The Others ist das, was Kinogänger älterer Jahrgänge mit Sicherheit einen Gruselfilm nennen – und das mit Recht. Keine andere (Pseudo-)Genrebezeichnung könnte den Film treffender beschreiben. Bereits die erste Szene gibt die Linie vor: Grace erwacht schreiend aus einem Alptraum. Während sie sich von ihrem Schock erholt, bewegt sich die gekippte Kamera zurück in die Waagrechte. Was in diesem Film Unbehagen evoziert, bleibt stets eine bedrohliche Vorahnung, flüchtig wie ein Traum.
Grace erzieht ihre Kinder nach streng religiösen Richtlinien. Für das Verhalten im Haus gelten nicht weniger strenge Regeln: Die Vorhänge müssen stets zugezogen sein; wenn jemand eine Tür öffnet, müssen alle anderen geschlossen sein. Nur so kann vermieden werden, dass den lichtempfindlichen Kindern Leid beigefügt wird. Die Kinder selbst sind, trotz Krankheit und dominanter Mutter, recht aufgeweckt. Vor allem das Mädchen, Anne
Alakina Mann, misstraut jeglichen Vorgaben und erzählt ihrem ängstlichen kleinen Bruder mit Vorliebe Schauermärchen. Dabei bleibt es anfangs unklar, ob sie nun wirklich Märchen oder eigene Erfahrungen wiedergibt. Den Hinweis ihrer Mutter, dass es sich bei den von ihr bevorzugten Gruselgeschichten um „rubbish“ handle, weist sie mit der Begründung, dass sie ja schließlich an die Bibel auch zu glauben habe, zurück. Die keine Alakina Mann erbringt dabei eine Schauspielerische Leistung, die nicht selten an
Linda Blair 
aus
William Friedkins
"Der Exorzist
" erinnert. Auch für die Besetzung
James Bentleys, in der Rolle des ängstlichen Nicholas, kann man, nicht zuletzt aufgrund des
Haley Joel Osment 
Überangebots der jüngeren amerikanischen Kinovergangenheit, dankbar sein. Die Rolle der Mutter selbst steht, zumindest teilweise, in der Tradition eines Good-Bad-Girls. Alleine muss sie gegenüber einer bedrohlichen Umwelt bestehen. Oft bleibt dabei unklar, von welchen Intentionen sie sich getrieben sieht.
„The only thing that changes here is the Light“, spricht sie eines Abends zu ihrer Angestellten. Thematisch ist es das Licht des Lebens, das den Film beherrscht. Wenn Graces Ehemann
Christopher Ecclestone von der Front zurückkehrt, weiß man schon bevor sein fehlendes Spiegelbild wohl etwas zu deutlich darauf hinweist, dass hier ein Toter von seiner Familie Abschied nimmt.
Wirklichen Greuel, so schrieb Kracauer, könne man nur dann erfahren, wenn man Bilder von ihm betrachtet, die seine wahre Erscheinung reproduzieren. Eines Tages findet Grace ein altes Fotoalbum. Es beinhaltet ausschließlich Fotos von Toten; aufgenommen direkt nach deren Ableben. Es ist dies die einzige Szene des Filmes, welche die Bedrohung der Familie zeigt: Das reproduzierte Abbild der Toten. Verdrängt ins Off, bleibt die Ursache der Verängstigung allerdings auch während des übrigen Films spürbar: Direkt hinter den Porträts der irritierten Protagonisten beginnt die Unschärfe; die räumliche Tiefe der Bildfläche weicht einer nicht klar auszumachenden Bedrohung. Immer dann, wenn „die Anderen“ wieder auf sich aufmerksam machen.
Die Kameraarbeit des Spaniers
Javier Aguirresarobe 
zählt, gemeinsam mit dem von Amenábar selbst komponierten Score, zu den wesentlichsten Faktoren der stetig düsteren Grundstimmung. Das bedrohlich wirkende Haus, mitsamt Inventar, wird dabei als eigener Charakter inszeniert. Wenn Türen sich von alleine schließen, Luster wackeln und Klaviere selbständig spielen, scheinen die Grenzen zwischen Schauplatz und Schauspiel zu verschwimmen. Möglicher Weise sind es aber doch „die Anderen“, die für all das verantwortlich zeichnen, denn: „Sometimes, the world of the dead gets mixed up with the world of the living“, erklärt die Haushälterin, Mrs. Mills,
Fionnula Flanagan eines Abends ihrer Herrin. Ein Satz programmatisch für den ganzen Film – den Gruselfilm, wohl gemerkt!