Nach 25 Jahren verheißt die Star-Wars-Anfangssequenz - von der Fox-Fanfare bis zum Logo - noch immer "Hier kommt etwas, das größer sein will als alles andere". So schlecht konnte Episode 1 - Die dunkle Bedrohung gar nicht ausfallen, dass die Erwartungshaltung gegenüber Teil 2 nicht wieder extrem hoch war. Und tatsächlich scheint
George Lucas 
einige Kritikpunkte beherzigt zu haben, die durch Medien und Fankreise kursierten: Episode 2 - Angriff der Klonkrieger ist nicht nur aufgrund der Geschichte dünkler geworden. Ein wichtiger Vorteil bei Nacht- und Schattenszenen ist, dass die Spezialeffekte nicht so auffallen - man erinnere sich nur an die sonnige Schlacht auf der golfplatzmäßig getrimmten Naboo-Wiese. Natürlich verbesserten sich auch die Computerleistungen selbst während der letzten drei Jahre, so dass es keine einzelne Szene gibt, von der man sagen könnte, dass hier Ränder oder gar Pixel unangenehm herausstechen. Auch die Digitalkameras, die
Lucas 
statt den normalen 35mm-Geräten verwendete, liefern saubere Bilder ab.
Technisch bleibt die Star-Wars-Welt also wie gehabt: so gut, wie es auf dem aktuellen Stand möglich ist. Anders bei der Story: Die geradlinige Handlung des Vorgängers macht einer etwas abwechslungsreicheren Struktur Platz: Hier Anakin und Padme auf ihrer Reise, dort Obi-Wan Kenobi und vereinzelt auch Szenen, die nur das Schicksal der Republik und des Jedi-Rates betreffen. Wie
Lucas 
schon selbst bekannt gab, soll sich in den drei Prequels eine Entwicklung vollziehen, die mit dem Alter der Zuschauer einher geht. Deswegen kann man Episode 1 ruhig als "Fast-Kinderfilm" bezeichnen, während Episode 2 reifer, "jugendlich" wirkt. Hier mischt sich die Liebe ein, aber auch viele Elemente, die aus Videospielen gegriffen sein könnten: Die Action-Szene in der Roboterfabrik wäre eines Jump-and-Runs würdig, und Konsolen-Fans könnten sich dabei ertappen, dass sie nach der Punkte-Anzeige suchen. Selbst für Jugendliche müssen die Kniffe, die benutzt werden, aber zu durchschaubar wirken: Würde man nicht von einer galaktischen Senatorin, die von einem überhaupt nicht weltgewandten Krieger über die Vorzüge der Diktatur aufgeklärt wird, erwarten, dass sie ihm die Leviten liest, anstatt herzlich mit ihm zu lachen? Oder: Warum hat Padme, wenn sie schon ihre Gefühle gegenüber Anakin unterdrücken will, dann ein enges, extra aufreizendes Lederkleid an, wenn sie sagt, dass zwischen ihr und dem jungen Jedi nichts sein darf? -
Lucas 
hat die Geschichten schon immer einfach gehalten, und hier stolpert er mehrfach über seine gewollte Opulenz.
Stichtwort Opulenz: Großartiges wurde von den Kostüm-Designern geleistet, nicht nur, was
Natalie Portmans 
unterschiedliche, diverse Modestile überspannende Garderoben betrifft. Genau wie die Kleidung vereint auch die Ausstattung diverse Epochen, nähert sich aber dem Design der ersten Trilogie an. So wird das aus der Dunklen Bedrohung bekannte Gemisch, in dem sich bevorzugt Einflüsse aus 30ern und 50ern fanden, Richtung 60er erweitert. Am deutlichsten ist das bei der "Hippie-Kommune" der Familie Lars (richtig: Owen und Beru aus Episode 4 als junges Paar!) sichtbar, wo sich Padme dann auch ein Sonnenkinder-Kleid gönnt. Auch ein wenig Renaissance ist zu sehen, vor allem am prächtigen Kragen von Senator Bail Organa (
Jimmy Smits 
), der sicher noch in Episode 3 eine wichtige Rolle spielen wird. Aber sogar in die Antike geht der Kunstgriff der Requisiteure, wenn sie den Klonenkriegern ihre Helme verpassen.
