23 Jahre liegt es mittlerweile zurück, dass furchtlose Astronauten unter der Führung
Charlton Hestons 
- der uns auch diesmal in einem launischen Cameo begegnet, doch dazu später - Bekanntschaft mit den menschenähnlichen Affen machen durften, die auf ihrem Planeten ein Terrorregime, das die Unterdrückung der Menschen proklamierte, errichteten. Seither hat sich vieles geändert: Gorillamamas stellen auf der Erde ihre Gemälde unter der Ovation selbsternannter Kunstkenner in Vernissagen aus,
Tim Burton 
hat mit
"Mars Attacks !
" dem SciFi-Film seinen Anspruch auf Seriosität entrissen und
Charlton Heston 
ist alt geworden. Faktoren, die allesamt in dieses bereits im Vorfeld ungerechterweise von Kritikern zerfetzten Remake, das eigentlich gar keines sein will, einflossen.
Immerhin: Im Jahr 2029 lenken Affen schon selbständig Raumkapseln. Dumm, wenn selbige nicht mehr zurückkehren und im elektromagnetischen Sturm verschwinden. Mit Trommeln, Panflöte und hastigem Streicher-Tremolo weist uns Elfman eindringlich und demonstrativ den Weg ins Ungewisse, den
Wahlberg 
später als Leo Davidson, ein rebellischer und eigensinniger Jungspund, gehen wird. "Lose, again", sagt Davidson am Anfang zu seinem Lieblingsaffen, der soeben an einem Testflug gescheitert ist - in machtbewusster Überheblichkeit.
Ein paar Momente und das Ungleichgewicht der Macht schlägt zugunsten der haarigen Primaten aus. Vom klinisch reinen Inneren des US-Raumschiffs Oberon ist es nur ein kurzer Weg nach Ape City. Kaum gelandet, drückt Burton auf die Temposchraube, lässt generös Stuntmen und Effekte durcheinanderwirbeln, um uns sodann in ein deutlich verlangsamtes Umfeld einer primitiven Kultur zu entführen. Bereits in der architektonisch an eine mittelalterliche Ritterfestung, die um einen steilen, kahlen Berg angelegt ist, erinnernden Stadt regieren Couleur und Style. Burtons Affen sind
Spiegelbilder einer
steinzeitlichen Kommune, gekleidet in derben, rohen Fellen, die Stadt wiederum ist als dichte, an italienischen Vorbildern orientierte Aneinanderreihung von Backsteinbauten, die von Kerzenlicht erhellt werden, konzipiert.
br>
Doch die Verhaltensweisen der Affen haben sich im Gegensatz zu ihrer
architektonischen Märchenwelt nur an der Oberfläche zivilisiert. Instinktiv widmen sie sich alltäglichen Verhaltensweisen des täglichen Lebens: Die Kinder spielen Ball, Straßenmusikanten beleben das finstere Umfeld - Burton hantiert hier wie so oft in seinen Vorgängerwerken mit Licht und Schatten - , kiffende und saufende Anthropoiden geben sich den Freuden des Lebens hin. Was als
Seitenhieb auf die im Urzustand verharrende
menschliche Sozietät seine Wirkung nicht verfehlt, wird in doppelter Intensität in einer der beiden kraftvollsten Szenen auf die Spitze getrieben: Im Haus des Senators, in denen Davidson und seine Leidensgenossen kurzerhand als Sklaven eingestellt werden, findet ein vornehmer Empfang statt. Gorillas, Schimpansen, Orang-Utans der Oberschicht, in Begleitung ihrer modebewussten Frauen geben sich die Ehre - hier setzt der Regisseur anders als im Freien auf kräftige, helle Farben bei den mit Ornamenten verzierten Trachten; nach oberflächlichem Geplänkel ("Wash your hands before dinner") kommt man zur Sache: Wie kann man sich der Bürde Mensch am schnellsten entledigen? Gewalt? Zu mühsam. Sterilisation? Zu teuer. Außerdem verbreiten die Humanoiden zu schnell Krankheiten... Am grünen Tisch zwischen Wetter und Friseur wird also über das Schicksal einer Volksgruppe entschieden. Nur unter umgekehrten Vorzeichen.
Mangelnde Diskussionskultur wird durch pure
Gewalt kompensiert, so als der kompromisslose General Thade - eine auf
Tim Roth 
perfekt zugeschnittene Figur - Davidson den Mund brutal aufreißt, mit den Worten: "Is there a soul in there?". Danach begibt man sich zum Tischgebet.
