Sie haben kräftige Eindrücke hinterlassen, die Filme, die aus
Tom Clancys 
Spionagewelt stammen. Wer erinnert sich nicht an den alten Fuchs Marko Ramius, der mit seiner
Roter Oktober überlaufen will, oder an die Einheit von verdeckt operierenden US-Elitesoldaten, die, von ihren hochrangigen CIA-Auftraggebern verraten, in einem Flussbett irgendwo in Kolumbien aufgerieben wird?
Ganze acht Jahre - viel zu lang für viele - hat es gedauert, bis der nächste Roman mit
Clancys Lieblingshelden
Jack Ryan angegangen wurde, und vielen wird es schwer fallen, die Veränderungen zu akzeptieren: Jack Ryan ist nämlich plötzlich kein 40- oder 50-jähriger Mann, sondern um die 30 und am unteren Ende der CIA-Karriereleiter: Ein kleiner Analyst in der Russland-Abteilung ist er, und gerade am Mitbekommen, dass er Hals über Kopf in die junge Ärztin Cathy verknallt ist. Dabei ist der Kalte Krieg schon vorbei...
All das passt nicht zum früheren Bild, das schon in
"Jagd auf Roter Oktober
" einen verheirateten Mann mit Kind skizzierte, der mitten in der politischen Eiszeit agiert. Noch dazu müssen Fans von Jack Ryans Abenteuern zur Kenntnis nehmen, dass
Ben Affleck 
nach
Alec Baldwin 
und
Harrison Ford 
schon der dritte Schauspieler in vier Filmen ist, der die Rolle angeht - grundsätzlich gleich, aber doch mit ganz eigenen Zügen. Um ihn herum versammelte Regisseur
Phil Alden Robinson 
(
"Feld der Träume
",
"Sneakers
") etliche solide Schauspieler, die nur zwei Aufgaben haben:
Afflecks 
Leinwandpräsenz zu unterstützen und die Spannung zu erhöhen. Vor allem an
Liev Schreiber 
sieht man das gut: Er spielt einen Mann für die inoffiziellen Aufträge und trifft dabei mit dem Held aus Zwang zusammen, der lieber am Schreibtisch sitzen würde als beim Versteck der Atombombenbastler Schmiere zu stehen und
Schreibers Charakter am Ende auch noch aus der Bredouille zu helfen.
Ähnlich ist der Fall bei
Morgan Freeman 
: Zusätzlich zu seiner überzeugenden Darstellung des CIA-Direktors beweist er auch noch, dass es gefährlich ist, Jack Ryans väterlich wohlgesinnter, afroamerikanischer Chef zu sein. Bei diesen Entscheidungsträger-Rollen wurde offensichtlich Wert auf Erfahrung gelegt: Alle, von
James Cromwell 
bis
Ron Rifkin 
, haben schon früher Regierungsangehörige gespielt. Und dann wäre da noch
Bridget Moynahan, die als so oft wegen der Weltpolitik versetzte Freundin weniger an ihre Zeit auf dem Tresen in
"Coyote Ugly
" erinnert sondern eine große Ähnlichkeit mit ihrer Kollegin
Brooke Langton 
entwickelt - nicht nur äußerlich, sondern auch von den Rollen her.
Erste Priorität bei Clancy-Verfilmungen ist die Spannung - und an der fehlt es in
"Der Anschlag
" nie. Selbst wenn die internationale Ewiggestrigenverschwörung ein ums andere Mal peinlich und als Verlegenheitsersatz für die arabischen Fundamentalisten in der Buchvorlage wirkt: Man wird sich jeden Toilettengang verkneifen. Immer wieder werden zur rechten Zeit die Fäden gezogen, damit die Handlung kurz abschweift und der Thrill noch um eine Spur erhöht wird. Dabei kann sich der Film zwar nie aus dem Schatten von
"Jagd auf Roter Oktober
" lösen, der fast allgegenwärtig ist, wahrt aber den nötigen Respektabstand, um nicht zum Klon von damals zu verkommen. Genau die selbe Distanz wahrt man auch zur Realität und offenen Wunden aus der US-Vergangenheit. Nur bei der technischen Seite versagt die Produktion völlig; Sogar der leidliche TV-Reißer
Atomic Train beschrieb die Auswirkungen einer Atomexplosion auf elektronische Geräte auf bessere Weise. Hier ist es einfach nur eine Frage, wie tolerant man bei solchen Details ist - genau wie bei Jack Ryan selbst: Es könnte ja noch einen anderen, jungen Mann dieses Namens bei der CIA geben...