Der Musical-Boom im Kino hält an und treibt seltsame Blüten: Nach
Woody Allen 
(
"Everyone says I love you
") oder
Alain Resnais mit seinem
On connaît la chanson versucht sich nun auch
Baz Luhrmann 
in diesem Fach.
Laut, schrill, schnell - so lässt sich sein Film mit wenigen Worten umschreiben. Bilder und Musik brechen regelrecht über den Zuschauer herein und es bleibt wenig Zeit, darüber nachzudenken, was man von diesem Orkan halten soll, bis am Ende des Films ein seltsam schaler Nachgeschmack übrig bleibt.
Baz Luhrmann benützt schnelle Schnitte, rasante Kamerafahrten und bunte Bilder, um die Geschichte von der Kurtisane und dem armen Schriftsteller zu erzählen, und er spricht damit wahrscheinlich vor allem die junge MTV-Generation an, die an derartige Reizüberflutungen gewöhnt ist.
Was ist von einem Film zu halten, bei dem alles aufgesetzt und unecht wirkt, von der - zugegebenermaßen bewusst - stilisierten Kulisse bis zu seinen übertrieben agierenden Darstellern? Mag schon sein, dass Luhrmann all dies so geplant hat. Das macht die Sache aber nicht besser.
Eine erschreckend magere
Nicole Kidman 
singt sich die Seele aus dem Leib und tut ihr Bestes, um dem Film einen Hauch von Ernsthaftigkeit zu geben. Es misslingt.
Auch
Ewan McGregor 
, gutaussehend mit ungewohnt dunklen Haaren, wartet mit einer erstaunlich guten Stimme auf. Auch das ist zuwenig.
Die zwei sind allerdings das einzige, das an diesem Film positiv auffällt - ausgenommen vielleicht die kraftvolle Tango-Szene, die von Stings "Roxanne", gesungen von
Jacek Koman mit unglaublich animalischer Stimme, begleitet wird.
Die Story ist sowieso lachhaft (nicht wirklich originell: die todkranke Protagonistin leidet an Schwindsucht!) - und wen bitte interessiert ein narkoleptischer Argentinier?
Mehr noch als in Luhrmanns ersten beiden Filmen
Strictly Ballroom und
Romeo + Julia spielt die Musik in diesem Film die Hauptrolle:
Originell immerhin die Idee, aktuelle Songs in eine Geschichte, die um 1900 in Paris spielt, einfließen zu lassen, die noch dazu quasi das Drehbuch ersetzen. Ganz neu ist die Idee allerdings auch nicht: in der großen Zeit des Hollywood-Musicals war es üblich, aktuelle Musik in historische Stoffe einzubetten.
Jedenfalls hat Luhrmann auch diese, an sich gute Idee, überstrapaziert.
Lieber sehe ich mir die falsch singende Julia Roberts in Woody Allens sympathischen Musical
"Everyone says I love you
" an!
Man kann Baz Luhrmann eine gewisse innovative Ader nicht absprechen. Und trotzdem halte ich diesen Film für misslungen.
Fazit: eine Mischung aus Märchen und Comic Strip, die keinen Spielraum für eigene Phantasie übrig lässt. Das ist nicht mehr Kino, sondern eine Überreizung der Sinne.