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Jakob der Lügner
Original-Titel: Jakob the Liar
Land/Jahr: Ungarn/Frankreich/USA / 1999
Genre: Drama, Komödie
Mit: Robin Williams .... Jakob Heym
Hannah Taylor Gordon
Liev Schreiber .... Mischa
Alan Arkin .... Max Frankfurter
Regie: Peter Kassovitz
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    Jakob beglückt seine Mitgefangenen im KZ mit gefälschten Radiomeldungen.

    Eine Kritik von Markus Steiger, 14.12.2000
 
Inhalt
 
 
Im Ghetto von Warschau lebt Jakob (Robin Williams ). Früher hatte er einen Laden, in dem er Kartoffelpuffer verkauft hat. Nun, nach dem Tod seiner Frau und dem Einmarsch der Nazis, lebt er im täglichen Trott von Zwangsarbeiten und Ghettoklatsch. Als er eines Tages wegen eines Verstoßes gegen die Ausgangssperre in die Kommandatur muss, erfährt er zufällig aus einem Radio, dass die Russen im Vormarsch sind und die deutsche Wehrmacht kurz vor der Niederlage steht. Im Ghetto erzählt er diese Neuigkeit seinem Freund Mischa (Liev Schreiber ), der unter dem Versprechen, diese Information geheim zu halten sofort allen anderen erzählt, was los ist. Von nun an glauben alle Ghettobewohner, dass Jakob ein Radio besitzt und fragen ihn täglich nach Neuigkeiten. Da Jakob die ganze Fragerei nicht mehr aushält und auch bemerkt, wie wieder Hoffnung unter seinen Leidensgenossen aufkeimt, erfindet er einfach weiter neue Nachrichten. Damit läuft er jedoch Gefahr, von Kollaborateuren verraten zu werden und ins KZ zu kommen.
 
Kritik
 
 
Nach einer Geschichte von Jurek Becker hat sich Regisseur Kassovits  diesem Remake des gleichnamigen Defa-Films angenommen. Für mich war der Zeitpunkt aber schlecht gewählt, da Roberto Benigni  zuvor schon mit Das Leben ist schön  dieses Thema in einem einmaligen Film behandelt hat. Außerdem muss der Zuschauer immer auf einen Tränendrücker gefasst sein, wenn Robin Williams  auf der Besetzungsliste steht.

All meine Befürchtungen zerstreuten sich jedoch mit Fortdauer des Filmes immer mehr. Ich erwartete mir die übliche, durch Spielberg  begonnene Brutalitätsorgie, welche in Schindlers Liste  ein eiskaltes Gefühl beim Zuschauer hinterließ. Kassovitz setzt aber auf einen Dialogfilm, in dem hauptsächlich die Ghettobewohner zu Wort kommen. Sie scherzen über die täglichen Ereignisse, fürchten sich, wenn wieder einmal ein Zug abfährt oder hoffen auf den baldigen Ausgang des Krieges. Dabei ergeben sich mitunter auch irrwitzige Situationen, die für den Zuschauer gar nicht begreifbar sind. So muss der Arzt Kirschbaum (Armin Müller-Stahl ) einem berühmt-berüchtigten hohen Nazi das Leben retten, damit der Kirschbaums Leute umbringen kann. Auch in Das Leben ist schön ist gegen Ende des Filmes der durchgedrehte Horst Buchholz  vom Charakter des kleinen Juden abhängig, da er die Lösung des Rätsels nicht weiß. Diese Szenen ähneln einander stark und stellen daher eine klar erkennbare Verbindung zwischen den beiden Filmen dar.

Ähnlich ist auch, dass man von den Nazis gar nicht so viel sieht. Sie schweben eher als Phantom in jeder Szene hinter den Rücken der Akteure. Wenn sie einmal auftauchen, dann gibt es wenigstens Variationen von ihnen. Einer ist böse, der andere trottelig und noch ein anderer kann die Niederlage der Nazis auch nicht mehr erwarten, da er selbst kein überzeugter Hitlerfreund zu sein scheint. Dennoch ist Vaterlandsgehorsam oberstes Gebot, wobei auch die Angst vor den Konsequenzen einer Befehlsverweigerung mitspielt.

Die Story entwickelt sich mit Fortdauer des Filmes zügig weiter und zeigt dem Zuschauer, wie Gerüchte durch ständiges Tratschen auf ein Vielfaches anwachsen können. So bildet sich sogar eine Widerstandsgruppe gegen das nicht vorhandene Radio unter Führung des genialen Alan Arkin. Die Angst vor dem Provozieren und der damit verbundenen Deportation treibt diese Gruppe zum Vorgehen gegen die eigenen Leute. Zum Glück kommt es dabei aber nicht zur befürchteten Konfrontation zwischen den Ghettobewohnern.

Viel zur Qualität dieses Filmes tragen die schauspielerischen Leistungen bei, welche besonders bei Williams normalerweise oft ins Kitschige abgleiten. Hier jedoch spielt er gedämpft und lässt somit der Story und den anderen Schauspielern auch etwas Luft zum atmen. Besonders das trockene und unsentimentale Ende (ohne Streichkonzerte) mit Williams Stimme aus dem Off halte ich für sehr gut gelungen. Es rundet den guten Gesamteindruck ab und verleiht dem Film noch eine zusätzliche Melancholie. Fazit: Wirklich sehenswertes Drama, dass ganz ohne Kitsch auskommt.


Jakob der Lügner
Kennt jemand von euch Lubitsch?

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 5/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 2.5

Schnellwertung:


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