Noch einmal, wie in einer früheren Arbeit, macht sich Naomi Kawase  , die mit Moe no Suzaku wie aus dem Nichts in den Ruhm der Festival-Filmzirkel vorstieß, auf die Spurensuche nach dem Vater, den sie als Kind nie kannte. Jetzt ist er bereits tot – und Kawases fragiles, unendlich schönes Video gerät zur Arbeit über Schmerz und Erinnerung. In poetischer Montage folgt sie ihrer Familie, ihren früheren Filmen, ihren (durchaus dünkelhaften) Selbstzweifeln – und findet zwischen den vergänglichen Erscheinungen des Menschen nur die Beständigkeit der Elemente (der Titel bedeutet soviel wie: Der Himmel, der Wind, das Wasser, das Feuer, die Erde). So gesehen ist es nur konsequent, dass sie sich in den Schmerz in den eignen Körper einschreiben lassen will: Eine Tätowierung soll ewig an den Vater erinnern. Die zweite Hälfte dieses 50minütigen Videos, nicht weniger faszinierend, befremdlich, komisch und bewegend als die erste, besteht eigentlich nur aus einer Diskussion mit dem Betreiber des Tattoo-Shops: Er weist Kawase darauf hin, dass die Tätowierung ihren sozialen Ruin bedeuten würde (nur Yakuza lassen sich in Japan großflächig tätowieren – das Gespräch eröffnet gleichzeitig eine völlig andere Weltsicht als bei uns, wo ein Tattoo ein schickes Accesoire ist und kaum als die Körperverletzung oder –veränderung betrachtet wird, die sie ihn Japan symbolisiert) – und es entspinnt sich eine Unterhaltung darüber, ob (und wie) man im Namen der Kunst Selbstausbeutung und –darstellung betreiben kann/darf/muss (auch der Tätowierer versteht sich als Künstler). Am Schluss bleibt alles in der Schwebe: Man sieht Kawase, nackt, mit einem riesigen Tattoo (dessen Echtheit fraglich bleibt) auf dem Rücken, zwischen Erde und Himmel von der Kamera weglaufen, einem Sonnenuntergang zu – und wer nicht sprachlos ist angesichts der Schönheit und Vieldeutigkeit dieses Bilds, in dessen Brust schlägt kein menschliches Herz, sondern ein Klumpen altes, ranziges Fett. |