Haben wir es doch alle gewusst: Da ist noch mehr passiert, als Gandalf in die Tiefe von Khadad-dum stürzte. Die Fortsetzung der Geschichte aus Mittelerde ist angesagt, und wird auch eifrigen Lesern in einigen Punkten völlig neu sein. Dabei stellt sich natürlich eine Frage: Wie viel
Peter Jackson 
verträgt
Der Herr der Ringe? Obwohl es nämlich mehr als interessant wäre, zu sehen, wie der Neuseeländer
Tolkien 
zu Zeiten von
"Bad Taste
" mit so gut wie keinem Budget verfilmt hätte, ist die Aufgabenstellung bei der Superlativ-Produktion von heute eine andere: Die Fans nicht zu verärgern und die Massen nicht vom Kino abzuhalten. Da sitzt aber auch noch der selbsternannte Hobbit im Regiestuhl, der das Produkt mit seinen eigenen Ideen verfeinern will.
Bei
"Der Herr der Ringe: Die Gefährten
" war Letzteres noch nicht wesentlich zu bemerken: Jackson zeigte seinen Respekt vor dem Kultbuch, indem er der Fantasy-Linie treu blieb. Jetzt, bei
Die zwei Türme, scheint er lockerer geworden zu sein; Sogar das Risiko, Legolas auf einen Schild hüpfen zu lassen und den Surfer zu spielen, während er, eine Treppe hinunter rasend, Orks killt, wurde eingegangen - sicher kein Einfall, der
J.R.R. Tolkien 
entsprungen ist. Später, beim Straßenkampf, spürt man in den Bildern wieder eine Verwandtschaft zu Filmen, die im Zweiten Weltkrieg spielen. Hier allerdings trifft sich der Film mit dem Buch, das ja von
Tolkien 
in Hinblick auf diese Zeit geschrieben wurde. Genauso wurde großer Wert darauf gelegt, die Verbindung der Erzählung mit mittelalterlichem Gedankengut heraus zu arbeiten: Das
Ting, die große Versammlung, findet ihren Platz, und auch die Überzeugung, dass die Armbrust Teufelswerk sei, sorgt dafür, dass sie ausschließlich von den Monstern Sarumans benutzt wird.
Leider zahlt Teil zwei beim Versuch, sich noch mehr Publikum zu schaffen, Tribut: Zwerg Gimli, ebenso mutig wie raunzerisch, wird zum humoristischen Charakter gestempelt. Auf ihm baut auch der Running Gag auf, der sich jetzt heraus kristallisiert: Der kleine Krieger darf wieder - unter Protest, aber weil es eben nötig ist - geworfen werden.
Auf der anderen Seite sah man sich auch gezwungen, ein wenig Mitleid zu schüren: Szenen mit gar süßen Kindern, die vor heranziehenden Brandschatzern flüchten und später nach ihrer Mutter quengeln, wurden eingebaut. Erstaunlicherweise versteckte man diese
cute Rohan refugee children mitten im Abspann, anstatt sie bei der Besetzung zu nennen - dazu kann man sich seinen Teil denken.
Was bei
The Two Towers spürbar zu Tage tritt, sind die dramaturgischen Bearbeitungen für die Filmversion: Es bleibt kaum Platz für die Mystik, weil die drei Stunden auch ohne sie randvoll sind. So lassen sich die Handlungsverkürzungen vor allem an den Elbenszenen spüren; vielleicht bleibt für sie in der unvermeidlichen Special Edition mehr Platz. Hier aber wirken sie sprunghaft, ähnlich wie die zarten Gefühle, die
Miranda Otto 
für
Viggo Mortensens 
Aragorn entwickeln darf.
Für die wichtigste und in Teil zwei eindrucksvollste Figur ließ man jedoch genug Raum: Gollum. Die Verbindung aus der Stimme und den Bewegungen von
Andy Serkis mit makelloser CGI erschuf eine derart glaubwürdig schizophrene Kreatur, dass ihr innerer Kampf des Guten gegen das Böse spannender ist als die aufwändigst dargebotene Schlacht um Helm´s Deep - wer dabei an Dobby aus
Harry Potter denken muss, ist trotz zarter Gemeinsamkeiten selbst schuld.
Natürlich darf sich
Die zwei Türme einer Ausstattung rühmen, die bei jeder Schwertklinge brilliert. Die Qualität, die der Vorgänger an den Tag legte, findet sich mitsamt großartigen Effekten auch nun wieder. Einzig und allein die Baumhirten, die später im Film auftauchen, wirken puppenhaft, und erinnern stark an nicht ganz ausgereifte Produkte aus der Jim-Henson-Schmiede. Die Figuren selbst - auch die neu eingeführten - sind aber präzise umrissen und auch wirkungsvoll von ihren Schauspielern und Animatoren zum Leben erweckt.
Zusätzlich bietet der Film einen wesentlich ansprechenderen Schluss, als ihn
Die Gefährten zustande brachte: Kein fünfminütiges Zögern, wo jetzt das Ende zu setzen ist, sondern eine kernige Szene, die düster und vorbotenhaft ist, und das Jahr Wartezeit, das uns bis zum Finale noch bevor steht, weit unerträglicher macht als das letzte.
Erfolg wird
Peter Jackson 
also auch diesmal wieder haben: Obwohl die Konzessionen an die Massen auffälliger und unangenehmer geworden sind, wirkt die Mixtur aus Detailliebe, epischer Geschichte und passender Besetzung, wie vor einem Jahr, nahezu unwiderstehlich.