Dass
Solaris in Amerika elendiglich gefloppt ist, kann nur mäßig verwundern – schließlich hat
Steven Soderbergh
Stanislaw Lem 
s bemerkenswerten, ausufernden philosophischen SF-Roman auf knappe 100 Minuten runterkondensiert, was nicht einmal zwei Drittel der Spieldauer von
Andrei Tarkowsky mystisch-transzendenter und auch schon recht verwirrender Erstverfilmung ausmacht. Auf der Strecke geblieben ist dabei die narrative Kohärenz – die Nebenfiguren (political-correctness-Crewmitglied
Viola Davis und ein überraschenderweise ausnehmend lustiger
Jeremy Davies, der einzige Kicherer in einem Meer der Melancholie) treiben durch die Story wie die Kamera bisweilen vor dem titelgebenden Planeten, der an eine gigantische Lavalampe erinnert. Dafür kann sich Soderbergh seinen cleveren stilistischen Spielchen widmen: Erstaunlich sicher geführte Jump Cuts, versetzter Ton, ein formschönes, monochromes Wechselbad in Metallic-Blau und Schatten-Schwarz. Sehr schön anzusehen ist
Solaris damit jedenfalls, ansonsten verzettelt man sich in einem sympathisch unkommerziellen Unterfangen.
Ob die ganze Geschichte für jemanden, der weder mit Lem noch Tarkowskij Bekanntschaft gemacht hat, fesselnd oder auch nur nachvollziehbar ist, sei dahingestellt: Die Nebenstränge der Handlung verpuffen einfach im ätherischen Nichts (fast so ätherisch wie die kulleräugige
Natasha McElhone), der Kern immerhin ist klar. Soderbergh (auch Autor und Kameramann, als letzterer klar am erfolgreichsten) hat offensichtlich eingesehen, dass er kein großer Denker ist, beschränkt sich vor allem auf die Liebesgeschichte: Psychiater Chris Kelvin (George Clooney, ein wenig unglücklich mit den sentimentalen Zügen seiner Rolle, aber er schlägt sich wacker) untersucht die mysteriösen Vorgänge auf der Raumstation bei Solaris, bald erscheint auch ihm ein Besucher aus seiner Erinnerung – seine Frau Rhea (McElhone), an deren Selbstmord er sich schuldig fühlt. Nach ein paar bemerkenswerte filmischen Ideen geht es schnell nur mehr um die großen Fragen – Was ist das Wesen des Menschseins? Inwiefern existiert die Welt nur, wie wir sie wahrnehmen? Findet Komponist Cliff Martinez auch mal eine andere Taste auf seinem Synthesizer? –, was ziemlich okay wäre, bekäme Soderbergh nicht kalte Füße und fühlte sich von Zeit zu Zeit verpflichtet, sie auch in Großbuchstaben auszuposaunen.
So bleibt ein etwas unglücklicher Mix: Als Weltraum-Trip à la
2001 hat
Solaris zuwenig Drogen-Affinität, als Denkwuchtel nicht den metaphysischen Überbau von Tarkowskys Version (den peinlichen Ausrutscher in Richtung „christliche Parabel“ knapp vor Schluss übergehen wir besser), an imposanter Größe mangelt es sowieso. Die Entscheidung, George Clooneys Hintern groß zu präsentieren (ziemlich die einzige, wohlgeformte kommerzielle Attraktion des Films), kann angesichts der dramatischen Szene, von der dadurch abgelenkt wird, auch nur als Akt der Umnachtung oder oberschlaue Ironie ausgelegt werden. Andererseits weht eine verführerische, melancholische Trance durch den Film, die ihn ziemlich super machen würde, hätte er sich auf sein ihm zustehendes Territorium – das schlanke, feinkalibrierte 70-Minuten-B-Movie – beschränkt. So rinnt das Ganze irgendwann aus, bis der Schluss einiges wieder gut macht. Vor allem für Christen.
Trotzdem wesentlich kürzer als
"Ocean´s Eleven
", weniger konfus als
"Full Frontal
", mit mehr Herz gemacht als
"Erin Brockovich
", ohne die schulmeisterhafte Filmkenner-Ironie von
"The Limey
" und nicht einmal so großspurig wie
"Traffic
" - damit eigentlich der einnehmendste Soderbergh seit seinem Knüller
"Out of Sight
", aber halt doch ein bisschen wie Martinez’ Score:
one-note, wie man das im Englischen so schön sagt.