauber ist auch schnell verflogen und der Zuseher wird mit einer mehr als kitschigen Liebesgeschichte konfrontiert - um nicht zu sagen: gequält - die eigentlich nur Teenager wirklich interessieren kann.
Die Charaktere sind zu sehr nach Stereotypen gebaut, alle Passagiere der ersten Klasse - bis auf die wie immer großartige Kathy Bates - sind arrogant, böse, eingebildet, unsensibel und natürlich absolut ohne jegliches Gefühl für Liebe. Den Reichen entgegen stehen alle Passagiere der dritten Klasse, die zwar kein Geld, doch sonst all die positiven Eigenschaften haben, die eben den First Class Passagieren fehlen. Wirkliche Spannung, ob der mittellose Jack seine Rose nun bekommt oder nicht, kommt eigentlich nie auf, dafür ist die ganze Story zu einfach gestrickt, zu vorhersehbar.
Erst in der Szene, in der Jack Rose porträtieren darf, kommt etwas Spannung und Erotik auf, die jedoch durch einen missglückten Off Kommentar durch die eigentliche Erzählerin, die alte Rose, gestört, aber zum Glück nicht ganz zerstört wird. Hier beginnt die Geschichte endlich an Tempo, Spannung und Spektakel zuzunehmen. Bald rammt die Titanic den Eisberg (was einige Zuseher nach 100 Minuten Edelschnulze wohl kaum noch abwarten haben können) - hier noch ein kleiner Kitsch-Ausrutscher, als irgendwie alle ihre Augen auf die sich küssenden Jack und Rose werfen, anstatt nach Eisbergen Ausschau zu halten, aber dann geht es endlich wirklich in den wesentlich besseren zweiten Teil des Films über.
Die Titanic beginnt langsam zu sinken, Panik bricht nach und nach aus, die in wirklich gut gemachten Massenszenen festgehalten werden. Zwar verzichtet Cameron hie und da auch nicht ganz auf kitschige Einlagen, doch hier fällt das ganze schon viel weniger auf, es stört nicht mehr so eklatant. Viele kleine Einzelheiten werden wirkungsvoll in das Geschehen eingebaut, die für noch mehr Authentizität sorgen. Auch Jack und Roses Odyssee am Schiff wirk spannend und kurzweilig, die Szenenwechsel zwischen dem um das Überleben kämpfende Liebespaar unter Deck und Tumult bei den Rettungsboten lassen die ganze Katastrophe noch tragischer wirken.
Wirklich opulent und beeindruckend sind die Aufnahmen des Schiffes in der Totalen - die Special Effects sind den Computerspezialisten wirklich toll gelungen, besonders die Szenen, in der die Titanic entzwei bricht und der Bug in die Höhe ragt, überzeugen. Cameron war übrigens der erste Regisseur, der in seinem Film die Titanic in zwei Teile zerbersten ließ, was jedoch bei seiner Genauigkeit kein Wunder sein kann - in all den vorhergehenden Verfilmungen musste das Schiff in einem Stück versinken.
Titanic verdankt seinen Erfolg wohl auch bis zu einem gewissen Teil seinen Hauptdarstellern Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, die etliche Teenager mehr als nur einmal in die Kinos lockten. Besonders DiCaprio profitierte durch den Film. Es brach eine regelrechte Leomanie um den jungen Star aus, der jedoch in Titanic nie die Chance bekam, an seine Darbietung aus "Gilbert Grape" ranzukommen - dafür ist die Rolle des Jack Dawson zu wenig tiefgehend. Doch hier kann DiCaprio wohl mit Jugendcharme bei den Girls punkten - es sei ihm gegönnt.
Die kürzliche Ausstrahlung des Films im Fernsehen hat eines gezeigt: Wer Titanic nicht auf der großen Leinwand gesehen hat, hat ihn gar nicht gesehen, durch das kleine Format verliert der Film zu viel an Opulenz und visuellen Highlights.
