Michael Cimino 
ist wohl einer der umstrittensten Regisseure unserer Zeit. Mit
Die Durch die Hölle gehen 
(The deer hunter) zeigte er uns den Schrecken des Vietnamkrieges, wie wir ihn zuvor noch nicht gesehen haben. Wer die Szene mit dem russischen Roulette in Kriegsgefangenschaft noch nicht gesehen hat, der weiß nicht, was Spannung ist. "Die letzten beißen die Hunde" (Thunderbolt und Lightfood) war einer der besten Buddymovies der 70er, welcher einen damals noch unbekannten
Jeff Bridges 
zum Star machte. Mit "Heavens Gate" hatte Cimino sein persönliches Waterloo. Die Produktionskosten schossen derart in die Höhe, dass nur ein tolles Einspielergebnis die Firma United Artists (von Chaplin gegründet) retten konnte. Der Film floppte jedoch gewaltig, und so musste die Filmfirma in Konkurs gehen. "Im Jahr des Drachen" ist Ciminos vorletzter bekannter Film. Danach gelang ihm noch ein Achtungserfolg mit dem
Sizillianer 
, der jedoch nur daraus resultierte, dass
Christopher Lambert 
kurz zuvor mit
Highlander 
berühmt wurde.
"Im Jahr des Drachens" wurde sowohl für den Golden Globe als auch für verschiedene Razzie Awards (schlechteste Filme des Jahres) nominiert. Das sagt alles über die Zwiespältigkeit dieses Werkes aus. Cimino greift hier mehrere Versatzstücke auf, die er mit dem Hintergrund des Bandenwesens in Chinatown kombiniert. So wie Stanley White scheint auch Cimino im chinesischen Bezirk New Yorks aufräumen zu wollen. Nicht unzufällig half ihm beim Drehbuch ein gewisser
Oliver Stone 
, welcher ja dafür bekannt ist, in den Wunden amerikanischen Stolzes herumzuwühlen.
Zentrales Thema des Filmes ist das harte Durchgreifen Whites in Chinatown. Dabei beweist er keinerlei Taktgefühl, denn er ist seiner Meinung nach ja nur ein "dummer Pollacke". So versucht er anfangs allen Bossen auf die Zehen zu steigen, wobei sich im Laufe des Filmes immer mehr ein Zweikampf zwischen ihm und dem jungen Joey Tai herausbildet. Cimino lässt White wie einen Berserker wüten, der von einem Wutanfall in den anderen taumelt, um dann wieder stark an sich selbst zu zweifeln. Dabei vernachlässigt er auch seine Frau Connie (
Caroline Kava 
), welche schließlich seine Sturheit mit dem Leben bezahlen muss. Dabei stellt Rourke den Bullen wirklich zwielichtig dar, jedoch ist sein Charakter ein Extrem, welches in totaler Selbstverherrlichung wie ein Rambo durch die Stadtviertel wütet. Auch den Ehebruch an seiner Frau mit der chinesischen Reporterin Tracy Tzu soll man ihm nicht allzu krumm nehmen. Er ist ja nur ein harter Cop, der nichts für sein Verhalten kann.
Immer wieder wird jedoch auch die Rolle der Chinesen in der amerikanischen Geschichte erwähnt. Oliver Stone und Cimino wollen hier ein bisschen Aufklärung darüber betreiben, wie viele Chinesen bei dem Bau der Eisenbahn ihr Leben lassen mussten. Dieses Thema kulminiert in der Szene, als der junge Undercover-Cop Herbert (
Dennis Dun 
) im Appartement Tracys einen Wutanfall bekommt und alle Scheußlichkeiten der Amerikaner und alle Erfindungen der Chinesen noch einmal aufzählt. Das passt nicht ganz in das Konzept des bösen Chinesen, der die Straßen New Yorks unsicher macht und Drogen in großem Rahmen verschifft. Auch hier wollen die Macher ein differenzierteres Bild der Lage zeigen, welches jedoch durch den Endkampf Whites gegen Tai völlig zunichte gemacht wird. Der Weiße gewinnt gegen den "Yellow Man", jedoch nur auf heimischem Grund. Whites Kampf scheint nämlich ein zweites Vietnam zu sein, aus dem er aber diesmal als Sieger herausgehen will. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf irgendeine Politik.
Als weiteres Element kommen Freundschaft und Beziehung im Jahr des Drachen vor. Die Beziehung zu Whites Frau Conny verschlechtert sich. Sie will ein Kind, er vergisst jedoch immer, an den fruchtbaren Tagen aufzutauchen. So entstehen Kämpfe, die den Bullen in die Hände der Reporterin treiben, welche ihn aus unerfindliche Gründen zu lieben beginnt. Hier sehe ich auch einen großen Widerspruch in Ciminos Film. Stanley White ist den ganzen Film lang zu jedem ein Arschloch und doch lieben sie ihn alle auf ihre Weise, auch wenn sie mit ihm schimpfen. Die Rolle des harten Kämpfers, welcher zusätzlich auch noch Freunde hat (und wenn er keine hat, hat man ganz viel Mitleid mit ihm), ist doch wohl ein Idealfall (spielt normalerweise immer
Stallone 
).
Besser wäre es gewesen, White alleine leben und am Ende zerbrechen zu lassen, da er vielleicht den Kampf gegen das Verbrechen gewinnt, jedoch am Ende alle, die er mag, geopfert hat. Ein Pyrrhussieg. Cimino dagegen schenkt ihm am Ende den Sieg, eine Freundin und einen guten Freund, was beim Zuschauer keinerlei Zweifel am Vorgehen dieser Figur während des Filmes aufkommen lässt. Jedoch muss man betonen, dass die 80er berühmt für diese Helden waren. Rambo scheint für all diese Typen der Vater zu sein.
Die Bilder von Chinatown sind eher ernüchternd. Es ist ein Viertel mit großen Verkehrsstaus und unterirdischen Arbeitsstätten, in denen die Angestellten für einen Hungerlohn arbeiten. Dabei setzt der Kameramann
Alex Thomson 
verstärkt düstere Bilder ein, welche diesen Effekt noch verstärken. Also kein Werbefilm für diesen Bezirk von New York.
Die Figur des Stanley White ist eine Paraderolle für den damals noch feschen Mickey Rourke. Jetzt sieht er eher wie sein eigener gelifteter Großvater aus. Schade, denn in ihm steckte wirklich ein Potential, welches über den rauen Frauenliebling hinausging. Den Bullen mimt er souverän, jedoch manchmal ein bisschen zu cool. Mehr Zweifel an seiner Person wären angebracht gewesen, denn allzu schnell stempelt man ihn als Supercop ab, welcher in der Stadt aufräumt.
Die Erscheinung des Filmes ist jedoch John Lone als Joey Tai. Sein Spiel ist unscheinbar und frei von übermäßigen Bewegungen. Er ist das genaue Gegenteil vom rüpelhaften und beleidigenden White, welcher mehr durch Quantität als durch Qualität auffällt. Coolness, Angst oder Wut, Lone beherrscht diese Gefühlsausdrücke perfekt und ist zu Recht für den Golden Globe nominiert worden.
Ariane 
als Tracy Tzu fällt eher durch Nacktszenen als durch gutes Spiel auf. Gut, dass sie gleich wieder in der Versenkung verschwunden ist.
Fazit: Im Jahr des Drachen ist ein guter Actionfilm, der mehr als das sein will, es aber nicht ganz schafft.