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Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
Original-Titel: The Lord of the Rings: The Return of the King
Land/Jahr: New Zealand/USA / 2003
Genre: Fantasy, Abenteuer
Mit: Elijah Wood .... Frodo
Billy Boyd .... Pippin
Sean Astin .... Sam
Ian McKellen .... Gandalf
Ian Holm .... Bilbo
Viggo Mortensen .... Aragorn
Sean Bean .... Boromir
Orlando Bloom .... Legolas Stimmen von:
Alan Howard .... The Ring
Regie: Peter Jackson
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    2 Jahre nach dem Startschuss für das Projekt der Herr der Ringe Trilogie im Kinoformat liefert uns Peter Jackson den dritten und letzten Teil der Saga. Was uns hier erwartet, ist unter Anbetracht der letzten beiden Filme nicht schwer zu erraten: das Spiel der Unwahrscheinlichkeiten geht weiter und formiert sich stark als 3 ½ Stunden anhaltende Klimax mit bodenlosem Ende. Alles, was man benötigt, um so ein ambitioniertes und vor allem weitläufiges Projekt zu genießen, ist ein langer, langer, ja langer Atem – insbesondere am Ende, das einfach nicht kommen will und wieder nicht und wieder. Obwohl das auch natürlich sehr unwahrscheinlich ist, aber über das Programm des Filmes herrscht hoffentlich bereits reges Bewusstsein.

    Eine Kritik von Iris Laner, 04.01.2004
 
Inhalt
 
 
Die Geschichte der Rückkehr des Königs lässt sich nach einer (zumeist) ganz strengen Adaption des J.R.R. Tolkiens Romans folgendermaßen umreißen: mit unseren guten Freunden, den Hobbits Frodo Elijah Wood  und Sam Sean Astin  befinden wir uns auf dem Endspurt zum Schicksalsberg, um den letzten und mächtigsten der drei Ringe im ewigen Feuer zu vernichten – andernfalls würde Sauron, das Böse in bereits antimaterieller Person, da soviel Bosheit von einer einzelnen Person gar nicht mehr getragen werden könnte, alle Macht an sich reißen können und ganz Mittelerde mit Dunkelheit infiltrieren. Obwohl der Plan an sich sehr unmöglich ist für zwei kleine in Kampf, Ausdauer und Strategie sehr unbedarfte Wesen, sind unsere Protagonisten durch potentielles Heldentum trotzdem dazu verpflichtet ihm nachzugehen. Während sie sich in mehr oder weniger guter Gesellschaft mit dem in sich gespaltenen Gollum (oder Smeagul, wie er nach seinem wahren menschlichen Namen – aber das ist lange vorbei – hier meist benannt wird) durch zahlreiche Gefahren schlagen, um schließlich doch den Kampf gegen ihre äußere Natur zu gewinnen (die in diesem Fall die von stinknormalen Hobbits ist) und ihre innere welche freizusetzen (die hier die von glänzenden, schillernden Helden ist) – die Tatsache, dass das von Anfang an irgendwie klar zu sein schien, trotz aller Unmöglichkeit wohlgemerkt, erlaubt mir, es vorwegzunehmen. Währenddessen also haben wir auch das schwere Los des durch Geburt, Mut, Stärke und Humanität potentiellen (und Unglaublicherweise dann im Endeffekt auch tatsächlichen) Königs Aragorn Viggo Mortensen  , des schönen, geschickten Elfenjünglings Legolas Orlando Bloom und des kleinen, aber daher nicht etwa weniger tötungshungrigen Zwerges Gimli John Rhys-Davies   zu tragen (ihnen wohnt daneben noch ein weiterer Hobbit mit nicht sehr ausdefiniertem Charakter bei: Merry Dominic Monaghan . Der Mangel an Definition liegt wohl darin begraben, dass die übrigen Gefährten schon das ausreichende Spektrum an Charaktervarianten abdeckten), das in erster Linie in der Aufstellung eines Verteidigungsplanes für die Stadt Minas Tirith besteht. Bereits innerhalb dieser Stadt befinden sich der Zauberer Gandalf Ian McKellen  , gar nicht ironisch besetzt in rein weiß, und der etwas zu neugierige und unhaltsame Hobbit Pippin Billy Boyd  , die versuchen dem Bösen durch ihre eigenen Methoden und Mutzusprüche an das tapfere Heer entgegenzuwirken. Es kommt, wie es kommen musste: die Schlacht um Minas Tirith wird von einer unwahrscheinlich geringen Anzahl von guten Verteidigern gegen eine unglaublich große Menge böser Angreifer gewonnen. Nach Sieg 1, muss nun Sieg 2 vorbereitet werden: die Vernichtung des Rings. Die verbündeten Sieger stärken Frodo aus dem diesmal ganz legalen Hinterhalt den Rücken, während er sich selbst und nebenbei Gollum bekämpft, um die Extinktion zu vollbringen. Danach wird es wieder hell im Land, und der Kampf gegen das Böse ist mit bedeutsam wenigen Verlusten an ausdefinierten Charakteren auf Seiten der Guten zu einem Ende gekommen. Doch nicht diese Geschichte. Denn die Helden bleiben teilweise keine Helden im Kleinen und fühlen sich nun doch – ganz entgegen ihrer Natur, aber nach den Gesetzen der Unwahrscheinlichkeit – zu Anderem berufen.
 
