Sogar wenn ´Zukunftsstudien´ lediglich eine Form des Spielens sind, können sie sehr nützlich sein - wie das Spielen an sich. Sie dehnen unseren Geist, so dass wir besser auf das vorbereitet sind, was vor uns liegt, ohne unangenehm überrascht zu werden. Das war schon immer eine der Hauptrollen der Science Fiction, laut dem schon erwähnten George Orwell
; er kann einiges von dem Ruhm auf sich nehmen, für die Tatsache, dass 1984 nicht stattfand - zumindest nicht weltweit. Und wie mein guter Freund Ray Bradbury
erstklassig bemerkte: ´Ich versuche nicht die Zukunft vorherzusagen - ich versuche sie zu vermeiden.´(Lesen Sie Fahrenheit 451 noch einmal, wenn Sie das anzweifeln.)
Zitat aus
Arthur C. Clarkes 
"Profiles of the Future", Vorwort zur Millennium Ausgabe, 1999 Victor Gollancz (UK)
Beide erwähnten Romane zählen zu den wichtigsten Meilensteinen der Science Fiction, der heutzutage das Subgenre "Brave New World" zugeordnet wird, wobei Orwells Werk sicherlich einer der bedeutungsvollsten Romane der gesamten Literaturgeschichte ist. Auch wenn es nicht so verbreitet und bekannt ist, wie es eigentlich sein sollte. Noch eine Gemeinsamkeit teilen beide Bücher: sie wurden verfilmt. Doch während
"Fahrenheit 451
" einen eher enttäuschenden Eindruck hinterlässt, kann man 1984 durchaus als gelungen bezeichnen. Hier wurde die Vorlage nicht nur als Inspiration benutzt, oder um die Kreativitätslöcher von Drehbuchautoren zu stopfen.
Sowohl audio-visuell, wie auch emotional erzeugt der Film die gleiche düstere Beklemmtheit wie das Buch. Die dunklen und farblosen Bilder des Filmes erzielen ihre Wirkung ebenso wie die dezent eingesetzte musikalische Untermalung. Die dargestellte trostlose Gleichgültigkeit erzeugt Kopfschütteln und Angst. Doch wie auch im Roman geht es nicht darum in einer apokalyptischen Endzeitvision die Zukunft der Menschheit darzustellen, sondern die Menschen zu Besinnung aufzurufen und vor den Gefahren eines Überwachungsstaates zu warnen.
Nur wenige Szenen rufen ansatzweise positive Gefühle hervor und symbolisieren Winstons eigene Gedanken und das Erlangen einer gewissen Individualität und eines freien Willens. Doch diese Stellen sind kurz und kehren sich am Ende ins Gegenteil um, als Winston scheinbar die Erfüllung in dem ihm aufgedrängten Willen findet.
Die eigentliche Wirkung erreicht der Film jedoch erst durch die fabelhaften Leistungen der drei Hauptdarsteller. Eine hoffnungsvolle Szene glaubhaft zu spielen und trotz allem noch tiefe Depressionen zu verbreiten ist sicherlich nicht einfach, gelingt aber
John Hurt 
und
Suzanna Hamilton 
in diesem Fall sehr gut. Ihren Höhepunkt erreichen die schauspielerischen Leistungen in dem Psychoduell am Ende des Films. Mann kann förmlich die Schmerzen und die Demütigung spüren, wenn Winston seiner Hoffnungen und seiner Menschenwürde beraubt wird und Stück für Stück demoralisiert wird.
Richard Burton 
setzt mit der Rolle als Parteifunktionär O´Brien seiner schauspielerischen Karriere noch kurz vor seinem Tod die Krone auf. In einem Moment wie der Vater der seinen verlorenen Sohn wieder nach Hause führen möchte, führt er im nächsten Augenblick Folterungen ohne jegliche Gemütsregungen durch und wirkt dadurch umso bedrohlicher. Weil das Böse im Menschen hier nicht so offensichtlich zu Vorschein tritt und sogar davon überzeugt ist, das Gute zu sein, übersteigt die Intensität dieses Abschnitts sogar die legendäre Folterszene aus
"Der Marathon Mann
" mit
Laurence Olivier 
und
Dustin Hoffman 
, an welche man unweigerlich erinnert wird.
Dennoch muss man einige Abstriche gegenüber dem Buch machen. Nur die eigentliche Kernhandlung wurde verfilmt. Die Beschreibungen des Staates und Winstons Welt werden weniger detailliert dargestellt, und auch diverse kleine Nebencharaktere kommen im Film nicht zu Geltung. Hätte es die deutsche Demokratische Republik - auf die sich Arthur C. Clarke im zuvor erwähnten Zitat zweifellos bezieht - nicht gegeben, hätte man vielleicht etwas mehr Schwierigkeiten zu verstehen, wie man ein ganzes Volk derart manipulieren und kontrollieren kann. Summa summarum ist Nineteen Eighty-Four zweifelsohne eine der besseren Romanverfilmungen und mehr als nur einen Blick wert. Meiner Meinung nach ist die Höchstwertung durchaus gerechtfertigt, besonders wenn man den Film einmal betrachtet, ohne ihn mit der Vorlage zu vergleichen.