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Brot und Tulpen
Original-Titel: Pane e tulipani
Land/Jahr: Italien/Schweiz / 2000
Genre: Komödie
Mit: Licia Maglietta .... Rosalba Barletta
Bruno Ganz .... Fernando Girasoli
Marina Massironi .... Grazia
Giuseppe Battiston .... Costantino
Felice Andreasi .... Fermo
Regie: Silvio Soldini
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    Ehefrau auf Selbstfindungstrip: Hitkomödie aus Italien, fernsehhaft.

    Eine Kritik von Christoph Huber , 16.11.2000
 
Inhalt
 
 
Weil sie auf der Toilette der Raststation ein kleines Missgeschick zurückhält, versäumt Rosalba (Licia Maglietta ), den Bus, mit dem sie und ihre Familie gerade an einer Rundreise teilnehmen. Der Zufall führt sie nach Venedig und sie beschließt sich ein wenig Zeit für sich selbst zu gönnen. Fernando (Bruno Ganz ), ein trauriger, freundlicher Kellner gibt ihr Unterkunft, ein anarchistischer Blumenhändler (Antonio Catania) Arbeit. Frei von den Zwängen ihres bisher öden Lebens, erlebt sie mit Fernando und ihrer neuen Freundin, der Masseuse Grazia (Marina Massoni) eine glückliche Zeit. Doch ihr Mann Mimmo (Antonio Catania), erzürnt bis verzweifelt schickt ihr den Amateurdetektiv Costantino (Giuseppe Battiston ) hinterher. Aber der muss sich auch erst mal in Venedig durchschlagen, während sich Rosalba in der neuen Idylle zunehmend wohlfühlt.
 
Kritik
 
 
Die Verbindung von römischen und griechischen Elementen, so der Fremdenführer in der Eröffnungsszene dieses Films, habe nur Vorteile mit sich gebracht. Brot und Tulpen ist selbst eine solche Menge von Verbindungen, wenn man auch nicht mit der gleichen Überzeugung Vorteile dafür reklamieren kann. Seine Geschichte um eine Frau zwischen einer alten Verbindung (Familie, Alltag, Langeweile) und einer neuen (Selbstverwirklichung, Respekt, Freundschaft) bringt wieder mal das Fernsehen ins Kino. Silvio Soldinis hauptsächlich in einer sympathisch abseits der ausgetretenen Tourismuspfade angesiedelten Tragikomödie ist gekennzeichnet von der Art von Humor, wie sie auch den Filmen eines Reinhard Schwabenitzky  hierzulande zu eigen ist. Immer ein wenig zu viel Angst vor der eigenen Courage (Lokalkolorit, "kleine" Menschen), um die Inszenierung in Ruhe zu lassen, werden dieser netten Geschichte eher zwanghaft Gags und "Poesie" aufgepfropft, die ihr viel vom lieblichen Realismus nehmen.
Alles muss hier überdeutlich ausbuchstabiert werden: Rosalbas Ungeschick im Umgang mit Gegenständen (das sie im Zuge der Selbstverwirklichung ablegt) nahe am Slapstick, die komische Nebenfigur des Detektivs (der eigentlich Klempner ist, sich aber qualifiziert, weil er genug Kriminalromane gelesen hat: 285 - kurzes Stocken - "e mezzo"), die sich immer ein bisschen zu aufdringlich lächerlich machen muss, die Ramschladenqualität der "surrealistischen" Alpträume von Rosalba. Man möchte gern wieder breitenwirksames Kino über wirkliche Menschen machen und hat dabei leider das Kino aus den Augen verloren.

Breitenwirksam ist Brot und Tulpen zweifelsohne: Hier hat man zwar liebevoll an den Charakteren gefeilt, aber im Zweifelsfall ist der nächstbeste Witz immer näher als die wirkliche Person. "Kannst du meine Hemden bügeln?", ist das größte Problem des Ehemanns, nachdem ihn seine Frau verlassen hat. "Ich bin deine Geliebte, nicht deine Frau", kommt prompt die Antwort. So ist das nun mal in Italien - immerhin macht man sich auch über die eigenen Klischees lustig. Ein wenig zu viele sind trotzdem da und ersticken die begabte Schauspieltruppe unter einer austauschbaren Oberfläche: Trotzdem ist Gewinnendes an Licia Magliettas Würde oder an Bruno Ganz isländischem(!) Kellner, der ein viel zu gewähltes, steifes Italienisch spricht. Auch wenn sich Brot und Tulpen am Ende einfachen Auflösungen versagt, hat er davor nur in Offensichtlichkeiten herumgestochert: Das Kleinbürgertum als Enge und das Glück in der Musik. So nett, dass er seine eigenen Ernsthaftigkeiten untergräbt, zeigt der Film einmal recht deutlich, was ihm fehlt. Rosalba und Grazia sitzen vor dem Fernseher (und die Kamera stochert recht fernsehgemäß in ihren Großaufnahmen herum), gerührt von einem Liebesversprechen: "Meinst du, die haben damals wirklich so geredet?" Der Gegenschnitt offenbart Robert Mitchum  und Jane Greer  in Goldenes Gift  und weder die reizlos ausgewaschene Umgebung noch das flimmernde Fernsehbild können die Schönheit von Jaques Tourneurs  Bildern zerstören: Wo man mit althergebrachten Genremustern spielt, muss man die Größe eben in die Form bringen. Die bleibt bei Soldini leider im Handgepäck.



Brot und Tulpen
La musica, etcetera: Maglietta, Ganz.

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 4/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 6.2647058823529

Schnellwertung:


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