1912 versunken, 1985 am Grund der Atlantik wiederentdeckt: White Star Lines 7,5 Millionen Dollar R.M.S. Titanic. Regisseur James Cameron begann 1987, nachdem er Robert Ballards National Geographic-Dokumentation über den Luxusliner sah, davon zu träumen, die Geschichte der Titanic zu verfilmen. Doch er konnte erst 8 Jahre später die Studios 20th Century Fox und Paramount für sein - wie Cameron es nannte - "Romeo und Julia Unterwasserspektakel" begeistern. Im Herbst 1995 verbrachte Cameron 3 Wochen an Bord der russischen Academik Keldysh, von wo er 20 Tauchgänge mit dem Mini U-Boot Mir1 zum Wrack des Titanic unternahm, um mit einer in eine Titanschachtel eingehüllten 35mm Kamera Aufnahmen von dem in 3000m Tiefe liegenden Wrack der Titanic machen zu können. Dabei wurde die Kamera auch in das Innere des Schiffes gesteuert - einige dieser Aufnahmen sind am Anfang des Filmes zu sehen.
20th Century Fox und Paramount ließen für Cameron in Mexiko in einem 70 Millionen Liter Becken ein 236 Meter langes Titanic Modell bauen - dies war nur um 33 Meter kürzer, als das Original! Perfektionist Cameron überließ nichts dem Zufall, er studierte die Geschichte der Titanic, ließ alles originalgetreu nachbauen, er legte auf Präzision größten Wert - was seine Crew nicht selten zur Verzweiflung brachte. Bis Mai 1996 hat Cameron bereits 50 Millionen Dollar ausgegeben, dennoch war noch keine einzige Szene im Kasten. Gerüchte besagten immer wieder, dass der Regisseur praktisch eine Art Diktatur am Set errichtet hatte, von seinen Mitarbeitern in 18-stündigen Arbeitstagen alles abverlangte. Das geplante Budget von 110 Millionen Dollar war schnell überschritten, genauso der Fertigstellungstermin.
Kritiker sagten schon Monate vor der Fertigstellung des Films den erneuten Untergang der Titanic voraus. Die Crew ließ sich nichtsdestotrotz nicht beirren, auch eine Lebensmittelvergiftung (durch Fischsuppe[!]) und Unterkühlung etlicher Mitarbeiter, die Tag für Tag Stunden in dem mit 12 Grad kalten Wasser gefüllten Becken verbracht hatten, konnte das Projekt nicht mehr gefährden. Nach Abschluss der Dreharbeiten machten sich etliche Special Effects Firmen an die postproduktionale Bearbeitung des Filmes - es wurden insgesamt über 550 computeranimierte Effekte eingefügt (zum Vergleich:
Jurassic Park 
hatte gerade mal 80). Am 1. November 1997 hatte dann die bis dato teuerste Filmproduktion - sie verschlang knapp 200 Millionen Dollar - ihre Weltpremiere bei den 10. Internationalen Filmfestspielen von Tokio.
Damit begann auch der Siegeszug der Titanic, entgegen der vorschnellen Meinungen der Kritiker strömten die Menschen in die Kinos, der Film konnte über 3 Monate lang die Spitzenposition der US-Boxoffice-Charts halten. Vor allem dank der jugendlichen Besucher, die den Film nicht nur einmal, sondern manche bis zu unglaublichen 40 - 50 Mal sahen (nicht zuletzt wegen der Hauptakteure Leonardo DiCaprio und Kate Winslet). Zum endgültigen "König der Welt" (welchen Ausspruch ihm jedoch viele übel nahmen) wurde Cameron, als er am 23. März 1998 mit seiner Crew 11 Academy Awards (womit der Oscarrekord von
Ben Hur 
aus dem Jahr 1959 eingestellt war) aus 14 Nominierungen (genauso viele hatte der bis dahin einsame Spitzenreiter "
All About Eve 
" ) entgegennehmen durfte. Neben der Anerkennung der Academy und etlichen anderen Auszeichnungen, darunter 3 Emmys, wurde Titanic auch zum bis dato finanziell erfolgreichsten Film, mit Einspielergebnissen von über 1,7 Milliarden Dollar.
Eine abschließende Bewertung des Films ist durch die Zweiteilung definitiv nicht einfach - doch ich denke, dass es genügend Faktoren, wie zum Beispiel Kamera, Ausstattung, Regie, gibt, die trotz der überlangen, wenig spannenden ersten Hälfte eine gute Beurteilung rechtfertigen.