Warner Bros hat mit diesem Werk eine weitere Kampfansage an den Trickfilmriesen Walt Disney gerichtet. So wurde zur Abwechslung einmal ein Cartoon für Kinder und Erwachsene produziert, der sich mit den Themen Gewalt, Fremdenhass sowie mit der Thematik des kalten Krieges auseinander setzt. Außerdem wurde auf die sonst so nervigen Musicaleinlagen verzichtet, was nur als Pluspunkt gewertet werden kann. Zuständig für die Umsetzung des Romans von Ted Hughes ist Brad Bird, der schon bei den Simpsons im Regiestuhl Platz nehmen durfte.
Der Gigant aus dem All ist ein schwer zu beschreibendes Werk. Er hätte wirklich das Zeug zu einem besonderen Film, da die Optik und auch die Story im Gegensatz zu den meisten Disneywerken wirklich etwas zu bieten haben. Jedoch scheint er nicht komplett. Manchmal kam es mir vor, als würden Szenen fehlen, welche das vorhandene Material zu einem Ganzen verbinden sollten. Manche Handlungsstränge werden einfach in der Luft hängen gelassen. Wenn der Roboter zum ersten Mal seine Verteidigungsfunktion benutzt, denkt sich der Zuschauer, er könnte auf einem fernen Planeten als Waffe benutzt worden sein. Durch den Aufprall auf der Erde hat er dann sein Gedächtnis verloren und nun löst er eben unterbewusst durch eine gegen ihn gerichtete Angriffshandlung seine Kriegsmaschinerie aus. Der Regisseur nimmt sich dieses Themas aber bis zum Ende hin nicht mehr an. Mich persönlich hätte die Herkunft des Roboters schon interessiert. Durch eine Erklärung über sein Entstehen und seine ursprüngliche Funktion hätte der Film auch etwas an Länge gewonnen. So wirkt Der Gigant aus dem All eher wie eine halbstündige Zeichentrickserie als ein eineinhalbstündiger Langfilm. Just als er etwas Tempo bekommt, ist er schon wieder aus.
Außerdem kann sich der Film nicht zwischen Ernsthaftigkeit und Humor entscheiden. So hampelt Hobarth in der Gegend herum wie aus einem Kinderfilmchen, während der Roboter am Ende doch ziemlich die Laser blitzen lässt und zum Monster mutiert. Zwischendurch spielen die beiden in den typischen Szenen, in denen der junge dem Giganten alles erklären muss und dieser mit dumpfer Stimme dessen Worte wiederholt. Sozusagen ein lieber Gigant. Das ist zwar nett umgesetzt, jedoch fehlt dem Film eine gewisse Schräge, welche die B-Monstermovies aus den 50er Jahren ausgezeichnet hat. Natürlich soll aus dem Giganten kein Gruselfilm werden, jedoch ist er mM nach zu glatt inszeniert. Da verkommen Messages à la Wir müssen uns alle lieb haben oder Sie haben Angst vor dem, was anders ist zu banalen Sätzen, die sowieso jeder kennt. Ein bisschen mehr Tiefgang wäre hier angebracht gewesen.
So. Nun aber zum Positiven. Wie schon erwähnt ist der Film grafisch auf höchstem Niveau. Da schwappen die Wellen, blitzen die Laser und agieren die Figuren in den schönsten Farben. Auch die überspitzte Zeichnung der Akteure passt gut zur Zeit, in welcher der Film spielt. So erinnert der Schrotthändler Dean ein bisschen an Bruce Wayne, wie er in den alten Comics ausgesehen hat. Ein Deja-Vu lösen auch die alten Army-Jeeps aus, wie man sie schon oft in den alten Kriegsfilmen gesehen hat. So verbindet sich die Optik zu einer Einheit, die das Flair der 50er wirklich gut herüber bringt.
Zusätzlich muss man sich keine Gesangseinlagen antun, welche die Handlung des Filmes nur unnötig aufhalten würden. Elton John wird traurig gewesen sein. Höchstwahrscheinlich ist er vertraglich aber sowieso an Disney gebunden. Angenehm ist auch, dass es in diesem Film keinen wirklichen Helden gibt. Die Heldenrolle, welche man anfangs Dean gibt, bestätigt sich nicht ganz. Er ist nämlich ein bequemer Angsthase, der die Szenen eher mit ironischen Kommentaren bereichert. Seine Rolle ist aber schon die Einzige, die etwas aus der Reihe tanzt. Ansonsten haben wir den naiven Buben, den bösen FBI-Agenten, die besorgte Mutti und das etwas eigenartige Dorfvolk. Auch hier wäre mehr möglich gewesen.
FAZIT: Als Zeichentrick auch für Erwachsene ein bemühter Versuch, im Großen und Ganzen aber ein bisschen zu platt. |