Béla Tarrs Werckmeister Harmonies zwar nicht die epochale Schräglage seines 7 1/4-Stunden-Meisterwerks Satantango erreicht, aber die Brillanz des bei uns sträflich vernachlässigten Ungarn als singulärer Stilist beweist. Lars Rudolph taumelt durchs postkommunistische Niemandsland, wo Tarrs gemessen kreisende Kamera in langen Einstellungen Resignation und Aufruhr in desolatem, perfekt komponierten Schwarzweiß verzeichnet. Ein neppender Wanderzirkus kommt ins Dorf und löst die Katastrophe aus, die vorher schon über der unseligen Vergeblichkeit hing. Auch wenn der Film vor der Mitte aus der rhythmischen Präzision kippt, die den Vorgänger trotz epischster Länge eine hypnotische Sogwirkung erreichen ließ, gelingen Tarr noch immer atemberaubende Momente: Ein blockierter Lynchmob kapituliert angesichts eines gerippigen, alten Mannes, ein gestrandeter Wal versinkt im Dunst des Dorfplatzes, selbst die Zubereitung von fadem Büchsenessen gerät zur musikalischen Klirr- und Knarzorgie von Topf und Besteck. |