Da rennen sie, die "Herren der Welt", die "Unbezwingbaren", die am besten ausgerüsteten und trainierten Soldaten, die die Welt je gesehen hat. Und hinter dem erbärmlich aussehenden, geschlagenen Trüppchen bleiben die siegreichen Einheimischen stehen. Niemand schießt wild vor Freude in die Luft oder hebt drohend die Kalaschnikow.
Jeder weiß, dass
Ridley Scott 
sich nicht damit begnügt, Filme zu machen, sondern Welten erschaffen möchte. Noch dürfte uns dieses Ansinnen gut aus
"Gladiator
" oder
"Alien
" in Erinnerung sein. Für
"Black Hawk Down
" tat er sich mit dem wohl unheiligsten Hollywood-Produzenten,
Jerry Bruckheimer 
, zusammen. Beide sind sie in der Werbefilmbranche verwurzelt und beide inszenieren gern groß und jagen dabei, wenn möglich, etwas in die Luft. Vielleicht kam es ihnen da gerade recht, dass der US-Journalist
Mark Bowden 
für den Philadelphia Enquirer eine 30-teilige Serie geschrieben hatte, die minutiös über die blutige Aktion amerikanische Spezialeinheiten anno 1993 in Somalia berichtete. Auf dieser Vorlage basierend und mit der musikalischen Unterstützung von
Hans Zimmer 
bastelte Scott seinen ersten echten Kriegsfilm (sein Regiedebüt
The Duellists ist vielmehr der Kampf zweier Männer
vor dem Hintergrund der Napoleonischen Kriege), der durch die Augen der teilnehmenden Soldaten den Einsatz nacherzählt.
Zu Anfang, als die Routine, das Lagerleben dargestellt werden, baut
Scott 
eine Stimmung auf, die sehr an Vietnam-Kriegsfilme erinnert: "Der Schmäh rennt", wenn Chopper-Piloten aneinander vorbei patrouillieren; passend dazu Musik von
Elvis Presley 
. Warum wirkt das alles glaubwürdig? Weil die meisten Soldaten, die damals an dem Einsatz beteiligt waren, nicht älter als 25 waren.
Warum wirkt es nicht glaubwürdig? Weil all die Filme, zu denen
Scott 
hier Bezug nimmt, ihre Intentionen im späteren Verlauf preisgegeben haben; Was hier folgt, ist reine Action ohne klare Aussage, durchmischt mit den Emotionen der Amerikaner, als sie merken, was aus ihrer chirurgischen Aktion wurde: Oft sind sie selbst ein Fall für den Chirurgen. Im Hintergrund brodelt die Frage der aufgedrängten Ordnung durch die Amerikaner, gegen die sich die Somalis bis zum letzten Atemzug wehren. Auf der anderen Seite wird wieder einmal ein Feindbild aufgebaut, durch eine einseitige Darstellung des "Feindes". Kein Wort wird verloren, warum sich ein Volk gegen seine "Hilfebringer" stellt, und gerade der Somali, der in Wirklichkeit das Leben eines Amerikaners schützte, wird im Gegensatz zum Buch hier als Geiselnehmer mit fetter Beute dargestellt - Man kann eben einem breiten Publikum nur schwarz und weiß, nur gut und böse bieten; Vielleicht finden sich auch deshalb kaum Afroamerikaner unter den Darstellern, weil deren Hautfarbe schon von den Somalis belegt ist.
Viel erinnert an
Scotts 
großen Hit
"Gladiator
": Der Blaustich der Aufnahmen, die eingestreuten Szenen, die das Tempo nehmen und Kulisse bieten...
Bruckheimers 
Beitrag war wohl der unvermeidliche Schlussmonolog -
"Pearl Harbor
" lässt grüßen - und die Besetzung von
Josh Hartnett 
, der in der Männerriege der heimliche Hauptdarsteller ist. Auch einige andere wurden praktisch nahtlos vom dortigen Set übernommen, namentlich
William Fichtner 
,
Kim Coates,
Ewen Bremner 
und der unverbesserliche Haudegen
Tom Sizemore 
, der zwar eine Präsenz ausübt, die kein anderer erreicht, dafür aber herumsteht, als wolle er unbedingt eine Zielscheibe sein. Völlig richtig besetzt wurden die beiden abzuschießenden Piloten mit dem leider wieder mal zu kurz auftretenden
Jeremy Piven 
und
Ron Eldard 
, der den richtigen Mix aus Verwundung und Mut der Verzweiflung findet - schließlich hat nicht er das Herumgetue um ein Brieftaschenfoto zu verantworten.
Sentimentalität: Leider schmuggelt sie sich immer wieder hinein, nicht nur bei jenem Foto. Glücklicherweise merkt sie immer relativ rasch, dass sie hier nichts verloren hat und wird schnell wieder von der kriegerischen Handlung verdrängt. Und diese lässt nichts zu wünschen übrig: Das realistisch dargebotene Stakkato von MGs, Karabinern, Handfeuerwaffen und Panzerfäusten, das mehr als 100 Minuten währt, wird jeden Kriegsfilmfan begeistern, ebenso wie der Schuss an beißendem Zynismus, der sich darin findet. Die Deutung oder Nicht-Deutung des Films bleibt dabei jedoch jedem offen; Die US-Streitkräfte haben die Realität jedenfalls so beurteilt: Die Aktion forderte schwere Verluste, war aber ein Erfolg...