„ "Rosetta " in falsch“ meinte ein Kollege, nicht ganz zu Unrecht, nachdem er diese Tragödie mitangesehen hatte: Vom Handkameragerassel zu Rammsteins „Mein Herz brennt“ am Anfang über beschädigte Zooms durch russische Trostlosigkeitsplattenbauten (die wieder einmal daran erinnern, dass Lukas Moodysson  , der bisher für seine Lieblichkeit überschätzt wurde, zwar Talent zur Schauspielerführung, aber kaum inszenatorische Sicherheit besitzt) bis zur klimpernden Musik, die nichts mit den Charakteren zu tun hat, macht "Lilja 4-ever " bewusst, wie leicht es ist, Sozialtristesse unter Ausklammerung des Wesentlichen (Arbeit, Gesellschaft, Haltung) zur schmierigen Manipulation für Selbstbestätigung suchende „Liberale“ verkommen zu lassen. Moodysson nimmt bewusst keine Distanz zur Hauptfigur ein, was die Aussage seines Films untergräbt: Das arme Mädel Lilja (ziemlich gut: Oksana Akinshina; um genau zu sein: so gut, dass viele Leute wegen ihres Hilflosen-Mädchen-Charmes auf Moodyssons betont mitreißend zugespitzte Klischees hereinfielen) wird von den Eltern im russischen Nirgendwo zurückgelassen und in die Prostitution gedrängt. Zahlreiche weitere herzzerreißende Unglücksfälle geschehen, Ihr Rezensent gab leider vorzeitig deren Verzeichnung auf, als die tragische Heldin 1) laut „MAMAAAAA!“ schreiend ihrer abfahrenden Mutter hinterherläuft, welche – wir ahnen es – trotz tränenreichen Abschieds nicht im Geringsten die Intention hat, ihr Versprechen vom Wiedersehen in die Tat umzusetzen; dabei 2) ausrutscht und der Länge nach in der nächste Schlammpfütze hinschlägt; woraufhin 3) dramatische bis traumatische Zeitlupe einsetzt, während 4) völlige unpassende, aber äußerst tragische Musik auf der Tonspur anschwillt. Erst als gegen Ende ein unter traurigen Umständen aus dem Leben geschiedenes Kind mit aufgeklebten Engelsflügeln zurückkehrt, um Lilja mit triefendem Moralismus zu erklären, warum das Leben trotz all der Rückschläge lebenswert ist, währe ich allerdings beinahe wieder aus dem Unglückswatschen-Koma erwacht. Beinahe. |