Eine Provokation von
Gaspar Noé 
, die am Ende fast so widerlich ist, wie sie – zu Beginn – hypnotisch zu sein scheint. Die Chronologie eines Rachemords, in 15 Sequenzen chronologisch rückwärts erzählt. Anfangs erratische Kameramanöver (wie
De Palma 
auf schlechten Drogen, was zu dem Zeitpunkt wie gar keine so schlechte Idee wirkt: Man spürt das geistige Chaos), während
Vincent Cassel 
, dem soeben die Frau vergewaltigt und ins Koma geprügelt worden ist, hysterisch schreiend durch eine schwulen S/M-Club namens "Le Rectum" rennt, um den Täter, einen Zuhälter namens "Der Bandwurm", zu finden. "Das muss ein Witz sein", murmelt er da noch zu sich selbst, aber die leichtfertige postmoderne Ironie hilft nichts angesichts der zutiefst reaktionären Grundtendenz des Skripts: Rund um zwei Aufregerszenen (die erste – „Der Bandwurm“ bekommt drei Minuten lang den Feuerlöscher ins Gesicht, bis Brei übrig ist – übrigens tatsächlich verstörend) arrangiert Noe letztlich nichts als
"Death Wish
" im Rückwärtsgang plus überheblicher, angeblicher Distanz und hofft, dass dem Zuschauer irgendwo zwischendurch so schlecht wird, dass er das ganze für Kritik am Thema hält.
Das Resultat ist ein wenig wie der Zynismus von
"Funny Games
" („Dir, Seher, zeige ich jetzt, dass Gewalt im Kino durch und durch böse ist, weil Du zu blöd bist, es selbst zu begreifen“), nur noch weniger reflektiert, wenn auch dafür wenigstens nicht ganz so langweilig. Der Aufhänger – aufgrund der Rückwarts-Struktur wird dem nach Rache gierenden (wie auch
Haneke 
in obigem Film hält Noe sein Publikum offensichtlich für ein Amalgam aus wandelnden Gehirntoten und Proto-Faschisten) Zuschauer die billige Befriedigung geraubt - offenbart sich bald als bloßes Gimmick, während jedes peinliche Klischee aus der Mottenkiste für billige Rührung sorgen soll (am Ende zeigt sich auch noch: die Frau war schwanger). Eine sehr ärgerliche Angelegenheit, auch wenn Menschen, die die letzten Darstellungen von
Monica Bellucci 
mitansehen mussten, irgendwie das Recht auf die (angeblich fürchterlich erschreckende, tatsächlich nur erscheckend stumpfe) Szene haben, wo sie - neun Minuten mit statischer Kamera abgefilmt - anal vergewaltigt und dann zu Matsch geschlagen wird.