Diametral zu Orwells Revolutionsroman
"Animal Farm
" sind es in Boulles Werk Menschen, die sich gegen die auf Gewalt und Unterdrückung bauende Staatsgewalt einer fremden Spezies auflehnen. Doch was Burton scheinbar als Pervertierung eines Ist-Zustandes unserer Gesellschaft konstruiert, ist in Wahrheit selbst die
Folge einer Revolution. Als Thade seinen Vater -
Charlton Heston 
erlebt ein stolzes 2-Minuten Comeback - am Sterbebett ein letztes Mal aufsucht, eröffnet dieser ihm ein Geheimnis: "In a time before times we were the slaves and the humans were the masters". Daraufhin, als Beleg seiner Aussage, zerschlägt sein Sohn ein Gefäß mit einer Pistole darin; was Burton reizte, den bekennenden Waffenlobbyisten und NRA-Mitglied Heston zu folgender zukunftspessimistischer Aussage zu animieren, "This is the proof of their power, power of invention, power of technology", um danach das Zeitliche zu segnen. Ein Schauspieler als Gefangener seiner eigenen politischen Konfession. Selten hat ein Regisseur eine derart
schlagkräftige Spitze an das System ausgegeben.
Nicht zuletzt entwickelt
Planet der Affen in jenem Zustand eine
schaurig düstere Intensität, die vor allem dem effizienten Spiel Hestons zu verdanken ist. Was dem Urgestein in wenigen Sekunden Leinwandpräsenz gelingt, vermag den übrigen Mimen nur vereinzelt vom Gesicht zu gehen. Zu
eindimensional und vereinzelt
unterentwickelt sind die
Charaktere im Skript von William Broyles Jr., Lawrence Konner und Mark Rosenthal. Gerade mal
Wahlberg 
schafft es, Schwung in die ansonsten müde Kompanie zu bringen,
Helena Bonham Carter 
agiert oft sogar um eine Spur zu dezent, während die Frage, ob
Estella Warren 
wirklich schauspielern kann oder ihr Auftritt - kurzbeschürzt mit entsprechendem Ausschnitt - nur ein Eingeständnis der Produktionsfirma an jugendliche Hormonbrummer ist, unbeantwortet bleibt. Da hilft schließlich auch
Rick Bakers erstaunliches (oscarerprobtes) Make up nicht mehr.
Als Reflex setzt Burton - wie schon in
"Batman
" und
"Edward mit den Scherenhänden
" - während der gesamten Fluchtsequenz auf eine
fesselnde Bilderflut, die sich vom grünen Urwald in ein weit gezogenes steinig-sandiges Wüstengemälde (das Terrain, das sich George Lucas in
"Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung
" wohl gewünscht hätte) erstreckt, in dem die Mehrheit der menschlichen Bevölkerung lebt. Diese haben sich von der Natur längst absentiert, in gewisser Weise auch emanzipiert. Der wohl gewichtigste Unterschied zwischen beiden Rassen, die Fähigkeit der Menschen, ihren Geist fortzuentwickeln und Neues zu formen, verweist Burton wie so vieles in diesem Film, gleich in die Welt der
Märchen: "A fight we can’t win", zweifelt Davidson angesichts der Überzahl der haarigen Gegner und setzt letztendlich selbst auf pure Gewalt in der Niederschlagung der Obrigkeit, indem er Limbo mit dem Revolver droht.
Ohne Zweifel: Der kalifornische Filmemacher stellt dieselben Fragen wie Schaffner & Co. mehr als 30 Jahre davor. Seine Leistung liegt jedoch darin, die politisch und sozial durchaus diskussionswerten Sujets aufzufrischen und hier Themen wie Rassismus, Intoleranz und dankenswerterweise auch Religion mit der nötigen
Transparenz zu behandeln. Tiere, die Menschen gefangen halten - "Our apes live in zoos", muss der US-Astronaut auf eine Frage der "Menschenrechtsaktivistin" Ari eingestehen - die Weise, wie wir Tiere behandeln, Sklaverei, Unterdrückung, Faschismus usw.
Hollywood-Außenseiter Burton liegen
Antworten für diese Fragen
fern, er lässt die beiden Rassen illusionslos einander die Köpfe einschlagen, um danach Davidsons verlorengeglaubten Schimpansen landen zu lassen.
Trotz aller Komplexität findet die Lösung des Konflikts, die
Assimilation beider Spezies, ihre Klimax in der Begegnung mit dem verloren geglaubten Freund Davidsons. Einer der skurrilsten Momente ist es, als sich die Bewohner des Planeten, ob Mensch, ob Affe, naiv-gläubig auf den Boden werfen, um dem erwarteten Erlöser und Messias zu huldigen, "The prophecy is true. Simal has returned." Dies just während der großen Kampfszene, in der der Film kontinuierlich abzuflachen droht und sich Burton der steigenden
Ideenlosigkeit des
Skripts nicht mehr entgegenzustemmen weiß. Umso unverständlicher, warum ein finales Duell zwischen den Anführern, in dem hollywoodbedingt der Affenleader Thade den Kürzeren zieht und im Raumschiff zum eingesperrten Zoo-Affen wird, den überheblich-sakralen Hauch dieses Moments demolieren muss. Auch der kitschige Abschied Davidsons hat eher dehnende denn narrative Wirkung.
Freilich, das
finale furioso, das hier nicht verraten werden soll, zeigt Meister Burton in seinem (ureigensten) Element. Eine Brise schwarzen Humors, die man sich vielleicht sogar öfter erwartet hätte, beschließt diese vor allem visuell kraftvolle Reinterpretation (ein Terminus, den der Regisseur selbst vorgegeben hat) dieses Klassikers.