Deutsche Filme, das kann ja nix werden, dachte man noch vor ein paar Jahren. Außer billigen, unlustigen Gag-Filmchen und schmalzigen Schnulzen kam ja damals nichts anderes im Kino.
Dann war da
Der bewegte Mann, und langsam bekam das deutsche Kino Aufschwung (auch wenn der Film an sich eigentlich nichts Großartiges zu bieten hatte), erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt mit
Knockin’ on Heaven’ s Door. Und 1999 kam dann
Bang Boom Bang. Und der ehemalige Kurzfilmregisseur
Peter Thorwarth 
. Seit diesem Film war mein Vertrauen in deutsche Produktionen wieder hergestellt.
Und die des Publikums. Oder besser gesagt, die der kleinen Gruppe von Leuten, die den Film mochten. Das waren nicht viele, denn Peter Thorwarth präsentiert hier keinen Mainstream- Film. Aber genau das macht den Charme von
Bang Boom Bang aus, die Art von Charme, die deutschen Produktionen oft fehlt, weil sie auf möglichst hohe Zuschauerzahlen setzen. Die letzten Regisseure, die so eine Art Kino erschufen hießen übrigens
Sam Raimi 
,
Kevin Smith 
und
Quentin Tarantino 
.
Besonders mit letzterem wird Peter Thorwarth oft verglichen. Von der Art der Kameraführung kann man - besonders am Anfang - Parallelen beobachten, und meist scheinen die Dialoge auch einfach nur kopiert zu sein. Ich habe den Film zweimal sehen müssen, um zu bemerken, dass
Bang Boom Bang keine einfache Verfrachtung von
Pulp Fiction 
in den Ruhrpott ist. In der Mitte des Films bricht Thorwarth nämlich die häufige Gewohnheit, Gewalt detailliert und mit schnellen Schnitten zu zeigen. Die Kamera wirkt ruhig, fast wie ein Beobachter, und oft sieht man gar nicht, was passiert, weil entweder aus anderen Blickwinkeln gefilmt oder einfach eine Überblendung gemacht wurde. Das ist eine interessante Idee, und bringt "ansprechende" Gewalt ins Spiel, ohne dass diese überspitzt wirkt.
Die Schauspieler, die Thorwarth ausgewählt hat, finden sich übrigens gut in ihre Rollen ein,
selbst die Nebendarsteller, die sogar meist aus mehr oder weniger berühmten Kreisen kommen. Einzig Ingolf Lück spielt überdreht, aber das sei dem Mann verziehen, es ist schließlich sein erster großer Auftritt in einem Kinofilm.
Der Film läßt leider im Mittelteil leicht nach und verspielt so einen Bewertungspunkt durch ein paar uninspirierte Szenen, aber alles in allem ist
Bang Boom Bang die Sorte deutscher Film, von der wir mehr im neuen Jahrhundert wollen.