Ich habe mir vorgenommen, nicht viel über die Ähnlichkeiten dieses Filmes zu Ritchies Debüt
Bube, Dame, König, grAS 
zu schreiben. Nur so viel. Dieses mal lasse ich es ihm noch einmal durchgehen. Sein nächster Film sollte aber ganz anders sein, ansonsten würde sein guter Ruf stark leiden. Im Grunde ist
Snatch nur eine Neuauflage seines Debüts, welches jedoch noch witziger, rasanter und auch brutaler ist. Außerdem baut Ritchie ein paar Deja-Vus in sein neues Werk ein, welche
Bube, Dame, König, GrAS - Kennern ziemlich bekannt vorkommen werden. So sieht man, wie Bullet Tooth Tony (
Vinnie Jones 
) in seiner ersten Szene gleich mit der Autotür einen Kopf neu modelliert. Das tut er auch in
BDKG am Ende des Filmes. So, aber nun zum Film selbst.
Als erstes werden einmal alle Darsteller durch Standbilder à la
Reservoir Dogs 
vorgestellt. Hier hat der Zuschauer noch keine Ahnung, welche Irrungen und Wirrungen ihn erwarten. Die beiden Grundhandlungsblöcke, die ich im Inhalt schon wiedergegeben habe, verschmelzen im Laufe des Filmes zu einem Ganzen. Kommentiert wird die Handlung von Turkish aus dem Off. Die Szenen laufen mit einer Rasanz ab, dass man sich den Film noch einmal anschauen muss, um alles mitzukriegen. Ritchie bedient sich zur Verstärkung dieses Effekts der Technik des extrem schnellen Schnittes kurzer Szenen, die gleichzeitig auch noch schnell vorgespult werden. So kündigt Cousin Avi (genial:
Dennis Farina 
) seinen sofortigen Besuch in London an, worauf die Kamera auf ihn schneidet, wie er im Flugzeug sein Schnäpschen trinkt, während das Flugzeug abhebt, der Pass gestempelt wird und das Taxi in London stehen bleibt. So steht Avi drei Filmsekunden nach seiner Ankündigung schon in der Tür von Doug The Head. Ritchie wiederholt diesen Effekt noch zweimal, wobei das letzte Mal Teil des wirklich guten Schlussgags ist.
Bei den Kampfszenen mit dem völlig unverständlichen (wörtlich) Brad Pitt werden sich viele an
Matrix zurückerinnert fühlen. Zwar wird hier nicht das Prinzip der Bullet-Time kopiert, jedoch wird besonders der letzte Kampf durch Zeitlupen und Standbilder unterbrochen, was extrem cool aussieht. Was die Technik und Optik von
Snatch betrifft, dürfte Ritchie ganz klare Vorstellungen davon haben, was er will. Außerdem ist das Bild selbst sehr körnig und in starken Brauntönen gehalten.
Eine zweite kleine Hommage an
Tarantino 
ist ein Teil des Filmes, in dem eine Szene hintereinander aus drei verschiedenen Blickwinkeln (
Jackie Brown 
) der Akteure gezeigt wird. Die Idee ist zwar nicht ganz neu, jedoch atemberaubend umgesetzt.
Snatch steigert sich bis zum Ende in eine Spirale der Gewalt, der erstaunlich viele bekannte Darsteller zum Opfer fallen. Der Regisseur treibt die Handlung immer weiter voran, sodass nie Langeweile aufkommt. Manche Szenen wirken aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger etwas konstruiert. So ist die Szene, in der Cousin Avi aus Versehen Bullet Tooth Tony erschießt, ein bisschen unausgegoren. Das ist aber leicht zu verkraften, da der Film dem Durchschnittsmist der letzten Zeit weit voraus ist.
Da ich alle wirklich gut finde, werde ich auch über die Darsteller ein bisschen schreiben:
Jason Statham alias Turkish ist der eigentliche Hauptdarsteller des Filmes. Alles wird aus seiner Sichtweise erzählt und somit hat er eine ähnliche Rolle wie in
BDKG. Sein Assistent Tommy (Stephen Graham) macht ihm das Leben durch Dummheiten schwer, er rettet ihn aber auch aus so mancher verzwickten Lage. Brad Pitt alias Mickey O’Neill ist der heimliche Star dieses Filmes, da sein Charakter des verwegenen Zigeuners, der tut was er will, doch am meisten Sympathien erntet. Einen der besten Bösewichte der letzten Jahre gibt Alan Ford als Brick Top. Von ihm geht in jeder Szene eine Gefährlichkeit aus, vor der sich sogar Hannibal fürchten würde. Vinnie Jones spielt Bullet Tooth Tony, den Mann für alles. Im Gegensatz zu
BDKG ist diese Rolle etwas sympathischer. So kann er auch sein komödiantisches Talent besser unter Beweis stellen.
Cousin Avi (Dennis Farina) ist wohl eine der coolsten Filmfiguren seit langem. Sein amerikanischer Gangsterboss verkommt zu einer Person, die sich nur über die Engländer aufregt und nebenbei von Bullet Tooth Tonys Arbeit begeistert ist. Im Grunde mault und lobt er in einer Tour. Besonders erwähnenswert sind die drei ungeschickten Räuber Vinnie, Sol und Tyrone, deren Überfall in aberwitzigen Situationen gipfelt. Besonders Vinnie, der seinem Hund ein Quitschespielzeug verfüttert, bringt die anderen beiden oft zur Weißglut. Benicio Del Toro hat einen eher kurzen, aber umso wichtigeren Auftritt. Schließlich gibt es da noch Boris The Blade, ein Psychopath der Sonderklasse, hervorragend gespielt von Rade Serbedzija.
Fazit: Snatch ist ein irrwitziger Spaß, der niemanden kalt lässt. Ein Spitzenfilm.