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1984
Original-Titel: Nineteen Eighty-Four
Land/Jahr: Groß Britannien / 1984
Genre: Science Fiction
Mit: John Hurt .... Winston Smith
Richard Burton .... O´Brien
Suzanna Hamilton .... Julia
Regie: Michael Radford
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    Die vierte Verfilmung des Romanklassikers von George Orwell, unter der Regie Michael Radfords entstand im April 1984 - exakt in der Zeit in der die Handlung spielt. Der Inhalt ist auch heute, 20 Jahre danach, noch höchst aktuell.

    Eine Kritik von Christof Kanitz, 09.01.2005
 
Inhalt
 
 
Das Jahr: 1984. Der Ort: Ozeanien. In diesem totalitären Staat fristet Winston Smith (John Hurt ) sein jämmerliches Dasein, ebenso wie alle seine Mitmenschen. Individualität gibt es nicht mehr und scheint es nie gegeben zu haben, denn alle Geschichtsbücher und Ähnliches werden ständig umgeschrieben wie es gerade notwendig ist. Die Regierung setzt alles daran die vollständige Abhängigkeit jedes einzelnen aufrecht zu erhalten, und zwar in jeglicher Hinsicht. Nahrungs- und Genussmittel, jede Form von Informationen und sogar der Beginn und das Ende der Schlafzeiten werden präzise kontrolliert und manipuliert. Symbolisiert durch den "großen Bruder", personifiziert durch verschiede Überwachungs- und Kontrollministerien und durchgesetzt mittels ständiger Überwachung und verschiedener Polizeieinheiten, lässt die Staatsmacht kein Entkommen zu.

Doch Winston beginnt ein Tagebuch zu schreiben und entwickelt eigene Gedanken, Wünsche und Träume. Diese gipfeln in der verbotenen Liebesbeziehung zu der gleichgesinnten Julia (Suzanna Hamilton ). Scheinbar ist es möglich sich ein kleines Stückchen Menschlichkeit und Hoffnung zu bewahren. Aber in einem Überwachungsstaat gibt es kein Entrinnen; und so geraten beide in die Hände des "Ministeriums für Liebe". Repräsentiert wird dieses durch O´Brien (Richard Burton ), welcher sich daran macht, Winstons Geist wieder in die richtigen Bahnen zu lenken und von den begangenen Gedankenverbrechen zu befreien.
 
Kritik
 
 
Sogar wenn ´Zukunftsstudien´ lediglich eine Form des Spielens sind, können sie sehr nützlich sein - wie das Spielen an sich. Sie dehnen unseren Geist, so dass wir besser auf das vorbereitet sind, was vor uns liegt, ohne unangenehm überrascht zu werden. Das war schon immer eine der Hauptrollen der Science Fiction, laut dem schon erwähnten George Orwell ; er kann einiges von dem Ruhm auf sich nehmen, für die Tatsache, dass 1984 nicht stattfand - zumindest nicht weltweit. Und wie mein guter Freund Ray Bradbury  erstklassig bemerkte: ´Ich versuche nicht die Zukunft vorherzusagen - ich versuche sie zu vermeiden.´(Lesen Sie Fahrenheit 451 noch einmal, wenn Sie das anzweifeln.)

Zitat aus Arthur C. Clarkes  "Profiles of the Future", Vorwort zur Millennium Ausgabe, 1999 Victor Gollancz (UK)

Beide erwähnten Romane zählen zu den wichtigsten Meilensteinen der Science Fiction, der heutzutage das Subgenre "Brave New World" zugeordnet wird, wobei Orwells Werk sicherlich einer der bedeutungsvollsten Romane der gesamten Literaturgeschichte ist. Auch wenn es nicht so verbreitet und bekannt ist, wie es eigentlich sein sollte. Noch eine Gemeinsamkeit teilen beide Bücher: sie wurden verfilmt. Doch während "Fahrenheit 451 " einen eher enttäuschenden Eindruck hinterlässt, kann man 1984 durchaus als gelungen bezeichnen. Hier wurde die Vorlage nicht nur als Inspiration benutzt, oder um die Kreativitätslöcher von Drehbuchautoren zu stopfen.

Sowohl audio-visuell, wie auch emotional erzeugt der Film die gleiche düstere Beklemmtheit wie das Buch. Die dunklen und farblosen Bilder des Filmes erzielen ihre Wirkung ebenso wie die dezent eingesetzte musikalische Untermalung. Die dargestellte trostlose Gleichgültigkeit erzeugt Kopfschütteln und Angst. Doch wie auch im Roman geht es nicht darum in einer apokalyptischen Endzeitvision die Zukunft der Menschheit darzustellen, sondern die Menschen zu Besinnung aufzurufen und vor den Gefahren eines Überwachungsstaates zu warnen.

Nur wenige Szenen rufen ansatzweise positive Gefühle hervor und symbolisieren Winstons eigene Gedanken und das Erlangen einer gewissen Individualität und eines freien Willens. Doch diese Stellen sind kurz und kehren sich am Ende ins Gegenteil um, als Winston scheinbar die Erfüllung in dem ihm aufgedrängten Willen findet.

Die eigentliche Wirkung erreicht der Film jedoch erst durch die fabelhaften Leistungen der drei Hauptdarsteller. Eine hoffnungsvolle Szene glaubhaft zu spielen und trotz allem noch tiefe Depressionen zu verbreiten ist sicherlich nicht einfach, gelingt aber John Hurt  und Suzanna Hamilton  in diesem Fall sehr gut. Ihren Höhepunkt erreichen die schauspielerischen Leistungen in dem Psychoduell am Ende des Films. Mann kann förmlich die Schmerzen und die Demütigung spüren, wenn Winston seiner Hoffnungen und seiner Menschenwürde beraubt wird und Stück für Stück demoralisiert wird. Richard Burton  setzt mit der Rolle als Parteifunktionär O´Brien seiner schauspielerischen Karriere noch kurz vor seinem Tod die Krone auf. In einem Moment wie der Vater der seinen verlorenen Sohn wieder nach Hause führen möchte, führt er im nächsten Augenblick Folterungen ohne jegliche Gemütsregungen durch und wirkt dadurch umso bedrohlicher. Weil das Böse im Menschen hier nicht so offensichtlich zu Vorschein tritt und sogar davon überzeugt ist, das Gute zu sein, übersteigt die Intensität dieses Abschnitts sogar die legendäre Folterszene aus "Der Marathon Mann " mit Laurence Olivier  und Dustin Hoffman , an welche man unweigerlich erinnert wird.

Dennoch muss man einige Abstriche gegenüber dem Buch machen. Nur die eigentliche Kernhandlung wurde verfilmt. Die Beschreibungen des Staates und Winstons Welt werden weniger detailliert dargestellt, und auch diverse kleine Nebencharaktere kommen im Film nicht zu Geltung. Hätte es die deutsche Demokratische Republik - auf die sich Arthur C. Clarke im zuvor erwähnten Zitat zweifellos bezieht - nicht gegeben, hätte man vielleicht etwas mehr Schwierigkeiten zu verstehen, wie man ein ganzes Volk derart manipulieren und kontrollieren kann. Summa summarum ist Nineteen Eighty-Four zweifelsohne eine der besseren Romanverfilmungen und mehr als nur einen Blick wert. Meiner Meinung nach ist die Höchstwertung durchaus gerechtfertigt, besonders wenn man den Film einmal betrachtet, ohne ihn mit der Vorlage zu vergleichen.


1984

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 7/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 4.6111111111111

Schnellwertung:


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