Sean Penn 
ist noch sehr jung und hat schon ein bewegtes Leben hinter sich. Belächelt für die Ehe mit
Madonna, sich langsam als Schauspieler hocharbeitend und schließlich beim Regiestuhl angekommen, ist der sanfte Rebell heute "Everybody’s Darling". Und das hat seinen Grund. Penn hat sich nicht zuletzt durch seine Rolle in
"Dead Man Walking
" als Charakterschauspieler etabliert und Anerkennung mit seinen Filmen
Indian Runner und
Crossing Guard geerntet. Und besonders Letzterer ist nicht nur durch den Schauspieler
Jack Nicholson 
mit
"Das Versprechen
" zu vergleichen. Wie in seinem letzten Film handelt diese Dürrenmatt-Verfilmung von Rache und von Menschen, die auf irgendeine Weise nicht mehr mit ihrem Leben klar kommen. In Sean Penn-Filmen wird Humor nicht gerade groß geschrieben. Vielmehr geht es um tiefgründige Aufarbeitungen von Traumata und schweren Lebenskrisen.
Penns Stil ist ein sehr ruhiger und langsamer. Wer Action und schnelle Schnitte liebt, sollte
Das Versprechen nicht besuchen. Hier werden die Rollen ausgelotet, wobei Nicholsons Charakter natürlich der Vorzug gegeben wird. Er dankt dies auch mit eher zurückhaltenderem Spiel, wodurch er sich ja sonst nicht wirklich auszeichnet. Auch die Kurz- und Cameoauftritte sind bis in die allerkleinste Rolle mit bekannten Stars besetzt. Scheinbar übernimmt Penn den Platz
Woody Allens im Regiezirkel, bei dem sich ja auch jeder um eine Rolle reißt und auf Gagen weitgehend verzichtet.
Wie gesagt: Penn lässt sich Zeit. Die Story wird langsam, aber stetig nach vorne gebracht. Im Mittelteil gibt es zwar einige längere Passagen, in denen nicht viel passiert, jedoch haben auch diese ihre Wichtigkeit, da sie entweder der Charakter- oder Beziehungszeichnung oder der Geschichte dienlich sind. Ich werde nicht viel von der Story erzählen, da man den Film selbst erleben sollte. Nur so viel: Der Film beginnt mit dem Ende, was natürlich heutzutage nichts Außergewöhnliches ist, Sean Penn besitzt jedoch das Talent, zu diesem Ende hin den Spannungsbogen immer größer werden zu lassen, sodass man im Kino sitzt, und unbedingt wissen will, wie es zu diesem Schluss kommt. Eben dieser Schluss wird für viele unbefriedigend sein, da er alles zerstört, was im Verlauf des Filmes akribisch aufgebaut wird. Trotzdem regt er zum Nachdenken an, so wie der ganze Film.
Das Versprechen ist einer dieser (wenigen) Filme, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Penn kann durch wenige Einstellungen Situationen beschreiben, für die andere Regisseure eine halbe Stunde Handlung mit Off-Stimme benötigen. Die Schauspieler machen ihre Sache gut und Bilder und Musik bilden eine perfekte melancholische Einheit. Wer also einen der wenigen anspruchsvollen Filme aus Amerika sehen will, der darf
Das Versprechen nicht verpassen.
Fazit: Einer der besten Filme des Jahres.