Mit der Kifferkomödie ist das so eine Sache: Seit
Cheech
und Chong in den 70ern so ziemlich jede Methode ausgereizt haben, sich Drogen in die Birne zu knallen, hat sich ein Einheitsmuster durchgesetzt. Das Prinzip dahinter ist, netten, nichtsahnenden Leutchen etwas Marihuana unterzujubeln, und dann zuzusehen wie sie ahnungslos vollgeknallt durch die Landschaft torkeln. Das macht auch die eine Hälfte von
Saving Grace aus, die andere ist die seit dem Erfolg von
Ganz oder gar nicht so beliebte englische Komödie, in der unzählige nette Menschen (und ein paar scheinbar nicht so nette, die sich dann aber alle auch als ganz in Ordnung erweisen) eine schwierige Aufgabe mit unorthodoxem Witz bewältigen, was in Wahrheit natürlich nur wegen der Niedlichkeit der im Drehbuch vorhandenen Welt aufgeht.
Sagen wir es also gleich: Bei wem die Vorstellung zweier älterer Damen, die sich ein paar von den seltsamen Blättern mit nach Hause nehmen, weil sie es für einen ausgefallen Tee halten, und dann in ihrem Gemischtwarenladen lachend am Boden herumkugeln, während sie sich mit Cornflakes vollstopfen, unweigerlich Gelächter hervorruft, der hat hier seinen Film gefunden, ebenso wie Freunde der rundum glatten und lieblichen englischen Komödie jüngeren Datums (wie kürzlich
Lang Lebe Ned Devine 
spielt auch
Grasgeflüster in einem abgelegenen Dorf voller Gutmenschen). Andernfalls ist man wohl so wie ich von tödlicher Langeweile bedroht.
Denn eben, dass hier alles so sympathisch ist, macht den Film irgendwann einfach nicht mehr auszuhalten - alles wird einer Nettigkeit untergeordnet, die es unmöglich macht, in den Charakteren und Themen des Films etwas anderes als Cartoon-Abziehbilder der Welt zu sehen, die selbstgefällig-unfertig hingeschludert sind, und vor lauter Wiedererkennhits (Stimmung!) und Witzwiederholung (Spass!) wirds schon keiner merken. Zwar machen alle Schauspieler, allen voran die verlässliche Brenda Blethyn, ihre Sache recht gut, aber oft haben sie nicht viel, um damit zu arbeiten. Wenn etwa ein langer Aufbau um Graces Reise nach London erfolgt (sie zieht sich ein weisses Sommerkostüm an, weil das in ihren Augen nun mal das Richtige für einen Stadtausflug ist - ihr Erfolg beim Marihuanaverkauf ist abzusehen), und sie schliesslich in einer Szene dem Grossdealer (
Tchéky Karyo 
) gegenübersteht und ihn durch ihre natürliche Art entwaffnet, so könnte man glauben, dass zwischen den beiden Chemie entstehen sollte. Aber um nur nichts falsch zu machen, kriegt Karyo bis auf ein paar Brocken französischen Akzents keine Persönlichkeit. Das liesse sich anhand zahlreicher weiterer Beispiele aus dem Film festmachen, aber ich fürchte, dabei in den Tiefschlaf zurückversetzt zu werden.
Abgesehen von seiner Wiederholung des immergleichen Witzes (ein paar Varianten davon sind anfangs gut, etwa der UFO-artige Lichtstrahl aus dem Gewächshaus, werden aber totgeritten) hat Grasgeflüster noch ein paar liebliche Breitwandaufnahmen von der Küste Cornwalls, vorhersehbare Nebenhandlungen und - ein Zuckerl für den Heimanbauer, dem der Film hiermit empfohlen sei - zahlreiche Nahaufnahmen von Blüten und Geräten zur Graszucht zu bieten. Sogar der Dorfoktor (Martin Clunes), der gerne mal herzensgut einen hinterm Haus durchzieht, hält den obligatorischen Monolog darüber, dass Marihuana eigentlich weniger gefährlich ist als Alkohol und längst legalisiert sein sollte. Stimmt, wird aber vom herzensguten Ende (ein Schnellvorlauf ins Glück) ohnehin überflüssig gemacht. Ärgerlich ist dabei nicht nur die Absehbarkeit des ganzen Films, sondern auch noch die Frechheit der Macher, sich mit den klassischen Ealing-Komödien der 40er/50er zu vergleichen - hätten die so ausgesehen wie Saving Grace, dann hätte es nie den englischen Comedy-Boom gegeben.
Noch nicht einmal im derzeitigen macht sich der Film besonders gut, und vermutlich nur, wer etwas derartiges noch nicht gesehen hat, wird dieses Fertigprodukt trotzdem mögen, den anderen sei die einzig wirklich grosse Kifferkomödie ans Herz gelegt: Reefer Madness, ein regierungsfinanzierter (und todernst gemeinter) No-Budget-Propagandafilm aus den Mittdreissigern, der die teuflische Droge gnadenlos anprangerte. Da kam noch wirklich Überraschendes zutage, etwa dies: "...oder der Fall des 17jährigen, der einen Joint rauchte, und danach seine Familie mit der Axt zerstückelte." So viel Innovation würde man sich hier auch häufig wünschen.
Fazit: Routiniert, aber inspirationslos absolvierte Komödie mit Einheitswitz und einer Unzahl netter Menschen.