Fritz Langs
Metropolis ist unbestrittenerweise ein Meilenstein der Filmgeschichte, denn er stellte bereits 1926 den ersten Cyborg, unterirdische Städte und Menschen als Sklaven der Maschinen dar.
Die Spezialeffekte von Eugen Schüfftan waren für die damalige Zeit grandios, enthielten sie doch zum Beispiel das erste primitive Morphing, spektakuläre visuelle Effekte sowie eine futuristische Architektur, worin die sich bewegenden Menschen erkennbar sind. So inspirierte Schüfftan die Kulissenmacher unzähliger Filme wie
Dark City 
,
Das Fünfte Element 
,
Gattaca 
und Batman´s
Gotham City . Um die Szenen in den Strassen von Metropolis zu drehen, wurde eine Miniatur verwendet, über welche mittels Spiegeln Leute erschienen, so dass die ganze Szene auf einmal und ohne Nachbearbeitung aufgenommen wurde. Um die unterschiedlichen Welten zu generieren wurden 25000 beinahe unsichtbare Spezialeffekte verwendet, um die Oberwelt mit ihren Stadien, Wolkenkratzern und hochgebauten Autobahnen und auf der anderen Seite die unterirdische Stadt mit ihrer Zehn-Stunden-Uhr, den komplizierten und gefährlichen Maschinen und Tunneln zu beleben.
Das Resultat war für die damalige Zeit grandios. Mittels dramatischen Kamerawinkeln und Sets, welche ein grausliches Schattenspiel bieten, gelang Lang wohl der Höhepunkt des deutschen Expressionismus.
Trotz mangelnder digitaler Effekte kann Metropolis immer noch als realistisch wahrgenommen werden, wären da nicht die gravierenden technischen Probleme wie das unscharfe Bild, zu groß dargestellte Einblendungen am Anfang oder die völlig unpassende Musikbeifügung auf der
DVD 
. Hier soll erwähnt werden, dass es zu den meisten anerkannt "großen" Stummfilme mit Ausnahme jener von
Charlie Chaplin 
immer mehrere Musikvarianten gibt, da von Fernsehsendern des öfteren neue Kompositionen in Auftrag gegeben wurden. Die Musik der vorliegenden DVD-Version ist leider absolut unpassend und wird der tatsächlichen Stimmung im Film nie gerecht. So wird kommt es vor, dass bei der Revolution eine Liebesmelodie erklingt, bei einer Todes-Halluzination ein lustiges und populäres Konzertstück ertönt und dass in einer (wohl lauten) Maschinenhalle sehr feine und zarte Musik zu hören ist.
Giorgio Moroders 
VHS-Version von 1984 beinhaltete dessen elektronische Musik und war trotz E-Gitarre um vieles akzeptabler, als was auf der neuen DVD geboten wird. Leider hatte Moroder auch den unangenehmen Einfall, die Rechte an
Metropolis zu kaufen, die alte Version verschwinden zu lassen, und seine neu geschnittene Version auf den Markt zu bringen. So ist zur Zeit wohl keine Version in Umlauf, welche dem Original gerecht werden würde. Die Version des Münchner Filmmuseums, welche Fritz Langs Version größtenteils restaurierte, ist leider nicht erhältlich.
Trotz der Kürzung der Originallänge von 183 Minuten ist
Metropolis immer noch sehr langatmig geraten. Es kann vorgespult werden, ohne dass irgendetwas verpasst werden würde, da sowieso kein wahrnehmbarer Dialog stattfindet. Dennoch artikulieren Gustav Fröhlich, Alfred Abel und Brigitte Helm so deutlich Deutsch, dass die Dialoge trotz der schlechten Bildqualität gut nachvollziehbar sind. Die Körpersprache sämtlicher Schauspieler und Statisten ist für einen Stummfilm ausgezeichnet gelungen und deutet auf einen strengen Regisseur. So konnte es Fritz Lang mit der legendären Strenge von
Stanley Kubrick problemlos aufnehmen, denn er ließ die Statisten stundenlang im kalten Wasser stehen, befahl Brigitte Helm, ohne Sicherung über hohe Plätze springen, und als sie verbrannt werden sollte, benutzte Lang echtes Feuer. Böse Zungen behaupten, sein Regisseursstil sei jenem des Bösewichts im Film ähnlich gewesen.
Eine andere böse Zunge war die Drehbuchautorin Thea von Harbou. Ihr Thema war folgendes: Die Oberschicht (im wahrsten Sinne des Wortes) profitiert von der ausgebeuteten Unterschicht. Aus diesem dialektischen Materialismus entwickelt sich die Theorie, dass ein Puffer, "das Herz", dazwischen geschaltet werden soll, der zwischen den beiden Schichten vermittelt. Von Harbou beabsichtigte hiermit eine anti-intellektuelle und vor-nazistische Lösung des Konfliktes. Daher war es auch in der Redaktion umstritten, ob dieser Film nicht eher als Kult zu werten wäre.
So hat Metropolis durch sein gigantisches Arsenal an Ideen (glücklicherweise nicht an Ideologien) bis heute einen wichtigen Einfluss auf die Ideen der Filmemacher gehabt und unsere Vorstellung von der Zukunft dahingehend beeinflusst, dass wir uns unter einer futuristischen Stadt immer gigantische Wolkenkratzer vorstellen, wo merkwürdige Fluggeräte von einem Ort zum nächsten fliegen.
Selbst mit völlig unpassender Musik und schlechter Filmqualität ist der Stummfilm Metropolis immer noch ein Muss für jeden Science Fiction Fan. Ein wahrer Klassiker, der immer noch die Gemüter zu bewegen vermag.