Vielleicht hätte man nach
"Kids
" doch nicht auf Regisseur
Larry Clark 
, sondern auf Drehbuchautor
Harmony Korine 
setzen sollen: Dessen Filme gehen zwar auch ständig daneben, scheitern aber wenigstens an gewagten Regieeinfällen. Clarks Universum grenzt sich hingegen immer weiter ein: Daß ausgerechnet der größte Schwachpunkt seines Debüts – der aufgesetzt moralische AIDS-Handlungsstrang – immer stärker dominiert, tut seinen Filmen gar nicht gut.
"Ken Park
" ist übrigens der Typ, der sich nach fünf Minuten die Birne wegpustet, und auch sonst ist dieser Film voll von verzweifelten Menschen, deren wortlose Verzweiflung sich irgendwann in Gewalttaten entlädt. Die Kleinstadtwelten und Anomie der sozialen Unterschicht von
Ken Park kennt man mittlerweile zur Genüge aus anderen, besseren Filmen, dennoch vermag die um Naturalismus bemühte Inszenierung von Clark und
Ed Lachman (der als Kameramann dem ausgehungerten Film einen erstaunlich satten Look verpasst) immer wieder zu überzeugen. Meistens allerdings nur bis zum Ende der jeweiligen Szene, wo dann ein Akt der Gewalt oder Vergleichbares dem offensichtlich vor so viel Sozialelend stumpfsinnigen Zuschauer noch mal die Botschaft um die Ohren haut. (Insofern als Harmony Korine für diese frustrierende Drehbuchtaktik zeichnet, hätte man auf ihn vielleicht auch nicht setzen sollen.) Clark hat übrigens groß angekündigt, dass er nach
Bully noch extremer werden sollte: Für all seinen freizügigen Sex (der natürlich bewusst Provokantes integriert: Masturbieren plus Selbststrangulation zum Gekeuch eines Damen-Tennismatches im Fernsehen, ein utopischer
threesome unter Teenagern gegen Ende), folgt
Ken Park mit seinen Bestrafungsszenarien einer erstaunlich puritanischen Anlage. Obwohl er vorgibt, möglichst weit weg von Hollywood zu wollen, kommt Clark ideologisch erst wieder dort an.