Kritik
 
 
Wer Tolkiens Roman vor der Verfilmung gelesen hat und damit ein Phantasma über Mittelerde im Kopf, wird nun vor die Wahl gestellt: entweder Jacksons Bilder stimmen oder sie stimmen eben nicht. Die Vorlage wird im Großen und Ganzen sinngemäß erfüllt (bis auf ein paar aberwitzige Ausrutscher, die die Charaktere karikieren wollen, allen voran jedoch Gollum, der bei Jackson zu einer bemitleidenswerten Witzfigur mutiert, die auf beiden Seiten in ihrer Darstellung durch ein elektronisches Pendant unglaubwürdig bleibt), wobei Jackson allerdings den gewagten Versuch unternommen hat, aus einem puren Epos, das eine kollektive Identitätsbestimmung kennt und verfolgt, eine teilweise multiple, zwar paradigmatische, aber immerhin Subjektgeschichte zu schreiben, die so wichtig für das Hollywoodkino und die für die Emotionalität unumgängliche Möglichkeit zur Identifikation für das Publikum ist. Die groteske Vermenschlichung, an den Zeitgeist rührende Angleichung von Legolas und Gimli erscheint mir der größte Fauxpas dieses Unterfangens. Wie auch immer, es sei Peter Jackson zugute gelegt, dass er die Trilogie in einem Zug verfilmt hat und somit keinen Leistungsabfall provozierte, der bei Fortsetzungen normalerweise Methode hat. Die Rückkehr des Königs ist somit nicht besser oder schlechter als die ersten beiden Teile, sondern läuft im selben System mit denselben Bildern, denselben angeglichenen Charakteren und denselben Pointen. Das Einzige, was den letzten Teil disqualifizieren könnte, ist die Tatsache, dass es Jackson offensichtlich sehr schwer gefallen ist, gegen Ende einen Punkt genau anzuzielen und dann auch zu machen. Die letzte halbe Stunde, die uns nach dem gewonnenen Krieg noch in eine seltsame Moral einweisen will, stellt der Geschichte meines Erachtens ein unübersehbares Bein. Denn sobald sich die aktionsreichen Schlachtenszenen, die sich in Schnittgeschwindigkeit, Set Design, Kostüm, Soundgestaltung, Lautstärke und vor allem Special Effects ebenso bekriegen und dem Sieg entgegenlachen wie die strahlenden Helden und die bösen Fratzen ihrerseits, verabschiedet haben, zeigen sich die Kinobesucher der Überzeugung, Hollywood habe nun Sendepause. In diesem Fall nicht mit Peter Jackson, der Tolkien seine überflüssigen Worte nicht aus dem Blatt nehmen will und brav eine weitere Idee des Unmöglichen spinnt. Was, wenn nun nicht der Ringträger Frodo der eigentlich Held gewesen ist? Was, wenn der normalste der Normalen, der Unwahrscheinlichste am unwahrscheinlichsten Ort die Ehre bekäme? Würde uns das noch glücklicher, befriedigter machen oder uns etwa ein noch perfekteres und kantenloseres Gutes servieren? Das Lamentieren aus dem Zuschauerraum als dann endlich doch der Endschuss fiel, verhalf mir zu einem globaleren Bild: wenn Hollywood ins Kino geht, sagt das Gute zum Unmöglichen guten Tag – als dass Geschmäcker verschieden sind, sei jedem selbst überlassen, wie eine solch heilige Allianz mit dem Sophismus gesucht und bestimmt gefunden wird. Wenn Hollywood allerdings ein Buch über die Unmöglichkeit liest und dann noch früh morgens aufsteht, um frisch motiviert, inspiriert und Offensichtlicherweise übersättigt ans Werk zu gehen, beißt das Bild zur Geschichte dem Buch in den Schwanz und schreit laut auf, weil es nicht wusste, dass man beim Lesen auch mal länger als fünf Minuten Pause machen kann.

Fazit: Imposantes und Bildgewaltiges Ende der Herr der Ringe Reihe mit dem Prädikat besonders gut und unterhaltsam – nur wie lange, kann keiner garantieren.


Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs

Wertung:
Redaktion: Redaktionswertung: 5/7
Leser: Durchschnittsleserwertung: 5.7528735632184

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