Nach einer Geschichte von Jurek Becker hat sich Regisseur
Kassovits 
diesem Remake des gleichnamigen Defa-Films angenommen. Für mich war der Zeitpunkt aber schlecht gewählt, da
Roberto Benigni 
zuvor schon mit
Das Leben ist schön 
dieses Thema in einem einmaligen Film behandelt hat. Außerdem muss der Zuschauer immer auf einen Tränendrücker gefasst sein, wenn
Robin Williams 
auf der Besetzungsliste steht.
All meine Befürchtungen zerstreuten sich jedoch mit Fortdauer des Filmes immer mehr. Ich erwartete mir die übliche, durch
Spielberg 
begonnene Brutalitätsorgie, welche in
Schindlers Liste 
ein eiskaltes Gefühl beim Zuschauer hinterließ. Kassovitz setzt aber auf einen Dialogfilm, in dem hauptsächlich die Ghettobewohner zu Wort kommen. Sie scherzen über die täglichen Ereignisse, fürchten sich, wenn wieder einmal ein Zug abfährt oder hoffen auf den baldigen Ausgang des Krieges. Dabei ergeben sich mitunter auch irrwitzige Situationen, die für den Zuschauer gar nicht begreifbar sind. So muss der Arzt Kirschbaum (
Armin Müller-Stahl 
) einem berühmt-berüchtigten hohen Nazi das Leben retten, damit der Kirschbaums Leute umbringen kann. Auch in Das Leben ist schön ist gegen Ende des Filmes der durchgedrehte
Horst Buchholz 
vom Charakter des kleinen Juden abhängig, da er die Lösung des Rätsels nicht weiß. Diese Szenen ähneln einander stark und stellen daher eine klar erkennbare Verbindung zwischen den beiden Filmen dar.
Ähnlich ist auch, dass man von den Nazis gar nicht so viel sieht. Sie schweben eher als Phantom in jeder Szene hinter den Rücken der Akteure. Wenn sie einmal auftauchen, dann gibt es wenigstens Variationen von ihnen. Einer ist böse, der andere trottelig und noch ein anderer kann die Niederlage der Nazis auch nicht mehr erwarten, da er selbst kein überzeugter Hitlerfreund zu sein scheint. Dennoch ist Vaterlandsgehorsam oberstes Gebot, wobei auch die Angst vor den Konsequenzen einer Befehlsverweigerung mitspielt.
Die Story entwickelt sich mit Fortdauer des Filmes zügig weiter und zeigt dem Zuschauer, wie Gerüchte durch ständiges Tratschen auf ein Vielfaches anwachsen können. So bildet sich sogar eine Widerstandsgruppe gegen das nicht vorhandene Radio unter Führung des genialen Alan Arkin. Die Angst vor dem Provozieren und der damit verbundenen Deportation treibt diese Gruppe zum Vorgehen gegen die eigenen Leute. Zum Glück kommt es dabei aber nicht zur befürchteten Konfrontation zwischen den Ghettobewohnern.
Viel zur Qualität dieses Filmes tragen die schauspielerischen Leistungen bei, welche besonders bei Williams normalerweise oft ins Kitschige abgleiten. Hier jedoch spielt er gedämpft und lässt somit der Story und den anderen Schauspielern auch etwas Luft zum atmen. Besonders das trockene und unsentimentale Ende (ohne Streichkonzerte) mit Williams Stimme aus dem Off halte ich für sehr gut gelungen. Es rundet den guten Gesamteindruck ab und verleiht dem Film noch eine zusätzliche Melancholie.
Fazit: Wirklich sehenswertes Drama, dass ganz ohne Kitsch auskommt.