P.T. Andersons Erstling beinhaltet schon einige seiner später in
"Boogie Nights
" und
"Magnolia
" praktizierten Stile, die viele gut, andere aber als sehr prätentiös empfinden. In
Last Exit Reno bemerkt man schon Andersons Liebe zu langen Einstellungen und Szenen, die meist von Banalem handeln, durch die Inszenierung aber zu etwas Großem aufgebauscht werden. Alles dreht sich um Sydney, wobei schwer zu übersehen ist, dass Anderson seinem Lieblingsschauspieler
Philip Baker Hall 
mit dieser Rolle ein Denkmal setzen wollte. Darunter leidet dann aber gehörig die Story.
Der Film beginnt ziemlich flott. Sydney gabelt den jungen Mann auf und bringt ihm ein paar Tricks des Geschäfts bei. Für den Zuschauer ist es natürlich interessant, die Kniffe der Spieler ein bisschen kennen zu lernen. Sobald dann aber die obligatorische "1 Jahr später"-Einblendung erscheint, verliert
Last Exit Reno gehörig an Fahrt. Immer wartet man auf etwas Besonderes, Großes, dass der Regisseur durch seine bedeutungsschwangere Inszenierung ankündigt. Die Auflösung des großen Rätsels über die Beziehung zwischen Sydney und John ist dann recht simpel und erzeugt auch keinerlei Spannung (irgendwie dann doch realitätsnah).
Zu Gute halten muss man dem Film aber, dass er nicht um jeden Preis
"Goodfellas
" oder
"Casino
" sein will, wie es am Anfang zu sein scheint. Er orientiert sich eher an der simplen Story, die ein Stück Lebensweg zweier Menschen zeigt, die einen nicht alltäglichen Job haben. Dabei muss eine Frau wieder einmal als Unruhestifterin einer tollen Männerbeziehung herhalten. Somit ist
Last Exit Reno der 5678ste Film, der dieses Thema behandelt.
Die Schauspieler agieren ziemlich routiniert und besonders Philip Baker Hall dankt dem jungen Regisseur für die auf ihn zugeschnittene Rolle des Sydney. John C. Reilly geht einem zwischendurch mit seiner Darstellung des naiven und etwas doofen John auf die Nerven, wobei man über Gwyneth Paltrow schon gar nichts mehr sagen muss. Ich will mich ja nicht an der Hetzjagd gegen ihre Person beteiligen, aber es scheint schon egal zu sein, wie und was sie spielt, es geht einem nur auf den Wecker. In kleinen aber feinen Rollen sieht man noch
Samuel L. Jackson 
und
Philip Seymour Hoffman 
, wobei letzterer neben P.B. Hall und J.C. Reilly zur Stammbesetzung in Andersons Filmen gehört.
Fazit: Guter Beginn, dann aber stetiges Abflachen der Spannungskurve.