Es ist wieder so weit. Eine weitere beliebte Serie aus unserer Kindheit kommt als Verfilmung in die Kinos. Nach Flops wie "Mit Schirm, Charme und Melone" oder "The Saint" nähert sich der hart geprüfte Filmfan diesem Phänomen jedoch mit Vorsicht. Zu oft schon hat uns die amerikanische Filmindustrie mit einem geschickten Marketing in die Falle gelockt, indem sie einfach ein paar Stars in ein blutleeres Nichts gesteckt hat. Nun hat sich der junge Regisseur Joseph McGinty Nichol (
"McG" 
) an den drei Engeln versucht und somit die Zahl der Neuverfilmungen um ein Werk "bereichert". Die Vorzeichen standen für ihn jedoch denkbar schlecht, da man schon während der Dreharbeiten von Zwistigkeiten zwischen Liu und Murray hörte und auch viele Drehbuchänderungen auf der Tagesordnung standen.
Ich sitze also im Kino und warte voller Angst auf das Unvermeidliche. Als erstes sehe ich eine lange Kamerafahrt durch ein Flugzeug, unterlegt durch eine coole Siebziger-Jahre Gitarre, die wir schon aus
Tarantino 
-Filmen kennen. Bald schon folgt die Kamera einem Unbekannten, der sich demnächst als
LL Cool J 
herausstellen wird. Er zerrt einen kleinen Mann mit Bombe zum Ausgang und wirft ihn raus. Beide donnern mit riesiger Geschwindigkeit Richtung Erde. Eine dritte Person nähert sich mit Fallschirm und entfernt die Bombe, welche sofort explodiert. Ich halte mir die Ohren zu. Alle drei landen auf einem kleinen Schnellboot, wo schon ein Engel wartet. Der zweite Engel ist der Fallschirmspringer und der Dritte erscheint nach Entfernung der LL Cool J-Maske. Ich denke mir. WOW. Dieser Anfang in James Bond-Manier schlägt an Rasanz wahrscheinlich alle Actionfilme der letzten 5 Jahre.
Erste Bedenken keimten in mir auf. Wird mich die Story überzeugen? Flaut der Film nach dem tollen Anfang ab? Rasiert sich Cameron Diaz die Beine? All diese Fragen lösten sich schon bald in Luft auf. Denn:
Was die Story betrifft, so ist diese nur mit einem Elektronenmikroskop auffindbar. Eine kleine Wendung ist wohl schon das Größte, was die Macher zustande brachten. Das hört sich nun negativ an und Sie glauben, ich werde den Film deswegen in der Luft zerfetzen. ALLES FALSCH. McG inszeniert mit einer derartigen Rasanz, dass einem die Luft wegbleibt. Es geht von einer Actionszene in die andere, wobei diese völlig absichtlich ohne Grund inszeniert werden. Keine unnötigen Erklärungen verlängern den Film. Gut sieht Böse und schon kracht´s. McG verzichtet auf Logik, jedoch in einer so extremen und lustigen Weise, dass es ein Genuss ist. Schon in der oben erwähnten Flugzeugszene nimmt sich der Film selbst aufs Korn (ich verrate nichts), was mir bei Hollywoodproduktionen immer wieder imponiert (weil so selten).
Was nun die Action detailliert betrifft. Die Kämpfe sind so offensichtlich aus Matrix geklaut, dass man es McG nicht übel nehmen kann. Zeitlupenkicks, irrsinnige Sprünge und Pistolenkugeln in Slo-Mo bescheren uns ein herrliches Déja Vu. Das Duell mit den Rennwagen mit abschließendem Showdown auf der Brücke erinnert an Gone in 60 Seconds, die Maske am Beginn kommt wohl aus MI:2 und die Anfangssequenz ist James Bondesque. Diese Szenen sind technisch perfekt umgesetzt. Man hat einfach Spaß an diesem Actionmedley, dass nebenbei auch noch mit einem extrem selbstverarschenden Humor daherkommt.
Dieser Humor zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Manche Witze scheinen einfach nur im Film zu sein, weil sie gut sind. Sie haben nichts mit der Handlung zu tun, sondern stehen einfach nur für sich selbst. So ist Bill Murray am Ende in einem Turmverlies eingesperrt. In aufeinanderfolgenden Szenen redet er mit einem Vogel, spielt (Gesprengte Ketten) Baseball oder, und das ist der Hammer, knabbert sich unter Miami Vice-Musik eine Kanone aus einer Seife. Es gibt in diesem Film viele solcher Szenen, die ein etwas befremdendes Gefühl beim Zuschauer auslösen. Das tut Charlie´s Angels aber sehr gut.
Auch optisch spielt sich einiges ab. Die Mädels wechseln pro Szene ungefähr zweimal ihr Outfit, was insgesamt ungefähr 5764 Kostüme (nur für die Engel) ausmacht. Die ganze Kulisse ist in starken Farbtönen dargestellt, was den Vergleich des Filmes mit einem riesigen Zuckerl nahe legt. Außerdem wird natürlich nicht auf das Posen vergessen. In jedem Teamkampf nehmen die Mädels andere Positionen ein, so wie wir es aus den Originalsilhouetten kennen.
Was kann man über die Darsteller sagen. Die drei Mädels zeigen nicht nur sehr viel Action, sondern auch massig Haut. Knappe Kostüme lassen die Männer schlucken und die Mädels schwärmen. Alle Rollen sind mM nach perfekt besetzt. Besonders herauszuheben ist Crispin Glover (Der junge McFly aus Zurück in die Zukunft) als The Thin Man. Seine Mimik und Gestik sind einzigartig. Auch Sam Rockwell, der schon in The Green Mile sein schauspielerisches Können unter Beweis stellte, macht seine Sache als tanzender Bösewicht super. Murray und Curry (das reimt) kennt man ja schon lange, wobei Bill Murray noch in keinem Film so alt gewirkt hat. Die Zeit geht eben an niemandem spurlos vorbei. Die schöne
Kelly Lynch 
besticht durch ihr teuflisches Auftreten als skrupellose Böse ("Never send a man to do a woman´s job") und
Matt LeBlanc 
hat einen kleinen Auftritt als Alex Freund. Da gibt´s also einiges zu sehen.
Wenn Sie also durch die vielen Flops der letzten Jahre abgeschreckt sind, dann rate ich Ihnen, diesem Film eine Chance zu geben. Er hat es sich verdient.
Fazit: Wirklich gelungenes Remake der Serie. Sie werden überrascht sein.