Steven Spielberg 
scheint mit
Minority Report endgültig in seine dritte Schaffensphase übergetreten zu sein. Nach zahlreichen Arbeiten im Bereich des Family Entertainment (
"E.T.
",
"Jurassic Park
") und der Aufarbeitung historischer Themen (
"Schindler´s List
",
"Saving Private Ryan
" oder
"Amistad
") folgt nun die Hinwendung zu zukunftsträchtigen Themen wie künstlicher Intelligenz (
A.I.) oder nun eben Verbrechensprävention als Orwellsches Horrorszenario. Ausgehend von der Grundidee, Verbrechen per Divination schon im Vorhinein zu vereiteln, knüpft Spielberg einen an und für sich recht konventionellen Thriller, der so gut wie alle genretypische Motive aufweist: vom Politischen über die für Spielberg charakteristischen Familienthemen (John leidet unter dem Verlust seines Sohnes sowie seiner Partnerin) bis hin zum Verrat an persönlichen Freunden ist alles dabei. Freilich aber dient der Plot in erster Linie dazu, Inhalte unterzubringen, die der Regisseur als für die Zukunft relevant betrachtet. Zu allererst wäre auch hierbei wieder einmal die zunehmende Vereinsamung des Individuums inmitten einer hoch technisierten Informations- bzw. Entertainment-Gesellschaft zu nennen. Brückenpfeiler und Hochhauswände reflektieren Bilder und Schlagzeilen aus Werbung und Nachrichten, während der Beamte des
Ministry of Precrime durch die nächtlichen Straßen läuft. Wieder zu Hause badet er unter Zuhilfenahme einer neuartigen Droge und holographischer Projektionen in Erinnerungen aus vergangenen Zeiten. In der Zukunft Spielbergs ist alles Matrix. Jede Wand, jede Glasfläche dient als Projektionsfläche. Jedes Individuum spiegelt das wider, was von ihm erwartet wird.
Wie auch schon
A.I. unterliegt auch
Minority Report einem klar strukturierten ästhetischen Prinzip. Luzide Flächen und aseptische Räume als Duktus einer Fiktion, in der alles repräsentativ und gleichzeitig transparent ist. Das Visuelle wird gleichsam zum körperlichen Thema, als sich John einer Augentransplantation unterziehen muss, um zu einer neuen Identität zu gelangen. Generell erweist sich
Minority Report schließlich als weit weniger melodramatisch und bedeutungsschwanger inszeniert als sein unmittelbarer Vorgängerfilm. Zwischen Märchen, Suspense geladenem Thriller und Horrorfilm schwankend, führt Spielberg sein utopisches Zwei-Stunden-Vehikel schließlich in ein Ende, das die für seinen Schaffensprozess charakteristischen Elemente noch einmal zusammenfasst. Das Unrecht kann aufgeklärt und die Bedrohung abgewendet werden; die einst in ihren Visionen gefangenen Precogs, die ob ihrer hellseherischen Fähigkeiten zur Verbrechensvorhersage herangezogen wurden, werden befreit.
Egal welche Szenarien Spielberg auch entwirft: Genauso wie seinen frühen Stoffen viele Themen seiner nun aktuellen Filme bereits eingeschrieben waren, kehrt er stets auf allen Gebieten seiner facettenreichen Filmen auf eine familientaugliche Basis zurück. Erst wenn alle Klammern der Spielbergschen Märchenwelt geschlossen sind, dürfen seine Filme enden. So endet schließlich auch
Minority Report in einer Zukunft, deren Kitsch nicht weniger utopisch wirkt als die Vorstellung von Verbrechensbekämpfung per Hellseherei.