Man könnte sagen: Ein Jahr ist ins Land gezogen, also vertragen die kleinen Potter-Fans schon mehr, weil sie eben auch ein wenig älter sind. Das zweite Film-Abenteuer des Zauber-Schülers richtet sich eher an alle jenseits des zehnten Geburtstags, weil man von ihnen annehmen kann, dass sie schon diverse Horror-Elemente vertragen können: Harry Potter und die Kammer des Schreckens ist wesentlich dunkler als der erste Teil, enthält einiges mehr an schauderhaftem Getier, das den Kleinen unter den Zuschauern Nächte lange Albträume bescheren wird, und konfrontiert den Helden zum ersten Mal richtig mit dem Tod - nicht nur in Form eines Klomuschelgeistes. Unter kranken Erwachsenen-Humor fällt die Dobby-Figur, ein schwerstens masochistisch veranlagter Headbanger, der äußerlich einiges mit E.T. gemeinsam hat. Überhaupt erfreut sich der Film häufig am Missgeschick der Nebenfiguren, vor allem an Rons. Ebenso der selbstverliebte neue Professor, herrlich gespielt von Kenneth Branagh: Erst für reifere Teenies ist sein Gehabe komplett verständlich.
Das macht eines klar: Harry Potter kann man, so wie jeden guten Kinderfilm, nach seiner Kindheit wieder konsumieren und völlig andere Dinge darin sehen. Die Frage ist nur: Werden die unvorbereiteten Kleinen durch die Erwachsenen-Anteile beeinträchtigt? Hier jedenfalls über Gebühr. Zwar ist Teil zwei weniger langatmig als der Vorgänger, doch zielen diese Verbesserungen in Richtung älteres Publikum; Das jüngere bekommt Zauberstab-Schwingen, Unsichtbarkeits-Gewänder und leichtes Chaos, durchsetzt mit einschüchternden Spinnen-Schwärmen und anderen Gewalt-Ausbrüchen. |