Wie weit kann die Optik in einem Film alle anderen Schwächen kompensieren? Diese Frage stellt man sich nach
"One Hour Photo
". Regiedebütant und Musikvideo-Spezialist
Mark Romanek 
, der schon für
R.E.M. und
Madonna arbeitete, verfilmt dabei im Gegensatz zu anderen seiner Zunft ein selbst geschriebenes Drehbuch. Und wahrscheinlich hatte er da ein bisschen zu viel Vertrauen in sich selbst, denn genau hier schwächelt der Film ganz eklatant.
Doch zuvor zur oben erwähnten Optik: Romanek und Kameramann
Jeff Cronenweth 
zaubern zusammen mit dem Set-Designer
Tom Foden (auch in
"The Cell
" tätig, der ja auch nur optisch interessant war) ganz hervorragend ausgeleuchtete und farblich perfekt abgestimmte Bilder, in denen alles extrem antiseptisch und scharf wirkt. Besonders der Markt, in dem Parish arbeitet, ist ein moderner Bau, der jedoch durch Farbgebung stark an die Fünfziger erinnert. Grandios in dieser Kategorie auch die Traumszene, in der er zwischen blitzweißen Regalen steht und aus den Augen zu bluten beginnt. Einzig diese Szene mag den Zuschauer kurz aufzurütteln. Ansonsten sieht man hier nichts besonders Aufregendes.
Probleme gibt es schon einmal bei der Charakterzeichnung. Nie kommt man den Figuren in One Hour Photo nahe. Sie wirken wie Reklamemenschen, die es eigentlich gar nicht gibt. So ist Seymour Parish ein Paradepsychopath, der sich auf jemanden fixiert und ihm Leid zufügen möchte. Alleine diese Konstellation haben wir schon tausendmal im Kino gesehen. Romanek kann dem Genre aber nichts hinzufügen, und so gondelt der Film dem Ende zu, das zwar eine kleine Überraschung bereit hält, jedoch kann man das vorher Geschehene damit keineswegs kitten.
Die Darsteller bleiben so kalt wie die Bilder. Nie hat man das Gefühl, sie würden glauben, an etwas Großem teilzuhaben. Besonders Williams spielt nur eine Light-Version seines Charakters aus
"Insomnia
". Scheinbar ist sein Spektrum auch in der Bösewichts-Schiene nur begrenzt.
Gary Cole 
, in letzter Zeit ja nur noch ein Arschloch (spielend), kann dagegen mit seiner schon bekannten, aber immer wieder netten „Böser-Chef-Nummer“ punkten. Die restlichen Schauspieler fallen dagegen nicht einmal auf, einzig
Connie Nilsen zeigt Leinwandpräsenz, geht jedoch mit dem schwachen Skript nicht einmal auf Konfrontationskurs.
"One Hour Photo
" wird bei uns den Stempel Psychothriller bekommen, in dem
Robin Williams 
endlich einmal den Bösen spielt. Das ist aber auch schon alles, was man über diesen Film sagen kann.
Fazit: Außen hui, innen pfui.