"Sie haben den falschen Mann geklont!" Was, Arnold Schwarzenegger etwa kein normaler Durchschnittsbürger sondern ein österreichischer Superstar in einem lieblos zusammengeschusterten Action-Vehikel? Scherz beiseite,
The 6th Day beginnt zunächst einigermaßen ansehbar, wenn auch nicht eben außergewöhnlich mit etwas schwarzem Humor: Ein Footballstar wird beim Spiel (fünf Sekunden im Wettbewerb um den
Oliver-Stone 
-Radau-Preis) schwer verletzt. Was natürlich der Geschäftsleitung alles andere als recht ist. Man hat ja einen teuren Vertrag mit dem Talent. Auftritt Michael Rooker und sein Team von wirklichen
Replacement Killers 
(jedes Mal, wenn einer von ihnen abtritt, wird er einfach neu geklont, Sarah Wynter wechselt dabei sogar immer die Haarfarbe). Noch im Krankenwagen wird dem aufstrebenden Jungstar die Luft abgedreht - und beim nächsten Spiel (das später nebenher im Fernsehen läuft) kann man schon sehen, wie sein Klon die Punkte einfährt.
Solche Boshaftigkeiten sind nicht selten im ersten Drittel von
The 6th Day: Man hat offensichtlich Spaß dabei gehabt, die Gegenwart mit ein paar futuristischen Zügen zu versehen: RePet etwa, das Unternehmen für Heimtierrecycling (vor dessen Filiale ein paar jämmerliche Demonstranten lustige "Atheist"-Chöre krächzen), ein rostiger
New Beetle oder eine sprechende High-Tech Puppe, mit der Arnold so seine Kommunikationsprobleme hat (und die einen verdächtig unfertigen Klon-Gesichtsausdruck an den Tag legt) erweitern streckenweise derzeitige Tendenzen ironisch in die nächsten Jahre. Nur - einen ähnlichen Umgang mit der Zukunft ist man von den Filmen Paul Verhoevens schon länger gewohnt: Dass sich
Roger Spottiswoode 
, ein mittelmäßiger Regisseur ohne eigene Handschrift, daran bedient, legt weniger den Schluss nahe, er hätte ein neues Interessensgebiet entdeckt, sondern eher den, dass sich Produzenten und Drehbuchautoren geeinigt haben, dass man auf Nummer Sicher setzen sollte und sich bei älteren Arnold-Filmen bedienen muss, anstelle sich etwas Neues einfallen zu lassen - und so wirkt
The 6th Day mehr und mehr wie eine unbeholfene Variante von
Verhoevens
Total Recall 
.
Wo der holländische Zyniker die Dinge allerdings durch seinen Hang zum Widersprüchlichen verkompliziert (und damit interessanter macht), neigt hier alles zur Vereinfachung und Verblödung. Ist die Anfangsphase mit ihren amüsanten Seitenblicken erst einmal abgewickelt, geht es in die öde Befolgung von Routine. Wieder undwieder muss sich Schwarzenegger den Industrieschergen stellen und es folgt eine Schießerei oder Verfolgungsjagd, die weder so recht Spannung aufkommen lassen will noch besonders mitreißend inszeniert ist. Zum Teil, weil man sich ins eigene Fleisch geschnitten hat: Neben Schwarzenegger kommt leider kaum eine der anderen Figuren zum Zug - die Killer sind gesichtslose Quelle für Brutalität und Deppenhumor (als Michael Rooker einmal der Fuß abgeschossen wird, bleibt ihm nur ein wütendes: "Die Boots waren nagelneu!"), für Tony Goldwyns Schurken, dem schon etwas mehr Zeit zugestanden wird, würde man sich da schon eher erwärmen können, doch leider bleiben seine Motivationen und Gefühle banal durch und durch. Michael Rapaport als Arnold Partner macht eigentlich die beste Figur, doch muss er viel zu früh abtreten. Davor hat er die beste und technisch eindrucksvollste Szene des Films: Anstelle einer Freundin erwartet ihn zu Hause ein auf Wunscherfüllung programmiertes 3-D-Hologramm in Gestalt einer Sexbombe. Wie die jedem Chauvi-Wunsch zuvorkommt, bevor er auch noch ausgesprochen werden kann, hat genau den Witz, der dem Rest des Films abgeht - eine spöttische Selbstparodie über die Verramschung von Stereotypen, die ansonsten bei allen one-linern doch ernst genommen werden will.
Auf den Punkt bringt es die Rolle von Altmeister Robert Duvall: Ein Wissenschaftler, der das Klonen beherrscht und nun verflucht - selbst seine Frau hat er noch von den Toten zurückgeholt, um festzustellen, dass ihr das Ersatzleben keinen Spaß macht, und sie den Tod nun wirklich herbeisehnt. Blumen sind ihr letzter Trost - 17 Generationen hat sie herangezüchtet. Eine halbe Stunde hätte es gedauert, sie zu klonen, meint Duvall. Sie nickt nur stumm, er auch: Beide wissen was gemeint ist. Es ist die einzige Szene des Films, die Herz besitzt und führt dann doch ins Nichts: Nach ein paar allgemein gehaltenen "Die Natter, die ich an meinem Busen nährte"-Momenten wird Duvall als überflüssig beseitigt (ein Blumenbukett verziert dabei seinen letzten Atemzug) und sein ethisches Dilemma bleibt wie alle Implikationen, die der Film aufwerfen könnte, unerforscht.
Genau erforscht wird dafür Arnolds Karriere - von Total Recall bis True Lies
müssen haufenweise bessere Filme dran glauben, um 2 überlange Stunden vollzustopfen (manchmal fragt man sich, ob der Film, auf 70 Minuten heruntergeschnitten, nicht einigermaßen ansehbar wäre - an Handlung würde er jedenfalls nichts einbüßen). Neben lustlos absolvierter Action schmerzen dabei vor allem die völlig gescheiterten one-liner, die Arnold diesmal von sich geben muss: "Fick dich ins Knie" ist tatsächlich der traurige Höhepunkt des hier vertretenen Humors. Eine letzte Ironie bleibt dem überflüssigen Materialverschleiß damit immerhin: Als Film, der angeblich vor dem Klonen warnt, ist er selbst nur ein Klon. Und wie sagt eine der Figuren so schön: "Nehmen wir mal an, dass Klone keine Seele haben..." Da kann man The 6th Day dann doch noch recht geben.
Fazit: Mühsame Variante besserer Arnold-Filme: Nach einer annehmbaren halben Stunde ergibt man sich öder Imitation von Vorgängerhits der steirischen Eiche.