Eine ebenso bunte Palette versuchte
George Lucas 
bei den Charakterzügen der einzelnen Rollen zu finden. Vor allem näherte er die Jedis den japanischen Samurai an. Es ist nicht nur die Art, wie
Samuel L. Jackson 
auf einen Sitz niedergleitet: In der zentralen Szene des Films wird
Hayden Christensen 
alias Anakin Skywalker sichtbar zu einem Ronin, einem herrenlosen Samurai, der sich genauso geschmeidig, grimmig und tödlich bewegt, wie man es aus etlichen japanischen Arbeiten kennt. Und gerade hier setzt
John Williams 
wieder mit dem "Imperialen Marsch" ein. Der Haus- und Hofkomponist von
Spielberg 
und
Lucas 
schafft mit etlichen aus den anderen Teilen bekannten Stücken Verbindungen und lässt mit seiner Untermalung klar erkennen, was gerade los ist. Neu im Programm erhält das "Across the Stars" betitelte Liebes-Thema eine zentrale Bedeutung. In ein paar Jahren wird man, genau wie bei "Duel of the Fates", wissen, dass bei diesem Stück von Episode 2 die Rede ist. Mehr wollte
Williams 
anscheinend nicht, aber der Hang zum Thematisieren ist schließlich sein Markenzeichen.
In der Rangfolge der Wichtigkeit seiner Elemente kommen bei Episode 2 erst jetzt die Schauspieler. Die meisten von ihnen waren schon im Vorgänger dabei, viele von ihnen nur als Staffage. Und obwohl
Ewan McGregor 
als Erster im Abspann erwähnt wird, bekommt man deutlich das Gefühl vermittelt, dass er nur die zweite Geige spielt. Am meisten Aufmerksamkeit wird
Hayden Christensen 
gewidmet, der Anakins langsame Wandlung, seine Sturheit und sein Ego so gut vermitteln kann wie es das Drehbuch zulässt. Der Leinwandpräsenz von
Natalie Portman 
hat er aber nichts entgegenzusetzen. Sie trägt einen großen Teil des Films allein mit ihrer Ausstrahlung, und nichts ist an ihr zu bemäkeln, außer dass es leicht seltsam wirkt, wenn sie mit Waffen herumfuchtelt. Noch zwei andere machen das Beste aus ihren Rollen:
Christopher Lee 
als zwielichtiger Count Dooku bastelt weiter an seinem Denkmal und
Samuel L. Jackson 
als Jedi-Meister Mace Windu transferiert seine Coolness nach Coruscant: Jede Szene mit einem von ihnen ist auf ihre Weise aufregend geworden. Leider musste
Frank Oz 
nun vollkommen der Computertechnik weichen und darf den Yoda nur noch sprechen. Das macht den Meister aller Jedis zwar zu einer reinen Actionfigur, aber wie man an einer eindrucksvollen Kampfszene sehen kann, zu einer guten.
Wo liegt aber bei all diesen Einzelteilen die Summe des Ganzen, wo ist der Film einzuordnen? Zwei bisherige Star-Wars-Teile stehen mit Angriff der Klonkrieger in besonderem Naheverhältnis: Die dunkle Bedrohung und Das Imperium schlägt zurück - letzteres klarerweise, weil auch dieser Film der Mittelteil seiner Trilogie war. Es finden sich viele offensichtliche Parallelen, die die Verwandtschaft untermauern, obwohl sich dabei auch die Grenzen Episode 2 am deutlichsten zeigen:
George Lucas 
schafft es auch im zweiten Anlauf nicht, Charaktere zu zeigen, mit denen man mitfiebert, -leidet und -lacht. - Apropos Lachkrampf: Glücklicherweise wurde das Übel Jar-Jar Binks auf ein Mindestmaß zusammen gestutzt.
Es fehlt also das Gefühl, das bei der ersten Trilogie aufkam, das sie zu einer wirklichen "Saga" machte: Episode 2 - Angriff der Klonkrieger ist temporeich, effektvoll und fügt zahlreiche Handlungsfäden - wie z.B. die Vorgeschichte von Boba Fett - dem Gesamtkonstrukt hinzu. Insofern ist das Werk also um einiges besser als Episode 1. Attraktivität entwickelt der Film aber kaum eigene, sondern zehrt kräftig von den anderen Teilen. Dabei schrammt
Lucas 
noch dazu knapp daran vorbei, Opfer einer Persiflage zu werden: Bei den kugelförmigen Raumschiffen der Handelsföderation - diesmal ohne den Hangar-Ring - müssen Kenner unweigerlich an
Mel Brooks 
´
denken - Nur ein Gedanke am Rande, doch einer, der nicht vernachlässigt werden sollte im Lucas´schen
Universum, das weitgehend von (Selbst-)Zitaten lebt.