Biographien sind immer etwas Zwiespältiges. Einerseits muss die Geschichte unterhaltsam und informativ sein, andererseits darf das ganze nicht in Lobhudelei und blinde Verehrung für eine Person abdriften. Deshalb war ich sehr skeptisch, als ich diesen Film besuchte, auch etwas abgeschreckt durch den Enthusiasmus einer Schauspielerin (Hayek), die 8 Jahre lang gewartet hat, bis sie ihr „Idol“ darstellen durfte. Am Schluss von
"Frida
" war ich jedoch trotz einiger Mängel mit dem Ergebnis zufrieden.
Der Beginn des Filmes ist dagegen ganz und gar nicht gelungen. Sehr schnell handelt Regisseurin
Julie Taymor 
Fridas Kindheit ab, wobei beim Zuseher nicht mehr als die sehr netten visuellen Effekte hängen bleiben. Fast urteilt man vorschnell über den Film, jedoch kriegt er nach einer guten halben Stunde die Kurve. Die Inszenierung fängt sich und die Handlung kommt in Gang.
Frida handelt dabei weniger vom malerischen Schaffen der Mexikanerin (das kommt erst gegen Ende des Filmes mehr zur Geltung), sondern von ihrer komplexen Beziehung zum hässlichen „Womanizer“ Diego Rivera, der wirklich überzeugend von
Alfred Molina 
gemimt wird.
Dazwischen wird kurz auf den Konflikt zwischen dem Kommunismus und der Versuchung der westlichen Welt eingegangen, der im Auftrag für ein Fresko in der Lobby des Rockefeller Centers seinen Höhepunkt findet (Lenin lässt grüssen). Frida und Diego kehren schließlich nach Mexiko zurück, wo sie den emigrierten russischen Politiker Trotzki aufnehmen, mit dem Kahlo eine kurze Affäre beginnt. Dieser Teil des Filmes wirkt besonders durch den eigenartigen Auftritt
Geoffrey Rushs als Trotzki etwas befremdend. Trotzdem bleibt der gute Gesamteindruck erhalten. Die Kritik, der Film würde nur durch visuelle Effekte getragen werden, ist zwar berechtigt, aber das Wichtigste erfüllt er allemal, und das ist die Vorstellung eines Charakters, bei dem man wirklich glaubt, dass er in dieser Art existiert hat. Kahlo wird zwar zur Ikone, aber nicht zur Heldin stilisiert. Vielmehr erfährt man etwas über eine starke und doch schwache Frau, deren Exzesse wohl mehr als Retourkutsche an ihren Mann denn als Lebensgenuss gewertet werden können. Trotzdem wird sie aber auch heute noch von vielen Schwulen und Lesben als Vorreiterin gesehen, da sie sich zu einer Zeit offenherzig mit Frauen zeigte, in denen dieses Thema noch ein Tabu war.
Was
Salma Hayek 
s Leistung betrifft, so kann man wirklich sagen, dass sie sich während des Filmes immer mehr in die Figur Frida verwandelt. Das viele Recherchieren scheint sich ausgezahlt zu haben, denn die Academy hat die Mexikanerin heuer für einen Oscar nominiert. Auch Alfred Molina als Diego Rivera macht eine gute „Figur“. Er stellt den hässlichen Playboy wirklich sympathisch und gleichzeitig grausam dar. Seiner Figur nimmt man den Erfolg bei Frauen ab. Nebenbei bekommt man auch einige Cameos serviert.
Antonio Banderas 
,
Ashley Judd 
,
Valeria Golino 
sowie
Saffron Burrows 
scheinen auch so sehr an diesem Projekt interessiert gewesen zu sein, dass sie sich mit kleineren Rollen zufrieden gegeben haben.
Edward Norton 
(Hayeks Ehemann) ist übrigens auch noch dabei.
Die Inszenierung selbst wirkt manchmal nur wie eine Abfolge von Ereignissen als eine zusammenhängende Erzählung. Verschiedene Stationen in beider Leben werden angerissen um dann gleich wieder fallen gelassen zu werden. Wenn man das aber vernachlässigt und sich dem Gefühl hingibt, dass der Film verbreitet, wird man (auch als Mann) einen schönen Kinoabend haben, in dem man einiges über Frida Kahlo und vieles über Beziehungen, Verletzungen und Vergebung lernt.
Fazit: Nette Biografie über eine wirklich interessante Figur der Malerei.