Man könnte nur am Cast erraten, dass es sich hier um einen Film von
Robert Rodriguez 
handelt.
Antonio Banderas 
,
Cheech Marin 
,
Danny Trejo 
und schließlich auch
George Clooney 
in einer Mini-Rolle sind die einzigen Überbleibsel aus den ach so glorreichen Independent-Filmen des texanischen Regisseurs, der nach
"The Faculty
" nun schon den zweiten Kommerzfilm nachschiebt.
Man kann
"Spy Kids
" nun aus zwei Blickwinkeln betrachten. Die Befürworter dieses Filmes würden die geniale Optik, die tollen Erfindungen und das hohe Tempo des Filmes loben; die Raunzer hätten eher etwas dagegen, dass
Rodriguez 
hier ein Kaugummi-Set von
Jeunets
Die Stadt der verlorenen Kinder und allen
Terry Gilliam 
-Filmen nachbildet, das Tempo so stark anheizt, dass es doch etwas zu schnell geht und Computereffekte einsetzt, die zeitweise wirklich schlecht sind.
Ich würde mich in der goldenen Mitte positionieren. Der Film beginnt mit furiosen 15 Minuten, in denen das Kennenlernen der beiden Spionageeltern geschildert und das Alltagsleben der beiden Kinder durchleuchtet wird. Hier geht die Post ab. Mit viel Witz erklärt
Rodriguez 
die Verhältnisse der Charaktere. Mit der Auftragserteilung geht’s dann aber mM nach ein bisschen bergab, wobei die Qualität indirekt proportional zum Tempo um einiges abnimmt. Die Kinder necken sich, finden Superwaffen und bekämpfen damit die Bösewichte (wäre auch eine Zusammenfassung). Das es hier keine logischen Zusammenhänge gibt, ist klar, jedoch schadet dieser irrwitzige Speed dem Film, da der Regisseur von einer Szene zur nächsten hetzt, ohne sich wirklich mit etwas näher zu befassen. Es kommt nie ein Gefühl für einen roten Faden auf, ein blöder Gag reiht sich an einen Guten, und tolle Actionszenen werden von schlechten abgelöst. Rodriguez findet einfach nicht ganz zu einem Stil.
Durchgehend gut gelungen ist dafür das Set-Design, dass keine Wünsche offen lässt. Comic-hafte Räume, kunterbunte Klamotten, lustige Waffen und ziemlich schräge Helferchen der Bösewichte lassen den Zuschauer hier und da wirklich staunen. Besonders eigenartig sind dabei die Thumb-Thumbs, die nur aus Daumen bestehen und sich auch dementsprechend ungeschickt verhalten. Auch die verwandelten Agenten flössen einem einen leichten Schauer ein, da sie ziemlich abgefahren aussehen.
Jeanette Scott, die schon bei
"The Faculty
" für das Set-Design zuständig war, leistet hier ganze Arbeit.
Ein richtig dickes Plus ist natürlich die Besetzung. Vorne weg die beiden Kinder, die ihren erwachsenen Kollegen hier und da schon einmal die Schau stehlen. Dann die beiden Bösen.
Alan Cumming 
, der nervige Boris Grischenko aus
"Golden Eye
", verkörpert den Kindershowmaster Fegan Floop wirklich überzeugend und
Tony Shalhoub 
(mit Brille zuerst gar nicht wiederzuerkennen) gibt mit seinem Anzug wohl einen modernen Dr. No, der am Ende zwangsläufig viele seiner Gesichter zeigt.
Teri Hatcher 
hat leider nur kurze Auftritte und dasselbe gilt auch für den grandiosen
Robert Patrick 
, der den Oberauftraggeber Mr. Lisp spielt. Alleine schon eine Bank sind natürlich die Auftritte der Stars des härteren Genres in einem Kinderfilm wie
"Spy Kids
". Wer hätte schon von
Danny Trejo 
erwartet, dass er am Ende seinem Bruder tränenüberströmt in den Armen liegt oder das
Cheech Marin 
den „netten“ Onkel der Familie Cortez mimt.
Carla Gugino 
als Ingrid ist eine nette Abwechslung zu den schon bekannten Gesichtern Hollywoods, obwohl sie eigentlich schon lange im Geschäft ist.
Schließlich muss man sagen, dass
"Spy Kids
" kein Superhit ist. Er wirkt etwas blutleer und manchmal schlecht durchdacht. Trotzdem macht der Film Spaß, da einige Gags zünden und die Schauspieler sichtlich mit Freude an der Arbeit sind.
Fazit: Gut, aber nur knapp am Durchschnitt vorbei.