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Prinzessin Mononoke
Original-Titel: Mononoke Hime
Land/Jahr: Japan / 1997
Genre: Anime, Fantasy, Action
Mit: Stimmen von:
Yôji Matsuda
Yuriko Ishida
Yûko Tanaka
Regie: Hayao Miyazaki
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    Der Erfolgszeichentrickfilm des "japanischen Disney" Hayao Miyazaki verschränkt Feinarbeit in der Animation mit ausladender Erzählbreite und ökologischer Parabel.

    Eine Kritik von Christoph Huber , 18.04.2001
 
Inhalt
 
 
Ashitaka, ein jugendlicher Held, macht sich, nachdem er von einem besessenen Eber angefallen worden ist, auf den Weg durch Japan. Das Zeitalter der Waldgeister und Tiergötter geht zu Ende: Die Herrin Eboshi rodet ihren Wald, um ihre Eisenhütte zu betreiben. Doch die Tiere geben nicht auf: Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zum letzten, vergeblichen Kampf gegen die Menschheit eines neuen Zeitalters - doch die widerstreitenden Fraktionen unter den Menschen haben auch noch untereinander ein paar Hühnchen zu rupfen. Zwischen den Fronten versucht Ashitaka zu retten, was zu retten ist.
 
Kritik
 
 
"Vor langer, langer Zeit" hebt diese fabelhafte Geschichte an, um sich später doch temporär zu platzieren: In der Ära des Muramachi-Shogunats, zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert und entwicklungshistorisch am Übergang zur endgültigen Unterwerfung der Natur. Frühe Vorläufer von Gewehren kommen bald ins Spiel, der Raubbau von natürlichen Rohstoffen und ein Umbruch in den Herrschaftsstrukturen.
Dabei beginnt alles wie im Märchen: Der junge Krieger Ashitaka tötet eine seltsame Bestie, ein Wildschwein, in schlängelnde Würmer gekleidet, spinnengleich vorwärtsdrängend, um sein Dorf zu retten. Ein Fluch lag auf dem Eber und er wird auf Ashitaka übertragen, der sich auf die Suche nach dessen Ursprung macht, den Tod im Blut, eine unwahrscheinliche Hoffnung auf Rettung im Herzen. Sein Weg führt ihn schließlich ans andere Ende von Japan, wo die Tiere noch von Göttern regiert werden: Der Eber war einer davon und bei der Zerstörung seines heimatlichen Waldes hat ihn der Hass überwältigt und zum Monster gemacht. Ashitaka stößt bald auf die Ursache des Konflikts: Am Rande des Waldes liegt eine befestigte Eisenhütte, deren Herrin Eboshi Protagonistin eines neuen Zeitalters ist: Mit dem Erz aus dem heiligen Berge nebenan verfertigen ihre Untertanen Schusswaffen, mit dem Holz des Waldes bauen sie Wohnstätten und betreiben die Feuer. Die Tiergötter wollen sich dagegen wehren. Ihre Anführer sind die Wölfe, unter ihnen ist auch die Titelheldin von Prinzessin Mononoke: Als Kind in der Wildnis ausgesetzt, stammt sie von den Menschen und fühlt sich doch bei den Wölfen zu Hause. Ashitaka verliebt sich auf den ersten Blick in sie, als sie Blut aus der Wunde ihrer "Mutter" saugt. Zwischen einer möglichen Beziehung steht der Antagonismus von Mensch und Natur.
Ein waches Auge für Widersprüche hebt Hayao Miyazakis Animationsfilm trotz gelegentlicher Naivitäten vom Gros der Zeichentrickinfantilität ab: Mit Ashitaka wird der Zuschauer in eine Serie von unauflösbaren Konflikten geführt, in denen sämtliche Figuren des Films gefangen sind. Eboshi ist nicht nur rücksichtslose Verfechterin des Fortschritts und damit Erbfeind der idyllisch-monströsen Naturgewalten, sondern zugleich Philantrophin: Aussätzige und Frauen aus Bordellen hat sie für ihre Erzfestung geholt, Ausgestoßene, um die nur sie sich kümmert. Ein rotnasiger Mönch, der am meisten zu wissen scheint, schlägt sich aus Gewinnsucht auf die Seite des neuen Regimes, das aufbricht, den Waldgott (ein vielhörniger Hirsch mit Mandrillgesicht) zu töten und das Ende der mythischen Naturgottheiten einzuleiten. Dazwischen stehen die Bodentruppen, die im Loyalitätskonflikt nicht wissen, was ihnen geschieht, als die widerstreitenden Fraktionen zum großen Schlusskampf aufeinandertreffen. Von den eigenen Anführern werden sie über Sprengfallen geschickt und ihre toten Körper erzählen vom Ende einer Ära wie im finalen Blutbad von Akira Kurosawas Kagemusha.

Etwas zu einfach versucht Miyazaki zwar am Ende die widerstreitenden Weltanschauungen zu versöhnen, aber es tut der Leistung seines Films keinen Abbruch: In feinziselierter Animation und mit einem kunstfertig-vielschichtigen Soundtrack erweckt er die Wunderwelt zum Leben, in ausladenden Landschaftskompositionen, die von der horizontalen und vertikalen Bewegung der gegnerischen Kräfte durchbrochen werden, malt er eine Fantasie vom Zeichenwechsel, brutal und archetypisch wie ein Märchen und voller eigenbrötlerischer Poesie: Die immer wiederkehrenden niedlichen Baumgeister sehen aus wie assymetrische Telephonwählscheiben aus dem Nachlass von Edvard Munch.



Prinzessin Mononoke

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 6/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 6.2739726027397

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