Star-Trek-Filme sind eine zwiespältige Angelegenheit: Fans freuen sich, dass die Abenteuer ihrer Lieblingsfiguren weiter gesponnen werden, nachdem die Serie schon lange aus ist. Auf der anderen Seite wird der Stoff, der fürs Fernsehen gemacht wurde, aus seinem angestammten 42-Minuten-Format gerissen, mit Spezialeffekten aufgepeppt und zum Event gemacht, für das man Eintritt zahlen muss, statt es gratis geliefert zu bekommen.
15 Jahre sind vergangen, seit sich die zweite Mannschaft in die unendlichen Weiten auf machte, und - glaubt man den Ankündigungen - ist
Nemesis die letzte Reise der
Next Generation. Unabhängig davon, dass die Schauspieler genug von ihren Sternenflotten-Uniformen haben, wurde es für die Schreiber über die Jahre immer komplizierter, zu erklären, warum Worf bei jedem Abenteuer trotzdem mit dabei ist, obwohl er längst seinen Dienst anderswo versieht, oder wie es die Crew geschafft hat, hartnäckig alle Karrierechancen abzulehnen. Bevor sich die Wege von Picard, Riker und Co. aber endgültig trennen (um in einem Reunion-Film 2012 wieder zusammen zu finden), werden sie aber noch gezwungen, wieder einmal ins Romulanische Imperium zu fliegen und Widersacher Shinzon kennenzulernen.
Nach 178 Folgen und drei Filmen sind die handelnden Personen bekannt. Unergründete Charakterzüge gibt es nicht, und das einzige, was man dem Bild noch hinzufügen könnte, sind obskure Fakten aus Picards Krankenblatt - was man natürlich auch gemacht hat. Eine interessante Frage wurde aber ebenso in den Raum gestellt: Was passiert, wenn die gleiche Person in einer völlig anderen Umgebung aufwächst, soll heißen: Inwieweit das Wesen eines Menschen angeboren oder durch sein soziales Umfeld geprägt? - Gesellschaftliche Fragestellungen in eine utopische Geschichte einzubauen: Das entspricht dem Vorhaben, das
Gene Roddenberry 
Mitte der 1960er hatte.
Was nicht sein Gedanke war, aber über die Jahre einfach passiert ist: Dass
Star Trek sich mit seinem Techno-Geplapper, den Rassen und dem Insider-Wissen fast völlig von der Außenwelt abgekapselt hat. Jede Kinoreinkarnation versucht aufs Neue, die Isolationsschicht wenigstens in punkto Action zu durchbrechen und Nicht-Trekkies anzulocken. Planetar-Buggies, ein Weltraum-Ausflug Datas, die Enterprise als Rammbock: All das mutet wie eine Verzweiflungstat an, vor allem in der Form, wie diese Szenen ausgeführt wurden: mit zu geringem Budget, um anderen Effekt-Feuerwerken Paroli bieten zu können. Wehmut kommt da bei der Erinnerung an die Anfangsszene von
First Contact auf, die mit ihrer imaginären Kamerafahrt noch versuchte, selbst Standards zu setzen.
Die Fans allerdings lechzen weniger nach dem Actionfaktor. Für sie sind die Details wichtig, die mehr verraten, an früher erinnern oder einfach Gags für die eingeweihte Schar sind; Etwa der Auftritt von drei Star-Trek-Serien-Kapitänen in unterschiedlicher Form: Admiral (!) Janeway darf Picard Instruktionen geben, nach Kirk wurde ein Manöver benannt und eine USS Archer wird auf einem Bildschirm im Hintergrund aufgelistet. Noch dazu macht das Ende den Film für treue Seher zum Pflichttermin.
Anders sieht es mit dem überwiegenden Rest der Menschheit aus: Am Ende einer 15-jährigen Reise kann man nicht mehr einfach einsteigen, geschweige denn, dass es einem die Handlung einfach machen würde. Das Dargebotene reicht für heutige Maßstäbe nur zum Fernsehfilm, nicht aber dafür aus, die Leinwände zu blockieren. Um zu vorher angesprochenen Effekten zurückzukehren: Man kann sogar von Peinlichkeit sprechen, wenn sich Data in den Weltraum stürzt, um zum nächsten Schiff zu schweben, oder wenn diverse Fahrzeuge eine halbherzige Verfolgungsjagd durchführen - und dabei schlechter aussehen als im legendären Musikvideo zu
California Love. Und decken wir lieber den Mantel des Schweigens darüber, wie diese Hatz endet.
Vielleicht ist es wirklich höchste Zeit für die Leute von der Enterprise-E, abzutreten. Bevor sich keiner mehr für sie interessiert.