Nach dem noch besseren Der Händler der vier Jahreszeiten balancierte Fassbinder  hier zum zweiten Mal seine Liebe fürs Melodram nach Douglas Sirk mit unprätentiöser Beobachtung kleinbürgerlicher Lebenswelten. Brigitte Mira  spielt eine Putzfrau in ihren 60ern, die einen jüngeren, schwarzen Immigranten heiratet und die resultierende soziale Diskriminierung bewältigen muss. (Die Geschichte wurde - mit anderem Ende - bereits in einer Szene von Der Amerikanische Soldat  erzählt. Fassbinder hat mit diesem Film sein persönliches, kleines Hollywood in Deutschland gefunden (obwohl sich ein Hollywoodfilm, der dermaßen unkompromittiert mit sozialen Themen umgeht, kaum denken lässt): Kameraarbeit, Musikverwendung und ein überlegtes Farbdesign bauen eine gloriose, tieftraurige Welt der "kleinen" Gesten und Gefühle - nicht nur wegen der hervorragenden Leistungen seiner Hauptdarsteller (der Rest des Ensembles funktioniert eher als Hintergrund) überwindet der Regisseur die Distanz, die seine frühen Arbeiten oft etwas kalt erscheinen ließ. Aufgrund seiner Handlung wird Angst essen Seele auf gern als Remake von Sirks Alles was der Himmel erlaubt gesehen, was eher ein Irrtum ist: Nicht zufällig steht in der Mitte des Films eine Anti-Referenz. |